Slongo Marianne · Ständerat · 2003-12-11
Slongo Marianne · Ständerat · Nidwalden · Christlichdemokratische Fraktion · 2003-12-11
Wortprotokoll
Es liegt kein schriftlicher Bericht vor; die Berichterstattung erfolgt mündlich. Wir behandeln diesen Vorstoss als Zweitrat. Der Bundesrat ist bereit, die Motion Randegger entgegenzunehmen. Der Nationalrat hat sie in der Frühjahrssession 2003 an den Bundesrat überwiesen.
Ihre vorberatende Kommission empfiehlt Ihnen ebenfalls, die Motion "System Bologna an Fachhochschulen" zu überweisen.
Worum geht es? Bologna - die Hauptstadt der Region Emilia-Romagna - war vor 800 Jahren ein Entstehungsort neuer Bildungskultur, weil im Jahre 1188 in Bologna die erste Universität Europas gegründet wurde. Seit der gemeinsamen Unterzeichnung durch die Bildungsminister aus 29 Staaten am 19. Juni 1999 steht der Name dieser Stadt für eine europaweite Reform im Tertiärbereich. Die Bologna-Vorgaben umfassen ein Ausweissystem über Leistungen und eine Vereinheitlichung der Abschlüsse, bezeichnet als Bachelor und Master. Auch für die Fachhochschulen unseres Landes stellt der Bologna-Prozess eine anspruchsvolle Studienreform dar, die sich an den wandelnden Bedürfnissen unserer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts orientiert. Die Erziehungsdirektorenkonferenz hat die Fachhochschulen angewiesen, ab Herbst 2005 Bachelor-Studiengänge einzuführen. Noch sind aber einige Entscheide offen, obwohl viele strategische Grundlagen von den Fachhochschulen bereits erarbeitet wurden.
Der nationale und der internationale Wettbewerb im Hochschulbereich wird auf der Master-Stufe stattfinden. Deshalb teilen wir die von der Motion formulierten Anliegen, dass das Bologna-System, mit Bachelor- und Master-Kursen, an den Fachhochschulen angeboten werden muss - dies natürlich auch mit der klaren Forderung, die internationale Anerkennung dieser neuen Studienabschlüsse im Gleichschritt mit den Nachbarstaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich zu erlangen.
Unsere Kommission hat in diesem Zusammenhang die Problematik der längeren Studiendauer - insbesondere an den Universitäten - diskutiert. Wie verhält sich dies mit dem Bologna-Prozess? Reformen sind unabdingbar. Das Master-Studium bedeutet eine Verlängerung des heutigen Fachhochschulstudiums und hat die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel zur Folge. Die politischen Instanzen haben sich für die wichtige Kernaufgabe Bildung und Forschung ausgesprochen. An diesen Instanzen liegt es, die zukunftsorientierten Voraussetzungen für die Fachhochschulen festzulegen. Über 60 Prozent aller Jugendlichen in der Schweiz absolvieren eine Berufslehre. Die Attraktivität dieser Berufslehren kann mit dem Besuch einer Fachhochschule gesteigert werden.
Dazu braucht es jedoch Folgendes: erstens die präzise Festlegung von klaren Kompetenzen, welche die künftigen Studienabgehenden für ihre Berufsbefähigung benötigen, zweitens den zusammenhängenden Aufbau des Fachhochschulstudiums, drittens die realistische Einschätzung dessen, was die Studierenden in der verfügbaren Zeit leisten können, und viertens eine arbeitsmarktrelevante Qualifikation in Übereinstimmung mit den durch die Wirtschaft definierten Anforderungsstrukturen.
Der Berufserfolg gründet auf einem starken Bildungsangebot. Eine verantwortungsvolle Umsetzung des Bologna-Abkommens - auch für unsere Fachhochschulen - bildet eine wichtige Voraussetzung dafür.
Namens der vorberatenden Kommission bitte ich Sie, diese Motion zu überweisen.