Schläpfer Therese · Nationalrat · 2026-06-09
Schläpfer Therese · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-06-09
Wortprotokoll
Es ist Zeit, einen historischen Fehler zu korrigieren. Das Verbot neuer Kernkraftwerke muss aus dem Kernenergiegesetz gestrichen und die entsprechenden verfassungsrechtlichen Hürden müssen beseitigt werden. Die Schweiz braucht Technologieoffenheit statt ideologischer Blockaden. Ich habe bereits in meiner Motion 22.4092, "Abgebrannte Brennstäbe sind Wertstoffe", gefordert, dass Brennstäbe wiederverwendet oder exportiert werden dürfen.
Kernkraft liefert günstigen, zuverlässigen Bandstrom. Im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie produziert sie Strom rund um die Uhr, unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Sie ist neben der Wasserkraft die stabilste und preiswerteste CO2-arme Grosskraftquelle, die wir haben. Eine einseitige Abhängigkeit von Flatterstrom führt zwangsläufig zu Versorgungslücken, insbesondere im Winter.
Die rotierenden Massen der Turbinen in Kernkraftwerken stabilisieren unser Netz bei exakt 50 Hertz. Sie liefern Trägheit und Momentanreserve, die Fotovoltaik und Wind nicht bieten. Unter 49,5 Hertz treten Probleme auf, unter 47,5 Hertz kollabiert das System. Das Beispiel des grossen Blackouts auf der Iberischen Halbinsel vom 28.[NB]April 2025 zeigt dies: Nicht Strommangel war die Ursache, sondern Spannungsprobleme; ungenügende Blindleistungsregelung und fehlende Systemträgheit führten zum flächendeckenden Zusammenbruch. Solche Risiken dürfen wir der Schweiz nicht zumuten.
Die Versorgungssicherheit beim Brennstoff ist hoch. Stabile westliche Partner wie Kanada und Australien liefern das Uran. Im Gegensatz zu Gas oder seltenen Erden besteht keine Abhängigkeit von autoritären Regimen. Die benötigten Mengen sind gering: Wenige Tonnen pro Jahr und Reaktor genügen für grosse Strommengen. Wir könnten problemlos Uran für 25 Jahre in wenigen Containern lagern.
Zum radioaktiven Abfall wird oft Panik verbreitet. Die gesamte Menge an verpacktem radioaktivem Abfall, die in der Schweiz aus über fünfzig Jahren Kernenergie sowie aus Medizin, Industrie und Forschung entstanden ist und noch entsteht, beträgt rund 80[NB]000 bis 93[NB]000 Kubikmeter. Das entspricht etwa dem Volumen von ein bis zwei Turnhallen. Es handelt sich um ein überschaubares, kontrollierbares und geologisch sicher lagerbares Volumen - kein Vergleich zu den Millionen Tonnen Abfall aus anderen Energieformen wie Solar- oder Windkraftanlagen.
Ausserdem besteht die Aussicht, gebrauchte Brennstäbe wiederzuverwerten. An den bestehenden Standorten Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg ist die Akzeptanz von Kernkraftwerken hoch. Die ansässige Bevölkerung kennt die Technologie, profitiert wirtschaftlich und befürwortet Neubauten mehrheitlich. Netze und Hochspannungsleitungen sind bereits vorhanden. Aufwendige neue Trassen entfallen, was Zeit und Milliarden Franken spart.
Neue Kernkraftwerke ersparen zudem teure Batteriespeicher im grossen Massstab. Lithium-Ionen-Speicher zur Überbrückung der Winterlücke wären volkswirtschaftlich sehr teuer. Auch der Netzausbau fällt deutlich günstiger aus, da Bandstrom weniger volatile Einspeisung und damit weniger Verstärkungsmassnahmen erfordert. Studien zeigen ein Einsparpotenzial im Netzausbau von rund 20 Milliarden Franken, wenn weniger erneuerbare Energien eingespeist werden, also etwa die Kosten eines neuen Kernkraftwerkes.
Die Schweiz sollte nicht bloss autark sein, sondern idealerweise eine Stromautarkie von 120 Prozent im Inland anstreben. Das erhöht die Versorgungssicherheit, ermöglicht Exporte in trockenen Wintern und stärkt unsere Unabhängigkeit. Kernkraft ist dafür unverzichtbar.
Ich danke Ihnen, wenn Sie dieser Initiative zustimmen.