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Frick Bruno · Ständerat · 2005-09-19

Frick Bruno · Ständerat · Schwyz · Christlichdemokratische Fraktion · 2005-09-19

Wortprotokoll

Der zweite Rückblick gilt drei ehemaligen Ratspräsidenten, die diesen Sommer von uns gegangen sind, nämlich alt Nationalratspräsident und Ständerat Luigi Generali, alt Ständeratspräsident Pierre Dreyer und alt Nationalratspräsident Paul Schmidhalter.

Luigi Generali war Präsident des Nationalrates im Jahr 1978/79; er ist am 27. Juni 2005 im Alter von 85 Jahren gestorben. In den beiden Kammern des Parlamentes, dem er zwölf Jahre lang, von 1971 bis 1983, angehörte, hatte er wichtige Funktionen inne. Der Nationalrat wählte ihn Ende 1978 zu seinem Präsidenten, und er übte das Amt des höchsten Schweizers vorzüglich aus. Als Fraktionspräsident der Freisinnigen war er einflussreich. Noch während seines letzten Jahres im Parlament amtierte er auch als Präsident unserer Finanzkommission. Es erstaunt daher nicht, dass er bei der Bundesrats-Ersatzwahl von 1982, bei der schliesslich Rudolf Friedrich gewählt wurde, ebenfalls als Kandidat im Gespräch war.

Sein breites Wissen kam vielen Unternehmen der Wasserkraftbranche, die er in Bern geradezu verkörperte, während langer Jahre zugute. Er verstand es, den Interessen der Öffentlichkeit und wichtigen Anliegen der Privatwirtschaft gleichzeitig Rechnung zu tragen.

In seiner Eröffnungsansprache für die 10. Tagung der Internationalen Versammlung der Parlamentarier französischer Sprache in Genf sagte er: "La mentalité romande complète et nuance, avec les contributions tessinoise et grisonne, ce que la mentalité alémanique conçoit avec son propre génie."

Luigi Generali beherrschte auch das Schweizerdeutsche und war somit der ideale Vertreter der vier Kulturen unseres Landes. Wir behalten ihn als faszinierende, warmherzige Persönlichkeit in Erinnerung, die mit ihren Brissagos - damals noch unangefochten - eine besondere Würze und ein südliches Ambiente ins Bundeshaus brachte. Ein grosser Tessiner hat uns für immer verlassen. Seiner Frau Itala und seiner Familie möchte ich unsere herzliche Anteilnahme bekunden.

Pierre Dreyer war Präsident des Ständerates vom 7. Juni bis zum 29. November 1982. Er ist am 28. Juli 2005 im Alter von 81 Jahren verstorben. Bevor er sich der Politik zuwandte, war Pierre Dreyer in hohen Verwaltungsrängen in seinem Kanton sowie in der Wirtschaft tätig gewesen. 1966 wurde er für die CVP in den Freiburger Staatsrat gewählt und [PAGE 670] übernahm die Leitung der Direktion des Innern, der Industrie, des Handels und des Gewerbes. Während dreier Legislaturperioden war er Mitglied der Kantonsregierung und genoss dabei stets das Vertrauen der Bevölkerung. Pierre Dreyer wird als einer der Väter des Freiburger Wirtschaftserfolges in Erinnerung bleiben. Er war einer der beiden ersten Freiburger Ständeräte, die im Jahr 1972 vom Volk gewählt wurden, und blieb bis 1987 Mitglied unserer Kammer. Als im Jahr 1982 der damalige Ständeratspräsident von der Obwaldner Landsgemeinde nicht wiedergewählt wurde, fiel Pierre Dreyer das Amt des Ratspräsidenten zu.

Geprägt war seine Amtszeit durch einen Besuch beim französischen Senatspräsidenten Alain Poher. Die Pendeluhr, die er ihm als Geschenk des Schweizer Parlamentes übergeben sollte, war vom Zoll beschlagnahmt worden. Als der französische Innenminister Gaston Defferre vom Präsidenten der Freundschaftsgruppe Frankreich/Schweiz im Senat auf diesen Vorfall angesprochen wurde, begründete dieser die ungewöhnliche Massnahme mit der Bekämpfung der illegalen Einwanderung. Pierre Dreyer blickte ohne Ressentiments auf diesen Vorfall zurück und gratulierte sogar den Aussenministern beider Länder, Frankreichs und der Schweiz, zu deren Beschluss, einmal jährlich ein Treffen zu organisieren. Er konnte sich dabei die ironische Bemerkung nicht verkneifen, dass damit wohl doch eine "Pendelbewegung" ihren Anfang nehme.

Pierre Dreyer verfügte über ein feines politisches Gespür und viel Überzeugungskraft. Er verstand es, seine Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. In Erinnerung behalten wir auch einen ausgezeichneten Sportler, der kantonaler Meister im 200-Meter-Lauf war und Ruhe und Erholung beim Angeln fand. Als Direktor des Innern sei er in der Geografie seines Kantons derart bewandert gewesen, dass er alle 285 Freiburger Gemeinden und sämtliche Wasserläufe aufzählen konnte. Seiner Frau Adèle und seiner Familie möchte ich unsere tiefe Anteilnahme bezeugen.

Paul Schmidhalter schliesslich war im Jahr 1992/93 Nationalratspräsident. Er hat am 23. August 2005 im Alter von 74 Jahren den ungleichen Kampf gegen seine heimtückische Krankheit verloren. Sein Präsidialjahr war durch zwei aussergewöhnliche Ereignisse geprägt: die von politischen Turbulenzen begleitete Wahl von Ruth Dreifuss in den Bundesrat im März 1993 und die Sondersession in Genf im Herbst des gleichen Jahres. In der heiklen politischen Situation nach dem Verzicht von Francis Matthey auf das Bundesratsmandat wusste er die Geschicke der Bundesversammlung mit fester Hand zu lenken. In Genf war er der erste Nationalratspräsident, der eine Session extra muros leitete. Für alle, die damals dabei sein durften, wird dieses Ereignis aus vielerlei Gründen unvergessen bleiben. Er war in diesen Tagen der perfekte Botschafter des Parlamentes.

Paul Schmidhalter war auch auf seinen Reisen nach Italien, Japan, Australien, Neuseeland und Irland ein würdiger Vertreter der Bundesversammlung. Er bewegte sich auf dem politischen Parkett und glänzte durch seinen Charme und seinen Intellekt. Und weil er vier Sprachen beherrschte, war es ihm ein Leichtes, Kontakte zu pflegen. Von Beruf ETH-Bauingenieur, verfolgte er die Verkehrspolitik mit besonderer Leidenschaft. Kam das Thema auf den Autobahnverlauf im Wallis, wurde er nicht müde, seine zum Teil von Bundesbern abweichende Sichtweise darzustellen. Er war ein engagierter Kämpfer für den Lötschberg-Basistunnel und für seine Überzeugungen überhaupt.

Paul Schmidhalter hat mit Mut und Hartnäckigkeit als Gemeinderat und Parlamentarier im Walliser Grossen Rat sowie zwölf Jahre im Nationalrat viel für seine Stadt Brig, für den Kanton Wallis und für die Schweiz getan. Er liebte die Politik, den Wahlkampf, die Diskussion und die Polemik, und er scheute sich auch nicht davor, eine andere Meinung als die der Mehrheit zu vertreten. Sein sportlicher Ehrgeiz schliesslich, sein Optimismus und seine Lebensfreude, die wir kannten, waren legendär. Seiner Ehefrau und seiner Familie möchte ich ebenfalls unsere tief empfundene Anteilnahme bekunden.

Ich bitte Sie, in einem Moment des Schweigens der drei Verstorbenen zu gedenken.

[VS]

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Der Rat erhebt sich zu Ehren der Verstorbenen

L'assistance se lève pour honorer la mémoire des défunts