Deiss Joseph · Bundesrat · 2004-09-29
Deiss Joseph · Bundesrat · Freiburg · 2004-09-29
Wortprotokoll
Praktisch alle, die sich heute früh ausgesprochen haben, sind der Meinung, man müsse mehr für unseren Tourismus tun. Ich hoffe aber, dass nun der Entscheid, der gefällt wird, nicht darauf hindeutet, dass man weniger tut - die Gefahr ist in der Tat vorhanden.
Zuerst einmal zum Betrag: Der Bundesrat schlägt 200 Millionen Franken vor. Ich glaube, es ist ein vernünftiger Vorschlag, welcher der jetzigen Finanzlage des Bundes gerecht wird, der real sogar weniger bedeutet als bisher. Mit diesem Betrag soll Schweiz Tourismus auch neue Märkte erobern. Es ist uns soeben gelungen, in China - einem wachsenden Markt - die Zulassung als Destination zu erlangen. Haben Sie schon einmal versucht, in China etwas zu verkaufen? Wenn Sie das tun, stellen Sie fest, was das an Anstrengungen bedeutet. Und dann, Herr Kaufmann, muss ich sagen, ist die Überlegung, die Sie hier angestellt haben, doch etwas "à la grand-papa". Tourismuswerbung im Ausland kann natürlich nicht über die lokalen Veranstaltungen passieren, da genügt es nicht, wenn Sie die Taxen für Ihre Wohnung in einem Ferienort bezahlen. Da braucht es mehr, und das ist eben Schweiz Tourismus: Es braucht eine geballte, gebündelte Strategie nach aussen. Das kann die Tourismusbranche nicht - sogar die Gegner der heutigen Vorlage haben es gesagt -, denn sie ist naturgemäss zu sehr über die Regionen, über die verschiedenen Berufe, die dazugehören, und [PAGE 1471] über die Betriebe verzettelt. Es gibt keine Grossbetriebe in dieser Branche. Da müssen wir etwas tun, und als Wirtschaftsfachmann müssten Sie das doch erkennen.
Das Zweite ist die Dauer. Beim Betrag sind wir uns ja einig, da brauchen wir uns nicht zu sehr ins Zeug zu legen. Aber es geht noch um die Dauer: Hier stehen wir vor einer Aufgabe, die langfristig angelegt werden muss. Sie können, Herr Maitre hat es gesagt, schwierige Auslandmärkte, wo Sie sich in hartem Wettbewerb befinden, nicht mit kurzfristiger Planung und Aktivität bearbeiten. Sie müssen langfristiger angelegte Programme durchziehen können.
Es geht auch um die Motivation. Es genügt nicht, das Geld zu haben. Es genügt nicht, die Zeit zu haben. Man muss noch motiviert sein. Nun haben wir mit Schweiz Tourismus eine Organisation, die in den höchsten Tönen gelobt wird. Niemand hat das heute früh bestritten. Und jetzt will man dort einen Dämpfer aufsetzen. Glauben Sie, dass das auf die Mitarbeiter einer solchen Organisation als zukunftsträchtiges Zeichen wirkt? Oder glauben Sie nicht, dass die Leute vielleicht andere Möglichkeiten suchen? Ich glaube, es wäre falsch, nun das Zeichen bei Schweiz Tourismus zu setzen, zumal die Mitarbeiter gute Arbeit leisten. Deshalb beantrage ich Ihnen, dem Bundesrat zu folgen.
Sie werden mir sagen, die drei Jahre seien im Vergleich mit den fünf Jahren kein wichtiges Zeichen. Doch das Parlament würde damit ein sichtbares Zeichen setzen, denn es entschiede gegen seine eigenen Gesetze, gegen das Gesetz, das fünf Jahre vorsieht. Das werden Sie wohl nur tun, wenn Sie einen wirklich triftigen Grund dafür haben. Ich glaube, Sie haben diesen Grund nicht, und es ist heute wichtig, dass Sie für unsere Wirtschaft, für den Tourismus ein positives Zeichen setzen, die Motivation fördern und für die fünf Jahre stimmen.