Hubmann Vreni · Nationalrat · 2003-12-17
Hubmann Vreni · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2003-12-17
Wortprotokoll
Auch ich bitte Sie, dem Antrag der Minderheit Fehr Jacqueline zuzustimmen und die Initiative zur Annahme zu empfehlen. Es gibt dafür viele Gründe, ich beschränke mich auf den wichtigsten.
Die Reduktion des Poststellennetzes, wie sie gegenwärtig im Gange ist, widerspricht diametral den Bedürfnissen der Bevölkerung. Sie widerspricht insbesondere den Bedürfnissen der älteren Bevölkerung, die, wie wir wissen, zahlenmässig weiter zunimmt und immer bedeutender wird. Die Reduktion der Poststellen widerspricht einer gesamtheitlichen Alterspolitik, welche zum Ziel hat, den Menschen ein langes, unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Immer wieder hören wir von Leuten, die als Achtzig- oder sogar über Neunzigjährige noch in ihrer eigenen Wohnung leben und selber für sich sorgen können. Das ist sehr erfreulich. Dass sie das tun können, verdanken sie unter anderem der Möglichkeit, im nächsten Umkreis, sei es im Quartier oder im Dorf, das Lebensnotwendige einkaufen zu können. Dazu gehört auch der Gang zur Post, um Einzahlungen zu machen, um die Renten abzuholen oder um Briefe und "Päckli" an Angehörige und Freunde aufzugeben. Die älteren Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landes sind die treusten Kundinnen und Kunden der Post. Sie sind daher auch in erster Linie die Betroffenen, wenn Poststellen geschlossen werden, denn Poststellen können nicht einfach durch Migros-Filialen oder Kioskbetriebe ersetzt werden.
Poststellen haben auch eine wichtige soziale Funktion; es sind Orte der Begegnung. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität, gerade von Betagten. Wo finden Sie so freundliche, geduldige und kompetente Helferinnen und Helfer wie an einem Postschalter?
Mit der Schliessung einer Poststelle nehmen Sie vielen Betroffenen auch ein Stück Heimat, und nicht selten ist sie der Anfang der Verarmung des Quartier- oder Dorflebens. Ich kenne persönlich mehrere solcher Beispiele: Nach der Postschliessung verschwand auch der Dorfladen oder der Quartierladen.
Es ist uns allen völlig klar, dass die Gesetze des Marktes es der Post nicht erlauben, allein ein flächendeckendes Poststellennetz aufrechtzuerhalten. Es muss deshalb vom Bund mitfinanziert werden. Ein flächendeckendes Poststellennetz ist nicht nur wichtig für die Lebensqualität der gesamten Bevölkerung, es ist auch ein wichtiges Element einer modernen und gesamtheitlichen Alterspolitik.
Ich bitte Sie deshalb, der Initiative zuzustimmen. Die Seniorinnen und Senioren und auch die gehbehinderten Menschen werden es Ihnen danken.