Jost Marc · Nationalrat · 2026-03-16
Jost Marc · Nationalrat · Bern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2026-03-16
Wortprotokoll
Sauberes Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und die unverzichtbare Lebensgrundlage unserer Gesellschaft. In der Schweiz gewinnen wir rund 80 Prozent unseres Trinkwassers aus dem Grundwasser. Inzwischen sind es aber auch beinahe 20 Prozent, die aus den Seen kommen und aufbereitet werden. Aber dieses kostbare Gut steht massiv unter Druck, wir haben es gehört.
Gewässerschutz hat eigentlich eine lange Tradition in diesem Haus. Es war einer meiner Vorgänger, EVP-Nationalrat Paul Zigerli, der 1944 mit seinem Postulat "Rettet die Gewässer" den Grundstein für unsere heutige Gesetzgebung gelegt hat. Aber heute, über achtzig Jahre später, müssen wir uns eine unbequeme Frage stellen, und das tue ich mit der Interpellation 26.3042: Hat der mangelnde Gewässerschutz in unserem Land mittlerweile System? Die Faktenlage ist besorgniserregend, und wir von der EVP sehen ein Muster des Zögerns, das unsere Lebensgrundlage gefährdet.
Erstens besteht ein Vollzugsdefizit bei den Ultragiften: Aus unserer Sicht ist es ein Affront, dass der Bundesrat trotz klarer toxikologischer Notwendigkeit auf Grenzwerte für spezifische Pestizidwirkstoffe wie Deltamethrin verzichtet hat. Wir haben die Beispiele gehört: In der Wyna im Kanton Luzern wurde der Grenzwert im Herbst 2025 um das über 4000-Fache überschritten. Aber das UVEK verzichtet hier auf Grenzwerte, nachdem es dem Bauernverband eine Art Exklusivvernehmlassung gewährt hat. Für uns ist das rechtsstaatlich doch sehr fragwürdig. Ohne Grenzwerte fehlt den Kantonen schlicht das Instrument für eine wirksame Diagnose. Es geht nicht um ein Verbot, sondern um ein Instrument, das man braucht, um zu messen und reagieren zu können.
Zweitens ist die PFAS-Krise ein Weckruf aus unseren Seen. Das Beispiel Zugersee zeigt uns die Konsequenzen, die Untätigkeit haben kann. Seit letztem Herbst dürfen Egli und Hecht wegen massiver Belastung mit PFAS, sogenannten Ewigkeitschemikalien, nicht mehr verkauft werden. Einzelne Berufsfischer stehen vor dem Aus. Aber damit nicht genug: Bei einem Berufsfischer übersteigen die Werte die Grenze um das 77-Fache. Bei anderen hat niemand eine Ahnung, wie schwer sie wirklich belastet sind. Währenddessen warten die Kantone in verschiedenen Bereichen aber vergeblich auf klare Höchstwerte vom Bund. Das ist auch deshalb problematisch, weil sich einzelne Säuren auch in Ewigkeitschemikalien umwandeln, und diese verschwinden eben nicht, indem wir abwarten. Das ist das Problem. Es braucht hier wirklich Mut und schnelles Handeln.
Deshalb betrifft der dritte Punkt die zu langen Fristen. In der aktuellen Revision des Gewässerschutzgesetzes sieht der Bundesrat Fristen bis zum Jahr 2050 vor. Die EVP sagt: Das ist zu spät. Wer Trinkwasser schützen will, kann nicht ein Vierteljahrhundert warten. Wir fordern eine Beschleunigung, sodass wir hier im Rhythmus und Takt von Europa vorwärtsgehen.
Viertens erleben wir gerade Vorstösse, die das Monitoring der Schweizer Gewässer massiv aufweichen wollen. Vorhin wurde die Forderung erwähnt, erst bei einer Überschreitung um 20 Prozent statt wie bisher um 10 Prozent einzugreifen. Aus unserer Sicht entbehrt dies wissenschaftlicher Grundlagen, und es ist auch ein Bruch mit dem, was man dem Volk in Bezug auf die Initiative "Lebendiges Wasser" und die Ernährungssicherheits-Initiative oder auch im Rahmen der Trinkwasserdebatte 2021 versprochen hat. Wenn wir diesen Schwellenwert erhöhten, würde das bedeuten, dass kantonale Stellen mit Belastungen doppelt so lange alleingelassen würden.
Der Gewässerschutz ist seit über achtzig Jahren und nach wie vor ein Kernanliegen der EVP. Deshalb fordern wir die sofortige Festlegung der fehlenden Pestizidgrenzwerte, wir fordern eine Verkürzung der genannten Fristen, etwa für die Ausscheidung der Zuströmbereiche oder den Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen. Hören wir auf, die Zulassung solcher Stoffe auf Ebene Bund zu regulieren und gleichzeitig die Verantwortung für die Problemlösung auf die Kantone und Gemeinden abzuwälzen!