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Teuscher Franziska · Nationalrat · 2006-06-07

Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2006-06-07

Wortprotokoll

Die Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen. Sie werden die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Aufgaben in unserem Land übernehmen. Daher brauchen Kinder in jedem Alter die beste Betreuung, die ihnen nur zukommen kann. Dazu gehört für die Grünen, dass es für jedes Kind in der Schweiz einen Betreuungsplatz ausserhalb der Familie gibt, wenn dies die Eltern wollen. Wir Grünen wünschen uns, dass die unentgeltliche familienergänzende Kinderbetreuung eine Selbstverständlichkeit wird, wie das heute der unentgeltliche Schulbesuch ist, für den man auch sehr lange kämpfen musste. Von einer unentgeltlichen familienergänzenden Kinderbetreuung sind wir allerdings noch meilenweit entfernt.

Heute müssen wir uns dafür einsetzen, dass das erfolgreiche Programm der Anstossfinanzierung für familienergänzende Kinderbetreuung auch in den nächsten vier Jahren mit einem Betrag von 200 Millionen Franken unterstützt wird. Es ist völlig falsch, auf diese Vorlage nicht einzutreten, wie das die Kommissionsminderheit Scherer Marcel beantragt. Es ist aber auch völlig falsch, den Kredit auf 60 Millionen Franken zu kürzen, wie uns das der Bundesrat vorschlägt.

Gute Kinderbetreuungsstrukturen zahlen sich aus, von guten Betreuungsangeboten profitieren alle: Kinder erwerben soziale Kompetenzen, die Eltern können unbesorgt ihrer Erwerbsarbeit nachgehen, und die Arbeitgeber behalten ihre gut ausgebildeten und eingearbeiteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gibt wohl kaum andere Gelder, die der Bund investiert, die eine gleich hohe Rendite haben wie die Gelder, welche wir in die familienergänzende Kinderbetreuung stecken: Mit jedem Franken, den wir hier investieren, erwirtschaften wir andernorts 3 bis 4 Franken.

Herr Scherer, Kinderbetreuung ist eben die wichtigste Staatsaufgabe. Geld in die Kinderbetreuung zu investieren ist beste Wirtschaftsförderung. Das sollten Sie bei dieser Vorlage auch einmal bedenken.

In der Schweiz gibt es heute immer noch viel zu wenige Betreuungsplätze für Kinder im Vorschulalter, aber auch für schulpflichtige Kinder gibt es zu wenige. Allein für Kinder im Vorschulalter fehlen 50 000 Betreuungsplätze. Deshalb verwundert es auch nicht, dass die OECD der Schweiz empfiehlt, das Kinderbetreuungsangebot auszubauen. Beruf und Familie können nur miteinander vereinbart werden, wenn es genügend Betreuungsplätze gibt. Da besteht ein grosser Nachholbedarf.

Nehmen wir das Beispiel der Stadt Bern, das Herr Scherer vorher zufälligerweise auch erwähnt hat, aber unter einem anderen Aspekt. Ich kenne die Situation in der Stadt Bern sehr gut. Obschon hier das Angebot an Plätzen in Kinderkrippen und Tagesschulen seit 1991 Jahr für Jahr ausgebaut wird, sind die Betreuungsplätze heute begehrt wie frische Weggli. So ist es denn nicht verwunderlich, dass der Kanton Bern zu jenen Kantonen gehört, die dank der Anstossfinanzierung für die Kinderbetreuung das Angebot in den letzten vier Jahren laufend verbessern konnten.

In den kommenden Jahren müssen in der Schweiz weiterhin viele Plätze geschaffen werden. Gerade auch in ländlichen Gebieten besteht ein grosser Nachholbedarf. Auch hier gilt es, neue Kinderbetreuungsplätze einzurichten. Hier braucht es innovative und kreative Lösungen, weil fixe Kindertagesstätten an einem Ort wahrscheinlich nicht das Richtige sind. Wir müssen unbedingt auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen. [PAGE 749]

Daher beantrage ich im Namen der grünen Fraktion, auf die Vorlage einzutreten und, wie die Kommissionsmehrheit es beantragt, den Kredit von 200 Millionen Franken zu sprechen.