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Schläpfer Therese · Nationalrat · 2025-12-11

Schläpfer Therese · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-11

Wortprotokoll

Die vorliegende Volksinitiative kommt zwar, wie die meisten, mit guten Absichten daher. Gut gemeint ist aber nicht immer gut gemacht. In Tat und Wahrheit stellt sie einen tiefen Eingriff in unsere kulturelle Identität dar. Sie will uns, unseren Gemeinden und unseren Kantonen vorschreiben, wie wir unseren Nationalfeiertag und Silvester feiern dürfen. Das ist nicht nur übergriffig, das ist ein Angriff auf etwas, das seit Generationen zu unserem Land gehört, nämlich das Feuerwerk.

Lassen Sie mich mit dem 1.[NB]August beginnen. An keinem anderen Tag im Jahr sind wir Schweizerinnen und Schweizer so sichtbar eins: von den kleinsten Bergdörfern im Wallis bis zu den grössten Städten an den Seen. Überall steigen gleichzeitig die Raketen in den Himmel, leuchten die Bengalfackeln, und am Lagerfeuer knistern die Wunderkerzen in den Händen der Kinder. Dieses gemeinsame Leuchten verbindet uns stärker als jede Rede oder Hymne. Es ist unser kollektives "Wir sind Schweiz". Wer dieses Bild verbietet, löscht nicht nur ein[NB]paar[NB]Raketen,[NB]sondern[NB]auch[NB]ein[NB]Stück Schweizer Seele.

Ich höre schon den Einwand, Tradition sei kein Argument. Doch, das ist sie. Tradition ist das, was ein Volk zusammenhält, wenn alles andere auseinanderdriftet. Unsere Traditionen sind keine Museen. Sie leben, und das Feuerwerk am[NB]1.[NB]August ist lebendiger denn je - wie die Funken der Appenzeller, die seit über hundert Jahren ihre Höhenfeuer anzünden. Fragen Sie die Familien in Lugano, die vom Monte Brè aus das Feuerwerk über dem See bewundern. Fragen Sie die Kinder im Emmental, für die der 1.[NB]August ohne Böller und Raketen undenkbar ist.

Auch Silvester gehört dazu. Es ist der eine Moment im Jahr, in dem wir kollektiv Abschied nehmen und neu beginnen dürfen, mit Lärm und Licht, mit Freude. Wer Silvesterfeuerwerk verbietet, verbietet nicht nur Knallfrösche, sondern auch Lebensfreude. Gibt es irgendwo irgendwelche Probleme? Nein. Wir in der Schweiz haben ein bewährtes Instrument: die kantonale und die kommunale Regelungshoheit. Schon heute gibt es Gemeinden mit totalem Feuerwerksverbot, andere mit strengeren Zeit- und Ortsbeschränkungen und wieder andere mit zentral organisierten professionellen Feuerwerken. Genau so funktioniert Föderalismus: nicht alles von oben verbieten, sondern vor Ort entscheiden, was sinnvoll und nötig ist. Die Initiative will stattdessen ein schweizweites Totalverbot, [PAGE 2249] auch dort, wo es gar kein Problem gibt. Das ist der berühmte Hammer, wo ein Skalpell genügen würde. Gemeinden und Kantone können individuelle Lösungen finden, ohne dass wir unsere Traditionen abschaffen müssen.

Ein Land, das seine Feste nicht mehr feiern darf, wie es seit Jahrzehnten üblich ist, verliert mehr als nur ein paar bunte Lichter am Himmel: Es verliert das Gefühl, dass es etwas gibt, das grösser ist als der Alltag. Das Feuerwerk am[NB]1.[NB]August ist kein Umweltproblem, sondern ein Schweizer Identitätsmoment - und den lassen wir uns nicht nehmen.

Deshalb sage ich klar und deutlich Nein zur bundesweiten Feuerwerks-Initiative, Ja zu vernünftigen föderalen Regelungen und Ja zu unserem Feuerwerk am 1.[NB]August sowie zu Silvester.