Huber-Hotz Annemarie · 2006-05-09
Huber-Hotz Annemarie · Bern · 2006-05-09
Wortprotokoll
Ich möchte zuerst der Interpellantin, Frau Simoneschi-Cortesi, aber auch Herrn Rennwald, dessen Interpellation 04.3293 wir heute ebenfalls diskutiert haben, ganz herzlich danken; Frau Simoneschi-Cortesi vor allem auch für das emotionale Engagement. Ich glaube, es ist bei dieser Sprachenfrage wichtig, dass man auf den Tisch klopft, die gutgemeinten Grundsätze, die es hier gibt, immer wieder erwähnt und versucht, ihnen zum Durchbruch zu verhelfen.
Das Interview mit mir in der "NZZ am Sonntag" war die Zusammenfassung eines längeren Gespräches, und Sie wissen selbst, wie es bei diesen Zusammenfassungen geht. Es ist von der Gewichtung her nicht so herausgekommen, wie ich es mir gewünscht habe. Ich wollte mit dem Interview auf die Schwierigkeiten hinweisen, die wir bei der Suche nach Mitarbeitenden aus den italienischen Sprachregionen, aber auch bei der Suche nach Mitarbeitenden aus der französischen Sprachregion haben. Ich wollte mit dem Interview aber auch die Anstrengungen derjenigen Angehörigen der sprachlichen Minderheiten, die nach Bern kommen und sich um eine Stelle in der Bundesverwaltung bewerben, honorieren und sie ihnen hoch anrechnen.
Ich kann Ihnen sagen: Es sind alles sehr gut qualifizierte Leute, die aus der italienischsprachigen und der französischsprachigen Schweiz kommen. Ich habe das gerade kürzlich bei einer Stellenbewerbung wieder feststellen können: Wir konnten unter sehr qualifizierten Leuten eine französischsprachige Frau auswählen - notabene bei rund 400 Bewerbungen für diese eine Stelle, die wir ausgeschrieben hatten -, und darüber bin ich ganz glücklich. Ich glaube, es ist wichtig, dass die sprachlichen Minderheiten in der Bundesverwaltung angemessen vertreten sind. Deshalb hat der Bundesrat auch die Annahme der beiden Motionen Berberat 05.3152 und Studer Jean 05.3174 beantragt, die Herr Ruey ebenfalls erwähnt hat.
Ich möchte die Bedeutung der Weisungen des Bundesrates zur Förderung der Mehrsprachigkeit in der Bundesverwaltung unterstreichen, auch wenn sie vielleicht nicht immer adäquat umgesetzt werden. Aber sie sind wichtig. Es ist auch wichtig, dass wir sie immer wieder intern diskutieren können. [PAGE 584] Es ist zum Beispiel wichtig, dass die Kadermitarbeiterinnen und -mitarbeiter mehrsprachig sind. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man das als eine Bedingung für die Wahl eines Kadermitarbeiters oder einer Kadermitarbeiterin verankert. Die Bereitschaft, die Sprachen zu erlernen, die Herr Studer Heiner erwähnt hat, scheint mir sehr wichtig zu sein. Ich habe mit Befriedigung festgestellt, dass die Parlamentsdienste intern einen Italienischkurs für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchführen, notabene mit einem Mitarbeiter aus der Bundeskanzlei. Wir werden, sobald dieser Mitarbeiter frei ist, auch in der Bundeskanzlei solche Sprachkurse organisieren.
Es ist aber auch wichtig, dass italienisch- und französischsprachige Chefs gewählt werden. Ich glaube, Herr Robbiani hat darauf hingewiesen. Der Bundesrat hat sich nach den Diskussionen um die Wahl des Bundesratssprechers auch wieder einiges vorgenommen. So ist zum Beispiel der Direktor des Bafu italienischsprachig, aber auch die Vizekanzlerin in der Bundeskanzlei verkörpert die Mehrsprachigkeit par excellence, indem sie eine Lateinerin ist und die anderen Landessprachen perfekt beherrscht.
Herr Ruey hat auf die Bedeutung der mehrsprachigen Gesetzgebung hingewiesen. Es scheint mir sehr wichtig zu sein, dass wir dort vermehrt auch Zeit dafür bekommen, dass alle Sprachkulturen, die mehr sind als nur Sprachkenntnisse, in die Gesetzgebung und die Aufstellung von staatlichen Massnahmen einfliessen. Ich werde mich vermehrt auch in diesem Bereich einsetzen, damit für die Konzeption der Gesetzgebung genügend Zeit zur Verfügung steht. Da bitte ich auch das Parlament, mich in diesen Bemühungen zu unterstützen und nicht alles sofort haben zu wollen - die Mehrsprachigkeit braucht eben auch Zeit.
Ich möchte noch auf zwei weitere Massnahmen hinweisen:
Zu den Stellenausschreibungen: Frau Simoneschi-Cortesi hat eine entsprechende Motion eingereicht, die der Bundesrat entgegengenommen hat, wonach Stellenausschreibungen in allen drei Amtssprachen zu erfolgen haben. Wir haben in der Generalsekretärenkonferenz auch die Umsetzung dieser Massnahme intensiv diskutiert, wie überhaupt die Durchsetzung der Mehrsprachigkeit in der Bundesverwaltung.
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass wir aufgrund einer Interpellation von Herrn Abate nun auch die Digitalisierung des italienischen Bundesblattes vorgenommen haben, eine Rückdigitalisierung der Jahre 1972 bis 1999. Auch das ist ein Beitrag dazu, dass die offiziellen Dokumente in allen Amtssprachen zur Verfügung stehen.
Ich kann Ihnen abschliessend versichern, dass ich mich noch vermehrt für die Mehrsprachigkeit einsetzen werde. Wir haben das auch in der Bundeskanzlei als Jahresziel für 2006 aufgestellt, und wir sind an verschiedenen Stellen im Alltag der Bundesverwaltung an der Arbeit.