Heim Alex · Nationalrat · 2000-06-14
Heim Alex · Nationalrat · Solothurn · Christlichdemokratische Fraktion · 2000-06-14
Wortprotokoll
Bei diesem Vorstoss - ein gleich lautender wurde im Ständerat als Motion überwiesen - geht es um das Erlernen der lokalen Sprache durch die in der Schweiz dauerhaft zugelassenen Ausländer. Was bei den schulpflichtigen Kindern dieser Ausländer selbstverständlich ist - das Erlernen der lokalen Sprache in der Schule -, ist den Eltern der Kinder meist fremd. Vor allem die Ehefrauen sind auch nach Jahren der lokalen Sprache noch immer nicht mächtig. Ich habe oft den Eindruck, dies sei von den Ehemännern sogar so gewollt. An Elterngesprächen in der Schule stelle ich immer wieder fest, dass der Vater dem Gespräch einigermassen folgen kann, die Mutter jedoch kaum; das Kind hat den Eltern, meistens eben der Mutter, zu übersetzen.
Die Sprache ist nicht der einzige, aber ein wichtiger Schlüssel zur Integration. Das Erlernen der lokalen Sprache ist der erste Schritt zum Kontakt mit den Einheimischen, vermindert auf beiden Seiten Ängste; Ausgrenzung und Ghettoisierung werden dadurch verkleinert. Es ist auch ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung der Kriminalität. Ferner erhöht die Sprachkompetenz berufliche Mobilität und begünstigt die Weiterbildung. Bei der ausländischen Wohnbevölkerung kann die Einsicht in die Notwendigkeit des Spracherwerbs leider nicht unbedingt vorausgesetzt werden. Anreize und ein gewisser sanfter Zwang müssen deshalb geschaffen werden. Damit bringt man die Leute dazu, dass sie Sprachkenntnisse erwerben. Wer nicht versteht, was um ihn herum vor sich geht, wer sich nicht ausdrücken, seine Gefühle und Gedanken nicht zum Ausdruck bringen kann, gerät in Isolation - und Isolation macht Angst. Menschen, die in permanenter Angst und Spannung leben, werden beispielsweise bevorzugt, wenn es darum geht, sie mit religiös-fundamentalistischen Ansichten zu beeinflussen.
Ich danke dem Bundesrat für seine Stellungnahme zu dieser Motion und möchte noch zwei kleine Bemerkungen anfügen: Ich bin froh, dass der Bundesrat diesem Anliegen positiv gegenübersteht und der Sprachschulung eine hohe Aufmerksamkeit widmet, wie er schreibt. Skeptischer bin ich bei den Ausführungen zur Ausgestaltung des obligatorischen Schulunterrichts. Es stimmt, dass die Schulung der fremdsprachigen Kinder während der obligatorischen Schulpflicht Sache der Kantone ist. Die Schulkinder aber sind nicht das Problem. Kinder lernen im Allgemeinen rasch. Das grosse Problem liegt bei den Jugendlichen, die vielleicht im sechsten, siebten oder achten Schuljahr zu uns kommen und danach in irgendeine Lehre oder Anlehre gehen sollten. Abschlussklassen mit einem Ausländeranteil von 70 oder 80 Prozent sind ein echtes Problem und leider keine Seltenheit. Das Problem liegt auch bei den Frauen, die zum Teil während Jahren in totaler Isolation leben. Hier muss man tätig werden und Rahmenbedingungen schaffen, damit jene Leute, die man etwas unter Druck setzen will, auch die Möglichkeit haben, zumindest minimale Sprachkenntnisse zu erwerben. Es wird nicht einfach sein.
Ich möchte den Bundesrat in seinen Aktivitäten unterstützen, bin aber durchaus zufrieden, wenn wir den Vorstoss als Postulat überweisen.