Gantenbein Laura · Nationalrat · 2026-06-08
Gantenbein Laura · Nationalrat · Solothurn · Grüne Fraktion · 2026-06-08
Wortprotokoll
Die sogenannte Blackout-Initiative und der Gegenvorschlag verkaufen sich als Lösung für Versorgungssicherheit. In Wahrheit sind sie ein gefährlicher Rückschritt in eine Technologie aus dem letzten Jahrtausend mit unabsehbaren Risiken, hohen Kosten, einer ungelösten Entsorgungsfrage und einer Abhängigkeit vom Ausland, da Uran in der Schweiz nicht abgebaut wird und auch nicht abgebaut werden soll. Ich könnte hier enden, möchte aber doch noch einige Punkte, die meinen Kanton betreffen, vertiefen.
Beznau 1 wurde 1969 fertiggebaut, also in dem Jahr, in dem die ersten Schritte auf dem Mond gemacht wurden - wir wissen, wie lange das her ist. Beznau 1 ist das älteste AKW der Welt. Das AKW Gösgen im Kanton Solothurn, nahe der grössten Stadt des Kantons, wurde zehn Jahre später gebaut und war soeben mehrfach in den Medien, da es aufgrund von Sicherheitsmängeln sogar ausgeschaltet werden musste. Zudem liegt das AKW Leibstadt nur wenige Kilometer entfernt. Die Menschen in unserer Region tragen also seit Jahrzehnten das Risiko eines schweren Atomunfalls, ohne je gefragt worden zu sein, ob sie dieses Risiko überhaupt tragen wollen. Dabei hat man sich sogar noch gewehrt und konnte immerhin dasjenige in Kaiseraugst verhindern.
Als Mitglied der Organisation "Nie wieder Atomkraft" (NWA) habe ich an Veranstaltungen teilgenommen, an denen Fachpersonen eindrücklich aufgezeigt haben, welche Folgen Radioaktivität für Menschen haben kann. Besonders eindrücklich war die Perspektive von Ärztinnen der Organisation "International Physicians for the Prevention of Nuclear War". Die Ärztinnen, die sich für soziale Verantwortung und die Verhütung eines Atomkriegs einsetzen, erinnern uns daran, dass Radioaktivität kein abstraktes Risiko ist. Sie bedeutet nämlich konkret Krebs, genetische Schäden, unbewohnbare Regionen und jahrzehntelanges menschliches Leid.
Wer heute, nach den Katastrophen in Fukushima und Tschernobyl vor 15 und vor 40 Jahren, ernsthaft behauptet, Atomkraft sei eine sichere Zukunftstechnologie, blendet die Realität aus. Ein schwerer Unfall in Gösgen oder Leibstadt hätte katastrophale Folgen für die gesamte Nordwestschweiz, auch für Solothurn: kontaminierte Böden, kontaminiertes Trinkwasser, zerstörte Existenzen. Trotzdem soll die Schweiz nun erneut Milliarden in diese Technologie investieren, obwohl sie viel zu spät kommt, der Bau lange dauert, viel zu teuer ist und den Ausbau der erneuerbaren Energien ausbremst?
Neue AKW wären frühestens in Jahrzehnten betriebsbereit. Die Klimakrise und die Energiefrage lösen wir aber jetzt mit Solarenergie, Windkraft, Speichertechnologien, Effizienz, Suffizienz und einem intelligenten Stromnetz. Die Milliarden müssen wir in diese Lösungen investieren. Echte Versorgungssicherheit entsteht nicht durch zentrale Hochrisikoanlagen, sondern durch eine dezentrale, erneuerbare und demokratische Energieversorgung. Auch der Kanton Solothurn hat riesiges Potenzial bei Solarenergie auf Dächern, Fassaden und Infrastrukturen. Dieses Potenzial müssen wir endlich konsequent und besser nutzen - ja, auch auf Autobahnen, Herr Kollege Imark, wie vorhin gesagt wurde. Die Sonne schickt nämlich keine radioaktive Rechnung an kommende Generationen.
Atomkraft hinterlässt indes ein Erbe für unzählige nachfolgende Generationen. Noch immer gibt es weltweit nämlich kein einziges Tiefenlager, das über Hunderttausende Jahre Sicherheit garantieren kann. Wir Grünen durften einmal das Felslabor Mont Terri im Jura besichtigen, wo plastisch gezeigt wird, wie kompliziert es ist, ein solches Tiefenlager mit Opalinuston zu bauen. Es ist verantwortungslos, kommenden Generationen hochradioaktiven Abfall zu hinterlassen, weil man heute einfach diesen Weg gehen will.
Darum sage ich klar Nein zur Blackout-Initiative und zum Gegenvorschlag.