Funiciello Tamara · Nationalrat · 2026-03-04
Funiciello Tamara · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-03-04
Wortprotokoll
In meinem Minderheitsantrag geht es um 300[NB]000 Franken, um 300[NB]000 Franken für die Ausbildung von Opferberaterinnen. Für den Bund ist dieser Beitrag "munzig". 300[NB]000 Franken bei 90 Milliarden, das sind 0,000003 Prozent, also praktisch ein Rundungsfehler im Bundeshaushalt. Das ist das gleiche Verhältnis, wie wenn wir bei einem normalen Haushaltseinkommen von 300[NB]000 Franken einen Franken streichen würden. Für den Bund ist der Betrag "munzig", für die Betroffenen ist er entscheidend. Es ist entscheidend, dass Frauen, die Gewalt erlebt haben, die Garantie haben, dass sie mit Menschen reden können, die gut ausgebildet sind, und dass es genügend von diesen Menschen gibt. Der Bund wird hoffentlich bald die Notrufnummer 142 für Opfer von Gewalt lancieren. Für diese Nummer brauchen wir ausgebildete Leute, die am Telefon antworten. Wenn wir diese Beiträge kürzen, dann ist diese Ausbildung gefährdet. Es geht nicht nur um den Beitrag, es geht auch um die Gesetzesänderung, die dahintersteckt. Wenn wir dieses Gesetz ändern, dann nimmt sich der Bund aus der Verantwortung heraus, darüber diskutieren wir hier gerade.
Die Kosten, die diese Diskussion verursacht, sind wahrscheinlich höher als der Betrag, um den es geht, 0,000003 Prozent des Budgets. Das ist kein Sparbeitrag, das ist Symbolpolitik. Doch was für ein Symbol wollen Sie vermitteln? Was für ein Zeichen wollen Sie setzen? Dass Ihnen die Opfer von Gewalt egal sind? Wie kann es sein, dass der Bundesrat so etwas vorsieht? Wie kann es sein, dass der Ständerat dem zustimmt? Wie kann es sein, dass die Finanzkommission auch noch Ja sagt? Und wie kann es sein, dass ich schon wieder hier stehe, nach allem, was im Dezember war, und dafür kämpfen muss, dass dieser Betrag nicht gekürzt wird? Haben Sie uns im Dezember nicht gehört, die Frauen, die diese Petition unterschrieben haben, die Mails verschickt haben, die demonstriert haben? Sehen Sie die Gewaltepidemie, die wir jeden Tag erleben, nicht? 29 Femizide, 430[NB]000 vergewaltigte Frauen und Millionen von Fällen von sexueller Belästigung. Was muss noch passieren, damit wir endlich eine Priorität werden? Wir haben heute Morgen eine Kürzung der Beihilfe zur Viehwirtschaft, der Entsorgungsbeiträge und den Verzicht auf die Förderung der Obstverwertung rückgängig gemacht, Wert: über 50 Millionen Franken. Müssen wir wirklich nochmals die Schafe-oder-Frauen-Diskussion führen?
Ich bitte Sie im Namen aller Frauen in diesem Land inständig, diesem Minderheitsantrag zuzustimmen. Wir werden unsere Geschichte und unseren Schutz selbst in die Hand nehmen. Egal, was Sie hier entscheiden, wir werden eine Initiative lancieren.