Bezzola Duri · Nationalrat · 2006-03-16
Bezzola Duri · Nationalrat · Graubünden · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2006-03-16
Wortprotokoll
Über Beiträge und Leistungen des Bundes an die Fussball-Europameisterschaft 2008 wird seit Monaten heftig diskutiert. Meistens stehen nur die Frage der Kosten und die Frage, wer wie viel übernehmen muss, im Fokus. Ein Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle belegt, dass die Kosten seriös erhoben wurden und auf plausiblen Annahmen beruhen.
Seit 2002 haben sich die Rahmenbedingungen, insbesondere was die Sicherheit betrifft, wesentlich verändert. Ich war vor drei Wochen an den Olympischen Winterspielen in Turin. Ich habe dort hautnah miterlebt, welches Ausmass an Sicherheitsvorkehrungen ein solcher Grossanlass erfordert. Eine Fussball-Europameisterschaft ist nicht einfach ein Fussballturnier auf hohem Niveau. Es handelt sich um einen europäischen Anlass mit grosser internationaler Ausstrahlung. Dass unser Land Gastgeber ist, darf nicht eine Pflicht sein, sondern ist in erster Linie eine Chance. Wir müssen die Chance nutzen; wir müssen mehr aus dem Anlass machen; wir müssen investieren, um nachhaltigen Nutzen daraus zu ziehen.
Die Euro 2008 ist eine Chance für den Sport im Allgemeinen, aber auch eine Chance in touristischer, in wirtschaftlicher und in politischer Hinsicht. Wir erwarten etwa 2500 Journalistinnen und Journalisten und Dutzende von Fernsehteams in der Schweiz. Sie werden schon im Vorfeld über unser Land und, meine Damen und Herren aus den Städten, über die Austragungsorte berichten; und sie werden sich auch während des Turniers nicht auf die Spiele beschränken. Wir können unser Land, seine kulturelle Vielfalt, seine Werte, seine Naturschönheiten - das, was unser Land von anderen unterscheidet - zeigen. Wir können unser Land als Reiseland, aber auch als interessanter und verlässlicher Standort für Unternehmen präsentieren.
Man schätzt, dass kumuliert über acht Milliarden Menschen weltweit die Fussball-Europameisterschaft am Fernsehen verfolgen werden. Studien belegen, dass die Euro 2008 auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant ist. Man erwartet etwa eine Million Zuschauer und etwa 800 000 zusätzliche Übernachtungen. Ein gelungenes Fussballfest in der Schweiz wirkt nicht nur nach aussen, es hat auch eine Wirkung nach innen. Der Anlass ist auch eine Plattform für Massnahmen in der Schweiz. Der Beitrag, den der Sport - gerade der Fussball - zur Integration leistet, darf auf keinen Fall unterschätzt werden.
Es ist über fünfzig Jahre her, seit die Schweiz einen Sportanlass in dieser Grössenordnung durchführen durfte. Ich weiss, die Skiweltmeisterschaft 2003 in St. Moritz kann nicht damit verglichen werden. Wer aber dabei war, spricht heute noch von den attraktiven Wettkämpfen und dem stimmungsvollen Erlebnis. Wir haben mit der Euro 2008 die Möglichkeit, uns auf dem internationalen Parkett zu zeigen. Nutzen wir diese Chance, und beweisen wir, dass wir mehr als gute Organisatoren und zuverlässige Partner sind. Nutzen wir die Chance, und beschränken wir uns nicht auf das Notwendige. Nutzen wir die Chance, und investieren wir in die Nachhaltigkeit des Anlasses.
Im Namen der FDP-Fraktion bitte ich Sie, die Rückweisungs- und Nichteintretensanträge abzulehnen und auf das Geschäft einzutreten.