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Burgherr Thomas · Nationalrat · 2026-06-09

Burgherr Thomas · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-06-09

Wortprotokoll

Im Zentrum der heutigen Debatte steht die Frage, wie die Schweiz in Zukunft genügend Strom produzieren kann. Der Bedarf wird in den kommenden Jahren sicher weiter steigen. Elektroautos, Wärmepumpen, die zunehmende Digitalisierung, aber auch die hohe Zuwanderung benötigen immer mehr elektrische Energie. Gleichzeitig werden bestehende Kernkraftwerke irgendwann das Ende ihrer Lebensdauer erreichen.

Der indirekte Gegenvorschlag setzt genau hier an. Seit der Annahme der Energiestrategie 2050 dürfen in der Schweiz keine neuen Kernkraftwerke mehr bewilligt werden. Der Gegenvorschlag will dieses Verbot aufheben. Er verpflichtet niemanden dazu, sofort neue Kernkraftwerke zu bauen. Er schafft jedoch die Möglichkeit, dass zukünftige Generationen selbst entscheiden können, welche Technologien sie für die Stromversorgung nutzen wollen.

In Zeiten von globalen Unsicherheiten sowie schnellen Entwicklungen ist es ein grundlegendes Anliegen, sich auf zuverlässige Technologien abstützen zu können. Kernkraftwerke schonen Klima und Landschaft und liefern grosse Mengen Strom. Und das Stromnetz dazu ist bereits vorhanden. Unsere Industrie, die KMU, aber auch private Haushalte machen seit Jahrzehnten gute Erfahrungen mit der Kernenergie. Niemand weiss heute genau, wie die Energieversorgung in zwanzig oder dreissig Jahren aussehen wird. Die Technologie entwickelt sich ständig weiter, und zwar sehr schnell. Deshalb sollte man keine Technologie von vornherein gesetzlich ausschliessen. Der Gegenvorschlag schafft mehr Flexibilität und hält alle Optionen offen.

Ein weiteres Argument betrifft die Versorgungssicherheit. Solarenergie und weitere erneuerbare Energien leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Allerdings sind sie wetterabhängig. Im Winter, wenn der Stromverbrauch besonders hoch ist, produziert die Schweiz oft wenig Solarstrom. Kernkraftwerke können dagegen rund um die Uhr Strom liefern, unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Sie stellen sogenannte Bandenergie bereit, also eine konstante Grundversorgung. Gerade deshalb ist der Gegenvorschlag eine sinnvolle Ergänzung zu den erneuerbaren Energien. Die Schweiz braucht eine ausgewogene Energiepolitik, welche eine sichere Stromversorgung garantiert.

Hinzu kommt die Frage der Unabhängigkeit. Die Schweiz importiert besonders im Winter regelmässig Strom aus dem Ausland; wir haben es bereits gehört. Wenn jedoch mehrere europäische Länder gleichzeitig Stromknappheit erleben, kann nicht garantiert werden, dass genügend Strom für die Schweiz verfügbar ist - das kann niemand garantieren. Der Gegenvorschlag stärkt deshalb langfristig die Möglichkeit, den benötigten Strom im eigenen Land zu produzieren.

Auch der Klimaschutz spricht für diese Lösung. Kernkraftwerke verursachen während der Stromproduktion sehr wenig CO2. Wer das Ziel verfolgt, fossile Energieträger zu ersetzen und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen, sollte deshalb alle CO2-armen Technologien berücksichtigen. Der indirekte Gegenvorschlag setzt dieses Ziel auf pragmatische Weise um, indem er das Neubauverbot aufhebt und damit zukünftige technologische Entwicklungen ermöglicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Gegenvorschlag bedeutet nicht den sofortigen Bau von Kernkraftwerken. Er sorgt vielmehr dafür, dass die Schweiz auch künftig frei über ihre Energiepolitik entscheiden kann. Das ist wichtig. Er stärkt die Versorgungssicherheit, erhöht die Unabhängigkeit vom Ausland, unterstützt die Klimaziele und verhindert, dass wichtige Technologien vorschnell ausgeschlossen werden.

Aus diesem Grunde unterstütze ich die Volksinitiative "Jederzeit Strom für alle" und empfehle Ihnen gleichzeitig, den indirekten Gegenvorschlag zur Aufhebung des Neubauverbots für Kernkraftwerke anzunehmen.