Deiss Joseph · Bundesrat · 2004-12-02
Deiss Joseph · Bundesrat · Freiburg · 2004-12-02
Wortprotokoll
Ich möchte Ihnen vorerst im Nachgang zu dem, was der Präsident Ihres Rates gesagt hat, danken, wenn Sie die Beratung heute vorantreiben können. Ziel ist es für mich, das System von Bologna im nächsten Herbst einführen zu können. Das bedingt, dass das Parlament das vorliegende Gesetz im Dezember noch verabschiedet. Denn es müssen dann noch die Verordnungen gemacht werden, die drei Monate in die Vernehmlassung geschickt werden müssen. Wir wollen das Gesetz auf den 1. Juli des nächsten Jahres einführen können. Ich bedaure, dass ich am nächsten Montag für den Nationalrat "programmiert" bin. Somit bin ich Ihnen dankbar, wenn Sie diese Beratung heute zu Ende führen können.
Hier geht es nun um die Frage des Systems. Ich glaube, Sie müssen die Signale richtig setzen. Wir wollten nämlich, als es um die Fachhochschulen ging, eine zweite Säule in unserem System aufbauen, unter dem Motto "andersartig, aber gleichwertig". Deshalb geht es darum, diese Andersartigkeit auch zu bestätigen. Es geht auch um die Durchlässigkeit, wie es Frau Langenberger gezeigt hat, denn es ist durchaus notwendig, jenen, die sich "umpolen" möchten, die Gelegenheit dazu zu bieten. Aber die "Umpolung" ist in einem System, das so hoch entwickelt ist wie unseres, doch eher der Ausnahmefall und nicht die Regel. Das System sollte sich nicht nach diesen Bedürfnissen richten, sondern umgekehrt. Wichtig ist, dass die Durchlässigkeit garantiert ist.
Andersartigkeit heisst, dass die Voraussetzungen anders sind. Bei den Universitäten geht man von einer theoretischen, gymnasialen Ausbildung aus, bei den Fachhochschulen von einer praktisch ausgerichteten, also einer dualen Ausbildung. Somit kann man dieser Andersartigkeit nur genügend Rechnung tragen, wenn man auch dazu steht, dass bei einem Wechsel vom einen System ins andere zusätzliche Leistungen zu erbringen sind. Wer mit einer Berufsmatura eine Universität besuchen will, muss gewisse Fächer nachholen, Mathematik usw. Es würde niemandem in den Sinn kommen zu sagen, er könne die Mathematik nach dem zweiten oder dritten Universitätsjahr nachholen. Man wird ihm sagen: Sie brauchen das zu Beginn. Und genau dasselbe gilt für die Fachhochschulen, wo man davon ausgeht, dass die Qualifikation, die man mitbringt, eine praktische ist und dass sie eben vorher schon vorhanden ist. Deshalb bitte ich Sie, dem Beschluss des Nationalrates, das heisst der bundesrätlichen Fassung, zuzustimmen.
Das Argument der Praktikumsplätze ist sicher ein Argument, das zu berücksichtigen ist, und der Auftrag der Fachhochschulen besteht darin, den Praktikantinnen und Praktikanten bei der Suche zu helfen. Das ist auch schon in der Verordnung vorgesehen. Wir werden übrigens mit dem BBT prüfen, ob zusätzliche Regelungen auf Verordnungsstufe notwendig sind, um eine gute Abwicklung dieser Anforderung ermöglichen zu können. Gefordert ist hier eine engere Zusammenarbeit zwischen den Fachhochschulen und den Unternehmen, um eine gezielte Politik der Vermittlung von Praktikumsplätzen zu bewerkstelligen. Aber dies ist unseres Erachtens durchaus möglich, und wir wollen das unterstützen.
Ich glaube, wir befinden uns auch am Beginn einer wichtigen Phase der Gesetzgebung, der Organisation unseres Hochschulsystems. Wir sind auf dem Weg zur Gestaltung der Hochschullandschaft, und ich werde mich dafür einsetzen, dass man die Eigenarten, die Spezialitäten, der beiden Hochschulsysteme wahren wird, denn wir haben nicht die Mittel, zweimal das Gleiche zu tun. Wir wollen zwei Pfeiler, von denen jeder seine Eigenart hat, und es ist wichtig, dass wir hier die richtigen Signale setzen.
Deshalb bitte ich Sie, dem Entwurf des Bundesrates bzw. dem Antrag der Minderheit zuzustimmen.