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preparatory:AB 45092

Noser Ruedi · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2004-09-28

Wortprotokoll

Die nun folgende Detailberatung des Fachhochschulgesetzes ist wichtig, doch hängt das Sein oder Nichtsein der Fachhochschulen nicht von den Entscheiden in der Detailberatung ab, sondern davon, wie dieses Gesetz umgesetzt wird. Darum möchte ich mich bei meinem Eintretensvotum in erster Linie darauf konzentrieren.

Wir haben 1996 das Fachhochschulgesetz in Kraft gesetzt, mit der klaren Erwartung, eine höhere Qualität in die Ausbildung hineinzubringen. An die Stelle der damals etwa 35 unabhängigen Fachhochschulen sollten sieben über die Schweiz verteilte Fachhochschulregionen treten. Bald wurde die Erfolgsmeldung verbreitet, dass die sieben Fachhochschulregionen nun gegründet seien. Nun, Tatsache ist, dass es heute etwa 60 Standorte gibt, also fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren, und an diesen 60 Standorten 2001 etwa fünfmal weniger Personen studiert haben als an den zehn Universitäten und an den ETH. In der Peer Review haben 220 Studiengänge die Anerkennung bekommen. Wenn man bedenkt, dass ein FH-Studium eine Grundlagenausbildung ist, so darf man dies als grosse Zahl bezeichnen. Wie diese Fachhochschulen bei 60 Standorten und fünfmal weniger Studierenden als an den Universitäten und an den ETH zusammen Master-Studiengänge durchführen und angewandte Forschung betreiben wollen, ist mir ein Rätsel. Jedenfalls werden die Kantone aufzeigen müssen, dass ihnen die Qualität der Hochschulen wichtig ist. Ab und zu kommt einem der Verdacht auf, dass mit diesen Schulen in erster Linie eine teure Regionalpolitik verfolgt wird. Denn aufgrund der Anzahl Studierender würden fünf Standorte durchaus genügen. Ich erwarte von den Kantonen, dass die Anzahl Fachhochschulen drastisch reduziert wird.

Wir müssen uns bewusst sein, dass die Personenfreizügigkeit mit dem Zusammenwachsen von Europa nicht nur der Wirtschaft mehr Konkurrenz bringen wird, sondern dass auch der Wettbewerb im Bildungswesen härter werden wird. So werden Studierende immer öfter selbst entscheiden, an welche Hochschulen sie gehen werden. Insbesondere im Bereich der Master-Studiengänge und der Nachdiplom-Studiengänge wird das schnell zum Tragen kommen. Auch sollten wir uns davon verabschieden, dass Fachhochschulen angewandte Forschung für die lokale Wirtschaft und für die KMU machen sollen. Forschung findet global statt, und die angewandte Forschung muss im globalen Wettbewerb bestehen können. Die KMU sind darauf angewiesen, mit den besten Forschungsinstituten zusammenzuarbeiten und nicht mit dem, das per Zufall gerade vor unserer Haustüre steht. Ich fordere die Fachhochschulen auf, den Forschungsauftrag ernst zu nehmen und nicht jede Anwendungsentwicklung, die gemacht wird, als Forschung zu bezeichnen.

In der Bologna-Übereinkunft wird die Mobilität geregelt, nicht aber die Qualität einer Ausbildung. Mit der Einführung des Bologna-Modells sind die Bildungsanbieter aufgefordert, ein eigenständiges Profil zu erarbeiten und innerhalb dieses Profils eine exzellente Ausbildung anzubieten. In Zukunft wird nicht nur ein Bachelor- oder ein Master-Diplom für Qualität stehen, sondern es wird sehr wichtig sein, welche Hochschule dieses herausgegeben hat.

Die Herausforderung für die Fachhochschulen ist enorm gross. Sie sind gemäss Gesetz verpflichtet, eine Bachelor-Ausbildung anzubieten, die berufsbefähigend ist. Das ist etwas, was die Universitäten im Moment noch infrage stellen. So haben die ETH ausdrücklich festgehalten, dass ihr [PAGE 1432] Bachelor-Titel nicht berufsbefähigend ist. Während die Universitäten und die ETH das Bologna-Modell nur halbherzig umsetzen, zwingt man die Fachhochschulen per Gesetz dazu.

Es ist aber eine interessante Frage, wie man eine Berufsbefähigung messen wird. Denn schlussendlich wird die Wirtschaft entscheiden, welche Leute sie anstellt und welche nicht. Die Forderung der Wirtschaft ist klar: Die Wirtschaft war sehr zufrieden mit den alten HTL- und HWV-Titeln und verlangt, dass die FH-Titel das gleiche Niveau haben.

Auch bei der anstehenden Reform sind die Forderungen klar: Man erwartet, dass die Absolventen das gleiche Niveau wie vorher haben. Dieser Forderung steht ein eindrücklicher Abbau der Anzahl Lektionen gegenüber. So musste ich, als ich mein HTL-Diplom erwarb, noch 4200 Lektionen absolvieren. Bei der Einführung des FH-Titels, der von der Politik ja als Aufwertung verkauft wurde, wurde die Lektionenzahl auf etwa 3200 reduziert. Jetzt, mit der Einführung des Bachelor/Master-Systems, möchte man für die Bachelor-Ausbildung auf unter 3000 Lektionen gehen. Ich bin mir bewusst, dass man einen grossen Teil dieser ausfallenden Lektionen durch eine Veränderung der Wissensvermittlung abgelten kann. Aber Sie gehen mit mir einig: Es wird zu beweisen sein, dass dieser enorme Umbau der Fachhochschulen nicht zu einem Qualitätsabbau führen wird.

Ich fordere die Fachhochschulen auf, diesen Prozess mit aller Sorgfalt zu gestalten und nichts zu tun, was sie nicht verantworten können. Die Wirtschaft wird für Akademiker mit einer "Schnellbleiche" kaum Verwendung haben. Aus meiner Sicht ist dieser Prozess für die Eigenständigkeit der Fachhochschulen viel gefährlicher als die Diskussion, ob man Maturanden, wie auch immer, den Zugang zu den Fachhochschulen gewähren soll.

Ich bitte Sie, auf den Gesetzentwurf einzutreten.