Deiss Joseph · Bundesrat · 2004-06-17
Deiss Joseph · Bundesrat · Freiburg · 2004-06-17
Wortprotokoll
Eine Bemerkung zu dem, was Herr Schmid gesagt hat: Wir müssen in dieser Diskussion aufpassen, dass wir das Pferd nicht am Schwanz aufzäumen. Zur ganzen Diskussion der Lohnfrage: Die hohen Preise hängen nicht unbedingt von den hohen Löhnen ab, sondern eben umgekehrt. Wenn Sie davon ausgehen, dass wegen der hohen Löhne hohe Preise verlangt werden müssen und können, dann haben Sie das Gefühl, es sei immer möglich. Es ist genau dasselbe wie mit dem Bauland. Man hat gesagt, wir hätten hohe Mieten, weil wir hohe Bodenpreise hätten. Es ist umgekehrt: Sie können hohe Bodenpreise haben, wenn Sie hohe Mieten haben. Sonst gehen Sie davon aus, dass es ja immer möglich wäre, hohe Löhne auf die Preise zu überwälzen. Dann müsste man sich fragen, wieso wir nicht noch höhere Löhne haben, wenn es ja möglich ist, die Preise anzupassen.
Es ist also umgekehrt. Wir haben bis jetzt in der Schweiz hohe Löhne bezahlen können, weil wir es eben mit dem Mix aus Produktivität und Verkaufspreis fertig gebracht haben, diese Wertschöpfung zu realisieren. Wenn wir es also fertig bringen, durch wettbewerbsintensivere Märkte die Preise zu drücken, dann wird auch mit tieferen Löhnen die gleiche Kaufkraft gewährt. Aber Sie können nicht zuerst die Löhne senken, damit die Preise sinken.