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Engelberger Eduard · Nationalrat · 2006-06-15

Engelberger Eduard · Nationalrat · Nidwalden · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2006-06-15

Wortprotokoll

Ich beantrage Ihnen im Namen der FDP-Fraktion, wie das schon Herr Schneider gemacht hat, auf die Vorlage einzutreten und die Minderheit Rechsteiner Paul abzulehnen. Der Mehrheit der Kommission und der Mehrheit der FDP ist es mit dem Bundesrat völlig klar, dass die Herabsetzung des Schutzalters auf 18 Jahre aus juristischen und politischen Überlegungen notwendig und auch sinnvoll ist. Das ist es, entgegen allen Beschwörungen, die wir nun hier gehört haben, auch aus der Sicht des Gewerbes im Zusammenhang mit den Lehrlingen, im Zusammenhang mit der Lehrlingsausbildung und der Belastung der Lehrlinge durch die Schule und im Arbeitsprozess.

Die Vorlage ist auch aus unserer Sicht sinnvoll und angebracht für eine umfassende Ausbildung der Lehrlinge. Es ist in einem produzierenden Gewerbe wichtig, dass Lehrlinge im dritten und vierten Lehrjahr auch in einem Zwei- oder Dreischichtbetrieb eingesetzt werden können, in einem normalen Arbeitsprozess eingesetzt werden können. Ich selber bin Unternehmer, ich bin eigentlich Praktiker und bilde jährlich immer noch zehn Lehrlinge aus. Ich habe einen guten Kontakt mit meinen Lehrlingen, schon als Sportler und in sportlichen Belangen wie auch in ihren schulischen Belangen. Nur wenige, nur zwei von diesen zehn, werden in den Schichtbetrieb integriert. Meistens sind dann diese eben bereits 19 bis 20 Jahre alt, nicht 15 bis 18. Aber genau für diese beiden ist der Schichtbetrieb eine spezielle Herausforderung. Es gibt ihnen mehr Selbstständigkeitsgefühl, mehr Selbstsicherheit, aber auch mehr Selbstwertgefühl. Warum? Weil es eine grosse Herausforderung ist, in eigener Verantwortung an einer grossen Sechs- bis Achtfarben-Druckmaschine selbstständig mit einem Hilfsarbeiter eine Schicht zu führen und diese Schicht weiterzugeben, diese Schicht von Mensch zu Mensch dem nächsten Drucker weiterzugeben. Ich glaube, das ist sehr positiv. Es steigert aber auch das Gefühl und das Gespür für Verantwortung, für die Berufsverantwortung, für die Verantwortung im Berufsleben. Und ich muss Ihnen noch etwas sagen: Es ist die beste Vorbereitung für die Lehrabschlussprüfung der Lehrlinge, die sich im vierten Ausbildungsjahr befinden. Denn auf der genau gleichen Maschine haben sie schlussendlich selbstständig und allein die Lehrabschlussprüfung zu machen. Hier bereiten sie sich vor.

Noch etwas zur Zeit: Wir arbeiten in einem geordneten Vierzigstundenwoche-Betrieb. Fünf Tage ist der Lehrling an der Arbeit; zwei Tage ist er in der Schule, und drei Tage ist er im Betrieb. Acht Stunden sind Arbeitszeit, acht Stunden Ruhezeit zum Schlafen, wenn er sie ausnützt, und acht Stunden hat er Zeit für Freizeit, Sport und zum Lernen. Es kommt dazu, dass der Schichtbetrieb den Jungen auch einen neuen, interessanten Arbeitszeitrhythmus gibt, den sie sich in verantwortungsvoller Handhabung selber und selbstständig aneignen können. Er gibt auch für Spitzensportler Freiraum für den Sport. Gerade bei der Ausbildung von Spitzensportlern haben wir sehr viel Erfahrung.

Es geht uns nicht darum, diese Lehrlinge Tag und Nacht oder samstags und sonntags arbeiten zu lassen, sondern es geht uns darum, sie in den Arbeitsprozess einzuführen, wie er sich dann auch später für sie gestalten wird. Das Gewerbe und die KMU wollen auch in Zukunft Lehrlinge ausbilden, und das zu vertraglich und gesetzlich für beide Seiten guten und akzeptablen Bedingungen - zum Wohle unserer Lehrlinge und unserer Berufe. Sie rufen ja selber immer nach neuen Arbeitsplätzen und Lehrlingsausbildungsplätzen. Aber was Sie hier tun, ist dem nicht förderlich. Befürchtungen, wie Sie sie äussern, sind fehl am Platz, wirken im Gegenteil hemmend. Für ein Geben und Nehmen auf beiden Seiten, was eine gute Lehrlingsausbildung auch ausmacht, ist das für den Chef und die Lehrlinge kein Nachteil, wenn wir dieser Vorlage so zustimmen, sondern es ist ihm förderlich.

Was Sie hier tun, ist ein Vertrauensbruch gegenüber den 18-Jährigen, die für alles andere erwachsen sind oder sein sollen und ihre Verantwortung auch in allen anderen Bereichen wahrnehmen.

Ich beantrage Ihnen deshalb im Namen der FDP-Fraktion, den Antrag der Minderheit Rechsteiner Paul abzulehnen.