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Meier Andreas · Nationalrat · 2026-03-12

Meier Andreas · Nationalrat · Aargau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2026-03-12

Wortprotokoll

Wir beraten heute das Postulat, das den Bundesrat beauftragt, wissenschaftliche Alternativen zur bekannten Lebensmittelpyramide zu evaluieren und dabei insbesondere das neu entwickelte Ernährungstableau [PAGE 398] des internationalen Wissenschaftsnetzwerks "Nourish - Your Choice" zu prüfen.

Zur Klarstellung: Das Postulat steht nicht in Konkurrenz zu den bereits bestehenden Postulaten 24.4312, 24.4313 und 24.4334. Diese drei Vorstösse wurden bereits vom Nationalrat angenommen und bilden nun den Rahmen für einen umfassenden Bericht des Bundesrates über die wissenschaftlichen Grundlagen unserer Ernährungsempfehlungen. Gerade weil diese Vorstösse breit gefasst sind, ist es wichtig, dass wir sie gezielt ergänzen, denn sie beantworten eine zentrale Frage nicht: Welche konkreten alternativen Darstellungsmodelle sollen in dem Bericht tatsächlich vertieft geprüft werden? Die älteren Vorstösse geben dem Bundesrat einen notwendigen, aber sehr generellen Auftrag. Sie klären nicht, welche bestehenden wissenschaftlichen Konzepte als Vergleichsgrundlage herangezogen werden sollen. Somit besteht das Risiko, dass innovative Modelle wie das Ernährungstableau in der Gesamtschau des Bundesrates nur oberflächlich gestreift oder gar nicht methodisch geprüft werden. Genau hier setzt mein Postulat an.

Wir alle wissen, dass Ernährungsempfehlungen nicht nur wissenschaftlich korrekt, sondern auch verständlich, alltagstauglich und kulturell anschlussfähig sein müssen. Die Lebensmittelpyramide erfüllt diese Anforderungen immer weniger. Sie ist ein Modell aus den 1990er-Jahren, das trotz mehrmaliger Überarbeitung in der Fachwelt, in der Lebensmittelwissenschaft und -wirtschaft und in der Bevölkerung zunehmend auf Kritik stösst. Das Ernährungstableau von "Nourish - Your Choice" hingegen ist ein modern entwickeltes, wissenschaftlich fundiertes Instrument, das gleich mehrere Vorteile bietet: Es ist niederschwellig und intuitiv verständlich; es berücksichtigt traditionelle und moderne Essgewohnheiten; es erlaubt differenzierte, flexible Darstellungen; und es stärkt die Eigenverantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten. Dieses Modell existiert heute real, es liegt wissenschaftlich dokumentiert vor. Es wäre schlicht unverständlich, wenn es im anstehenden Bundesratsbericht nur beiläufig erwähnt würde. Mein Postulat stellt sicher, dass dieses konkrete, international abgestützte Konzept nicht übersehen wird.

Ich habe zur Kenntnis genommen, dass ein Ratsmitglied das Postulat bekämpft. Ich respektiere jede inhaltliche Differenz; doch ich möchte betonen, es geht hier nicht um eine politische Bewertung einzelner Lebensmittel oder Traditionen. Es geht darum, dem Bundesrat einen klaren Auftrag zu geben, ein bereits existierendes, wissenschaftlich fundiertes Modell sorgfältig zu prüfen. Eine Bekämpfung dieses Vorstosses führt nicht zu einer besseren wissenschaftlichen Basis. Sie verhindert lediglich, dass der Bundesrat eine konkrete Alternative fachlich einordnet. Wenn wir als Parlament wollen, dass unsere Ernährungsempfehlungen künftig wissenschaftlich robust, verständlich und gesellschaftlich glaubwürdig sind, dann müssen wir offen sein für neue wissenschaftliche Ansätze.

Der Bundesrat beantragt, wie Sie sehen, die Annahme des Postulates. Ich bitte Sie, dem Bundesrat zu folgen.