Rüegsegger Hans Jörg · Nationalrat · 2025-12-10
Rüegsegger Hans Jörg · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-10
Wortprotokoll
Die Initiative mit dem Decknamen "für eine sichere Ernährung" in der Schweiz - kurz "Vegi-Initiative" - will den Selbstversorgungsgrad mit pflanzlicher Ernährung auf 70 Prozent steigern. Gleichzeitig sollen die negativen Auswirkungen der Landwirtschaft, insbesondere in den Bereichen des Nährstoffeintrags in die Umwelt, der Pflanzenschutzmittelrückstände im Trinkwasser oder des Biodiversitätsverlusts, reduziert werden.
Die Initiative führt direkt in einen Anbauzwang, zurück zu staatlichen Abnahmegarantien und mehr Importabhängigkeiten. Zielkonflikte, den Markt und die Konsumentenbedürfnisse blendet diese Initiative grosszügig aus. Sie schwächt die Ernährungssicherheit und schränkt Wirtschafts- und Wahlfreiheit massiv ein.
Der Zielkonflikt zwischen einer intakten Natur, einheimischer Produktion und der Wahlfreiheit würde mit der Vegi-Initiative nicht gelöst, sondern verschärft. Damit zeigt die Initiative exemplarisch auf, dass sich die Landwirtschaft in einem Dilemma befindet, weil sie sich im Spannungsfeld von sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit zu bewegen hat.
Die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft braucht keine weiteren radikalen Experimente, sondern gezielte Verbesserungen, um eine vielfältige und resiliente pflanzliche Produktion von landwirtschaftlichen Produkten sicherzustellen. Hier geht es um die Anbaubereitschaft der Schweizer Bauernfamilien.
Der Anbau von Proteinpflanzen für die menschliche Ernährung in der Schweiz ist sehr anspruchsvoll. Wenige spezialisierte Nischenanbieter können sich dank Premiumprodukten gegen ausländische Konkurrenz im Markt behaupten, auch gegen den Preisdruck. Soll der Anbau von Feldfrüchten in der Schweiz einen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent erreichen, müsste der Schutz der Kulturen in allen Bereichen des integrierten Pflanzenschutzes massiv ausgebaut werden. Bereits heute aber leiden insbesondere die Kartoffel-, Zuckerrüben-, Raps-, Obst- und Gemüseproduzenten unter fehlenden Möglichkeiten zum Schutz gegen Pflanzenschädlinge und Pflanzenkrankheiten. Das ist die Folge von verbotenen Wirkstoffen und aufwendigen Zulassungsprozessen. Einsprachen im Rahmen des Verbandsbeschwerderechts verlangsamen die Zulassung von wirksamen Pflanzenschutzmitteln sowohl im biologischen wie im konventionellen Pflanzenbau - Stichwort "gleich lange Spiesse".
Die Initiative verlangt Anpassungen im Landwirtschafts- und Ernährungssystem, ohne die Herausforderungen und [PAGE 2232] Zielkonflikte als Ganzes im Blickfeld zu haben. Nötig ist aber ein offener gesellschaftlicher Dialog über die Folgen von unzureichenden Schutzmöglichkeiten für die lokale und regionale Landwirtschaft. Damit würde die Grundlage geschaffen, über ideologische Grenzen hinweg echte Lösungen für ein resilientes und zukunftsfähiges Landwirtschafts- und Ernährungssystem zu erarbeiten - "Ernährungssicherheit" als Stichwort.
Wir leben im Grasland Schweiz mit nachhaltiger Tierproduktion, produzieren nach ökologischem Leistungsnachweis, lassen die Tiere raus, halten uns an Fruchtfolgen, Anbaupausen und Nährstoffbilanzen und an Düngungspläne, die im[NB]Vergleich[NB]zu[NB]vielen Handelspartnern der Schweiz den Einsatz von Düngemitteln nur zu einem Bruchteil erlauben - "Kreislaufwirtschaft" hier als Stichwort.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Konsumentinnen, die Vegi-Initiative verstellt den Blick auf tragfähige Lösungen, führt zu mehr Importen und exportiert die Umweltbelastung. Gute Absicht, falscher Ansatz. Das Dilemma der Vegi-Initiative ist offensichtlich: Sie verkennt die Zusammenhänge zwischen Ernährungssicherheit, Anbaubereitschaft und Umweltschutz.
Empfehlen Sie aus den genannten Gründen diese unsägliche, radikale Volksinitiative zur Ablehnung - zugunsten der Anbaubereitschaft, der Versorgungssicherheit, von mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz sowie von mehr Fairness und Respekt gegenüber den Schweizer Bauernfamilien.