Graf Maya · Nationalrat · 2004-06-03
Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2004-06-03
Wortprotokoll
Ich begründe hier also den Antrag der Minderheit V zu Buchstabe a. Was möchte ich Ihnen beantragen? Wir möchten, dass der Antrag der Mehrheit mit dem Zusatz ergänzt wird, dass neben der lebenslangen Weiterbildung auch die Chancengleichheit vorangetrieben wird. Es ist also eine Ergänzung zum Antrag der Mehrheit.
In der Schweiz haben wir bezüglich der Chancengleichheit einen grossen Nachholbedarf. Noch heute ist es leider so, dass das Portemonnaie der Eltern darüber entscheidet, ob ein Kind später einen Hochschulabschluss machen kann oder nicht. Kinder aus sozial schwächeren Schichten haben immer noch weniger Zugang zu höheren Ausbildungen. Das [PAGE 852] betrifft auch im Besonderen Kinder aus Migrantenfamilien. Das dürfen, das können und das wollen wir uns nicht leisten.
Ebenfalls muss die Chancengleichheit zwischen Mann und Frau in der Bildung weiter vorangetrieben werden. Wir sind hier auf dem richtigen Weg. Es wurden viele Anstrengungen gemacht. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir verstärkt daran weiterarbeiten müssen.
Noch ein Zweites: Die Ausbildungsbeiträge in der Schweiz müssen vereinheitlicht und auch angehoben werden. Denn auch hier gibt es z. B. eklatante Unterschiede zwischen den Kantonen, und dies, obwohl die Mobilität der Studierenden zunimmt. Diese Beiträge müssen erhöht und dürfen nicht gekürzt werden. Sie sind auch nicht durch Studiengebührenerhöhungen zu ersetzen, denn gerade dies würde die Chancenungleichheit noch verstärken.
Unser Antrag der Minderheit V ist auch genau in diesem Lichte zu sehen. Eine gute Ausbildung aller jungen Menschen dient der ganzen Gesellschaft. Sie sind das Kapital der Zukunft und der Schweiz. Sie müssen dieser Ergänzung zustimmen. Ich denke da auch an den Antrag der SVP-Fraktion, den Herr Wandfluh begründet hat: Er muss unbedingt abgelehnt werden. Es ist unbegreiflich, dass die SVP noch immer nicht begriffen hat, dass Bildung der Schlüssel zur Gesellschaft ist und dass es ohne Gesellschaft gar keine Wirtschaft und auch kein Wirtschaftswachstum gibt. Diese Zusammenhänge sollten eigentlich langsam klar werden.
Darum bitten wir Sie, hier dem Antrag der Minderheit V zuzustimmen und dann der Mehrheit zu folgen sowie dem Antrag der Minderheit VII von Frau Roth-Bernasconi, die eine Lehrstellenoffensive möchte, zuzustimmen.