Hess Hans · Ständerat · 2006-09-25
Hess Hans · Ständerat · Obwalden · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2006-09-25
Wortprotokoll
Ich danke dem Bundesrat für die Beantwortung der Fragen. Die Antworten veranlassen mich [PAGE 730] aber zu folgenden Bemerkungen: Wenn ich den Inhalt der Antworten richtig interpretiere, bedeutet die nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz nach Auffassung des Bundesrates die Erhaltung des Waldareals und der Biodiversität und das Bewahren eines angemessenen Holzvorrats pro Hektare Waldfläche. Nach meiner Auffassung heisst aber nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz auch, eine möglichst grosse Wertschöpfung mit der Ressource Holz dort zu betreiben, wo der Rohstoff Holz anfällt. Das heisst: Erzeugen von exportfähigen Holzprodukten, vom Möbel bis zum Haus, in der Region. Nur so wird ein Optimum hinsichtlich ökonomischer, ökologischer und sozialer Ansprüche erreicht.
In der Antwort des Bundesrates fehlt mir der Hinweis auf die Praxisbezogenheit unserer Forschung. Die Forschung müsste sich mit der Frage befassen, weshalb wir in unserem Land jedes Jahr eine negative Holzhandelsbilanz von rund 1,5 Milliarden Franken verzeichnen und rund eine Million Kubikmeter unverarbeitetes Holz ins Ausland exportieren, weshalb 50 Prozent des in der Schweiz verbauten Holzes aus dem Ausland bezogen wird, obwohl wir in der Schweiz durchaus in der Lage wären, eine Million Kubikmeter Holz mehr aus dem Schweizer Wald zu ernten, als das bis heute gemacht wird, und auch in der Schweiz zu hochwertigen Holzprodukten zu verarbeiten - dies notabene ohne ökologische Einbusse. Die Forschung müsste der Frage nachgehen, weshalb die österreichische Holzhandelsbilanz jedes Jahr ein Plus von 4,5 Milliarden Euro ausweist und die Wald- und Holzwirtschaft in unserem Nachbarland einer der wichtigsten Wirtschaftszweige repräsentiert und neben dem Tourismus der zweitstärkste Devisenbringer ist. Da stellt sich die Frage: Welchen Beitrag leistet unsere teure Forschung zur Nutzung des Wertschöpfungspotenzials des Waldes und des einheimischen Rohstoffes Holz, und wo bleibt deren Wirkung?
Den Vorschlag des Reportings in der Antwort des Bundesrates auf die Frage in Ziffer 2 finde ich sehr gut. Insbesondere erwarte ich eine Beantwortung der Frage: Wie beurteilt die ETH das Potenzial des Schweizer Waldes und des Rohstoffes Holz als Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums, insbesondere des Berggebietes?
Mit gemischten Gefühlen stelle ich fest, dass 30 Prozent der Ressourcen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in das Forschungsthema Waldnutzungs- und Holznutzungsforschung fliessen, wie dies in Punkt 3 der Antwort festgehalten wird. Wichtig wäre doch, dass sich die WSL zum Wertschöpfungspotenzial des Schweizer Waldes und des einheimischen Rohstoffes Holz äussert und Empfehlungen an die Privatwirtschaft, die Verwaltung und die Politik abgibt. Ich ersuche deshalb den Bundesrat, darauf hinzuwirken, dass die WSL bei ihren Kunden in Privatwirtschaft, Verwaltung und Forschung evaluiert, welche ihrer Studien, Berichte usw. zur Wertvermehrung entlang der Wertschöpfungskette Holz und damit zur Nachhaltigkeit beigetragen haben. Mir ist bis dato keine Studie bekannt, die aufzeigt, was für ein Nachhaltigkeitspotenzial der Schweizer Wald und die einheimische Wertschöpfungskette Holz beinhaltet.
Die Stärkung des Rohstoffes und Energieträgers Holz, wie dies in Punkt 4 der Antwort erwähnt wird, ist eine gute Sache. Die höchste Priorität muss dabei aber die Förderung des Innovations- und Kooperationsgeistes von Privatwirtschaft, Verwaltung und Forschung zur markanten Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit im Wald- und Holznutzungsbereich haben.
Zum Schluss lege ich noch meine Interessenbindung offen: Ich bin Präsident der Lignum, Holzwirtschaft Schweiz.