Merz Hans-Rudolf · Bundesrat · 2005-06-14
Merz Hans-Rudolf · Bundesrat · Appenzell A.-Rh. · 2005-06-14
Wortprotokoll
Das Thema der Sprachenvielfalt unseres Landes ist ein sensibles. Ich bin eigentlich froh, dass es immer wieder thematisiert wird, weil die Gefahr besteht, dass man manchmal aus Nachlässigkeit oder aus Nichtbewusstsein zur Tagesordnung übergeht und vergisst, dass es ausser dem Formalen eben Dinge gibt, die eine grosse Rolle spielen. Das sind justament die kulturellen Vielseitigkeiten unseres Landes.
In diesem Bereich gehen Theorie und Praxis in Bezug auf die Mehrsprachigkeit auseinander. Die Theorie stimmt nämlich. Die Theorie ist vertreten durch eine Weisung des Bundesrates aus dem Jahr 2003, und diese Weisung lautet: "Bei gleichwertiger Qualifikation sollen vorrangig Bewerbende der untervertretenen Sprachgemeinschaften berücksichtigt werden, und zwar so lange, bis sie entsprechend ihrem Anteil in der Gesamtbevölkerung vertreten sind. Dies gilt insbesondere für Kaderstellen."
Die Praxis ist aber eine andere; die Praxis ist, dass wir uns damit halt immer noch schwer tun. Ich nehme mich nicht aus. In meinem Departement - zur Schande sei es gesagt - haben wir nur 15 Prozent französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachige Mitarbeitende. Das ist zu wenig. Mein Departement ist in dieser Hinsicht das schlechteste, obwohl bei mir noch das Personalwesen angesiedelt ist. Ich sehe, dass wir an diesen Themen arbeiten müssen.
Ähnlich ist es im Bereich der Gleichstellung der Frauen. Dort haben wir zwar Fortschritte gemacht. In den Kaderpositionen bis Stufe 29 oder 30 sind jetzt immerhin etwa zu 20 Prozent Frauen tätig. Ein Fortschritt ist spürbar. Aber auch da besteht Handlungsbedarf. Ich akzeptiere selbstverständlich die Aussage, dass hier Theorie und Praxis einfach immer noch auseinander gehen und dass wir uns Mühe geben müssen, diesen Aspekten mehr Rechnung zu tragen.
Das ist der Grund, weshalb der Bundesrat beantragt, diese Motion anzunehmen.