Hässig Patrick · Nationalrat · 2026-06-17
Hässig Patrick · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2026-06-17
Wortprotokoll
Dieser Minderheitsantrag kam nur zustande, weil der Antrag in der Kommission per Stichentscheid der Präsidentin keine Mehrheit fand. Es geht um ein sehr wichtiges und vor allem in Zukunft gewichtiges Thema. Es geht um die grossen Herausforderungen in der Psychiatrie und in der Psychotherapie. Meine Minderheit sieht eine Ausdehnung der Ausnahmeregelung auf den Weiterbildungstitel Psychiatrie und Psychotherapie für Erwachsene vor. Aus unserer Sicht wäre eine solche Berücksichtigung sehr wichtig. Weshalb?
1. Die Ausnahme für die Kinder- und Jugendpsychiatrie gilt bereits. Es ist unverständlich, weshalb für die Erwachsenenpsychiatrie andere Regeln gelten sollen. Diese Fachpersonen arbeiten zusammen im selben System, oft mit denselben Patientinnen und Patienten.
2. Der Mangel an Psychiaterinnen und Psychotherapeuten ist dokumentiert. Menschen, die auf diese Art von Unterstützung angewiesen sind, leiden. Sie brauchen jetzt Hilfe und nicht in zehn Jahren, wenn wir dann hoffentlich mehr Psychiaterinnen und Psychotherapeuten fertig ausgebildet haben.
3. Die Zahl der IV-Renten wegen psychischer Erkrankungen steigt stark an. Wenn wir verhindern wollen, dass Menschen mit psychischen Beschwerden dauerhaft aus dem Erwerbsleben ausscheiden und auf die IV angewiesen sind, dann müssen wir psychische Probleme frühzeitig behandeln. Das ist sozial richtig, und es ist auch aus Sicht der IV-Finanzen vernünftig. Ja, die Massnahme wird potenziell zu einer Mengenausweitung führen. Aber den Bedarf wegzureden, indem man das Angebot klein hält, löst kein Problem. Es verschiebt es nur, und zwar auf die Patientinnen und Patienten, auf die IV, auf unsere Steuern und ganz grundsätzlich auf die Gesellschaft.
Im Namen der Grünliberalen Fraktion bitte ich Sie deshalb, meinen Minderheitsantrag zu unterstützen und ihm hier im Rat zu einer Mehrheit zu verhelfen.