Schwaller Urs · Ständerat · 2004-03-09
Schwaller Urs · Ständerat · Freiburg · Christlichdemokratische Fraktion · 2004-03-09
Wortprotokoll
Am gestrigen Abend war in diesem Saal sehr viel von Service public, Randregionen, Konsumenten, Warteschlangen, abzuliefernden "Päcklis" und etwa drei oder vier Male auch von der Romandie die Rede.
Erlauben Sie mir, dass ich im Zusammenhang mit der Interpellation Studer kurz auf ein für den zweisprachigen Kanton Freiburg wichtiges regionalpolitisches Anliegen zu sprechen komme: Die in der Stadt Freiburg seit 131 Jahren angesiedelte Paulus-Druckerei gibt unter anderem jeden Tag die Tageszeitungen "La Liberté" und die "Freiburger Nachrichten" heraus. Damit beide Zeitungen mit Auflagen von 16 000 Exemplaren bzw. 40 000 Exemplaren ihren Auftrag als Tageszeitungen wahrnehmen können, ist der Redaktionsschluss auf 23.30 Uhr bis 24 Uhr angesetzt. Mit diesem Vorgehen wird gewährleistet, dass die beiden Tageszeitungen bis rund 02.30 Uhr auf die Bahn verladen werden können. Mit der Reorganisation der Zeitungslogistik wird nun [PAGE 75] der Zeitpunkt der Ablieferung bis gegen zwei Stunden vorverschoben, und zwar eben, wie gesagt, in die neuen Verteilzentren Bern und Lausanne; der Kanton Freiburg wurde ja zweigeteilt. Damit muss auch der Redaktionsschluss entsprechend vorverschoben werden, und zwar bis gegen 22 Uhr.
Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Entweder die Zeitung berichtet über nichts mehr, was nach 22 Uhr auf der Redaktion eingeht; d. h., man berichtet nicht mehr über die Ergebnisse von Gemeindeversammlungen und Generalräten, nicht mehr über Matchergebnisse, und man verzichtet auf übrige Sportberichte, was mittelfristig das Todesurteil für eine regionale Tageszeitung bedeutet. Das wäre natürlich für unseren zweisprachigen Kanton auch unter dem Gesichtspunkt der Kohäsion vernichtend! Oder die Tageszeitung muss an einem anderen Ort gedruckt werden, konkret: in einem Betrieb in der Nähe der Verteilzentren. Damit gehen in einer gerade vom Bund nicht verwöhnten Region weitere Arbeitsplätze verloren. Das kann es doch nicht sein!
Ich ersuche deshalb die Verantwortlichen der Post, zu einer Lösung Hand zu bieten, die die Grundversorgung und auch die Arbeitsplätze ausserhalb der grossen wirtschaftlichen Zentren der Schweiz ernst nimmt. Mit etwas gutem Willen - ich habe mir auch die Papiere angeschaut - sind Lösungen möglich.
Besten Dank, Herr Bundesrat, wenn Sie trotz der ablehnenden Antwort des Bundesrates die Sache im Auge behalten. Der Stand Freiburg, verschiedene andere Kantone der Romandie und meines Erachtens auch der Kanton Tessin werden dankbar sein für die Bereitschaft der Post, in Zusammenarbeit insbesondere mit den Verlegern gute Lösungen zu finden.