Zybach Ursula · Nationalrat · 2026-06-10
Zybach Ursula · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-06-10
Wortprotokoll
Wohnen gehört zu den elementarsten Bedürfnissen jedes Menschen. Eine Wohnung ist weit mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie ist Voraussetzung für Familienleben, Bildung, Arbeit, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe. Unsere Bundesverfassung trägt diesem Umstand Rechnung. In Artikel 41 hält sie nämlich fest, dass sich Bund und Kantone dafür einsetzen, dass Wohnungssuchende für sich und ihre Familie eine angemessene Wohnung zu tragbaren Bedingungen finden können. Damit dieses Ziel der Bundesverfassung erreicht werden kann, müssen Menschen bei der Wohnungssuche eine faire Chance erhalten. Genau hier setzt das Postulat an.
Es verlangt keine neuen Verbote, es verlangt auch keine neuen Regulierungen, und es verlangt kein neues Gesetz. Es verlangt etwas viel, viel Bescheideneres, aber Wichtiges, nämlich Wissen. Wir wissen heute erstaunlich wenig darüber, wie häufig Menschen bei der Wohnungssuche aufgrund ihres Alters, ihrer Herkunft, ihres Aufenthaltsstatus, ihrer Religion oder auch ihres sozialen Status oder anderer Merkmale benachteiligt werden. Wir wissen, dass solche Fälle vorkommen, aber wir kennen weder das Ausmass noch die konkreten Mechanismen ausreichend. Der Bundesrat selbst hat in seiner Antwort auf die damalige Interpellation Atici festgehalten, dass rassistische oder fremdenfeindliche Diskriminierungen bei der Wohnungssuche vorkommen. Auch die Fachstelle für Rassismusbekämpfung kommt zu diesem Schluss. Wenn wir aber anerkennen, dass dieses Problem existiert, dann sollten wir auch bereit sein, genauer hinzuschauen.
Der Bundesrat argumentiert, eine breite Analyse sei aufwendig und methodisch anspruchsvoll. Das mag stimmen, aber ein Aufwand ist kein überzeugendes Argument gegen einen Erkenntnisgewinn. Dies gilt gerade in einer Zeit, in der der Wohnungsmarkt angespannt ist. Und hier erlaube ich mir, auf die rechte Seite des Rates zu blicken; Sie thematisieren ja immer, wie schwierig es sei, Wohnungen zu finden: Das wäre ein erster Schritt, den man machen könnte, hier mehr Wissen zu haben. In einer Zeit also, in der der Wohnungsmarkt angespannt ist, die Leerwohnungsziffer tief ist und viele Menschen Mühe haben, eine passende Wohnung zu finden, sollten wir wissen, ob bestimmte Bevölkerungsgruppen systematisch schlechtere Chancen haben als andere. Wer Verantwortung trägt, sollte hinschauen statt wegschauen. Das Postulat verlangt deshalb einen Bericht, nicht mehr und nicht weniger.
Es geht darum, Fakten zu kennen, statt Vermutungen zu pflegen. Es geht darum, Transparenz zu schaffen, statt Vorurteile zu bedienen. Und es geht darum, allfällige Massnahmen auf eine solide Grundlage zu stellen.
Mit einem Ja zu diesem Postulat gibt es keine zusätzlichen Regulierungen. Sie sagen lediglich Ja zu einer sorgfältigen Analyse und einer faktenbasierten Diskussion. Das sollte eigentlich das Selbstverständliche hier im Nationalrat sein. Wenn wir am Ende feststellen, dass das Problem kleiner ist als vermutet, dann haben wir Klarheit gewonnen. Und wenn wir feststellen, dass eben verschiedene Gruppen tatsächlich benachteiligt werden, dann haben wir eine Grundlage, sachgerecht darüber zu diskutieren. Beides ist meiner Meinung nach ein Gewinn.
Deshalb bitte ich Sie: Stimmen Sie der Annahme dieses Postulates zu, und unterstützen Sie, dass wir mehr Wissen haben zu einem Thema, das von rechts bis links alle beschäftigt.