leer · 2006-09-18
leer · 2006-09-18
Wortprotokoll
Lardi Claudio, Regierungspräsident des Kantons Graubünden: Auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen: Bainvegni, Benvenuti, Willkommen, Bienvenue!
Gefangen im Dilemma der Verpflichtung, da discurrer en la lingua dal lieu nua ch'ins è sco giast, oppure nella mia lingua madre che è l'italiano, sans oublier de glisser quelques mots dans une langue dont le capital sympathie m'assure la bienveillance de l'auditoire - in diesem Dilemma werde ich zu Ihnen mehrheitlich in einer Sprache sprechen, die für uns alle eine Fremdsprache ist, nämlich Hochdeutsch.
Bestimmt erwarten Sie vom Regierungspräsidenten des Kantons Graubünden, dass er Ihnen eine Hymne auf seinen Wohnkanton vorträgt. Das werde ich nicht tun. Ein Video, das Sie bereits erhalten haben, hat mir diese Aufgabe abgenommen. Geniessen Sie die schönen Bilder und spielen Sie mit der Fünfsprachigkeit der CD. Schauen Sie sich vor allem um, statten Sie der Bevölkerung hier in der Surselva einen Besuch ab, und prüfen Sie, ob wir mit diesem Video über den Kanton Graubünden übertrieben haben.
Wenn nun keine Lobeshymne auf den Kanton zu erwarten ist, so befürchten Sie wohl einen Sack voller Ratschläge, wie Sie Ihre Aufgabe in Bundesbern besser machen sollen. Auch darauf will ich verzichten, nicht weil das die Gastfreundlichkeit verlangen würde, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass Sie eine Arbeit leisten wie kaum ein anderes Parlament in der Welt. Ein Blick über die Landes-, aber auch Kontinentsgrenzen hinaus zeigt, dass die Schweiz eines der effizientesten und kompetentesten Parlamente hat. (Beifall)
Irgendwie mag ich diese Plattform auch nicht dazu missbrauchen, Forderungen zu stellen, da ich vermute, dass Sie sich tagein, tagaus genau für diejenigen Anliegen einsetzen, die auch mir und der Bevölkerung meines Kantons am Herzen liegen. In Graubünden gilt die Regel, dass man über alles reden kann - nur nicht länger als zehn Minuten. Deshalb will ich mich kurz fassen.
Zuerst ein Hinweis auf Ihr Wohlbefinden - ohne hier von Wellness zu sprechen. Ich möchte Sie auf eine vordergründig rein akustische Eigenheit Graubündens hinweisen: Es ist Jagdzeit in Graubünden. Die Regulierung des Wildbestandes ist eine wichtige Aufgabe, der sich unsere Jägerschaft mit Herz und Verstand widmet. Ich kann Sie aber beruhigen: Die Jägerschaft weiss ganz genau, dass "politische Hirsche" auch dieses Jahr nicht zum Abschuss freigegeben sind! (Heiterkeit) Mit anderen Worten: Sie alle können, wenn es Ihr Kalender zulässt, beruhigt der wunderschönen Umgebung von Flims-Laax-Falera einen Besuch abstatten.
In meiner Rolle als Regierungspräsident und im Wissen darum, dass jeder Hahn auf seinem eigenen Misthaufen besonders tapfer ist, erlaube ich mir, auf einen Umstand aufmerksam zu machen, welcher der Bündner Regierung und der Bevölkerung am Herzen liegt: Unser Selbstverständnis geht davon aus, dass Graubünden kein ökologisches Auslaufmodell ist, dass Graubünden keine alpine Brache ist und auch nie eine werden wird.
Pour nous, les Grisons ne sont pas une sorte de désert écologique ou de friche alpine, et ils ne le deviendront jamais. J'y insiste d'emblée.
Die Sessiun 2006 ist für uns sowohl ein politischer als auch ein touristischer Höhepunkt dieses Jahres. Der touristische Höhepunkt liegt darin, dass wir versucht haben, Ihnen sowohl als Parlamentarierinnen und Parlamentarier als auch als Gäste im Kanton Graubünden für Ihre Arbeit und für die wenigen arbeitsfreien Stunden eine hervorragende Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Der politische Höhepunkt liegt in der Wirkung Ihrer parlamentarischen Arbeit mitten im romanischen Sprachgebiet. Die Rumantschia wird sich Ihnen optisch und akustisch mannigfaltig präsentieren. Die Kontakte mit unserer Bevölkerung werden Ihnen einen authentischen Beweis dafür liefern, dass die Viersprachigkeit dieses Landes kein Mythos ist. Der Kontakt mit der Bevölkerung und ihrer Muttersprache, dem Romanischen, wird auch belegen, dass es zur Erhaltung und Förderung dieser Viersprachigkeit nicht genügt, sie alle paar Monate zu besingen.
Il contact cun la populaziun e cun sia lingua materna, il rumantsch, vegn a cumprovar che la quadrilinguitad n'è betg mo in mitus en Svizra.
Es gibt nicht wenige, die behaupten, die romanische Sprache würde aussterben. Ich fürchte, diejenigen, die das behaupten, haben Recht. Ja, das Romanische wird aussterben, wie viele andere Sprachen auch. Ich fürchte aber, dass es uns allen genauso geht: Auch wir werden sterben, auch unsere Generation ist nur ein Wimpernschlag in der Geschichte der Welt. Nur soll uns das Wissen darum nicht daran hindern, jeden Moment lustvoll zu leben, Neues zu lernen und in Angriff zu nehmen und vorausschauend alles, aber auch wirklich alles zu unternehmen, damit es länger dauert. Und was sich jeder von uns fürs Leben wünscht, tun wir auch für die romanische Sprache. Damit wird das Romanische noch viele, viele Generationen leben und gedeihen.
Die Sessiun 2006 bedeutet für uns Bündnerinnen und Bündner drei Wochen Bundespolitik in Graubünden und für Sie drei Wochen Graubünden vor dem Hintergrund der Bundespolitik. Wir sind gespannt, hautnah, dal vivo, unmittelbar, en direct, directamain, live miterleben zu können, wie Sie die Zukunft unserer schönen Schweiz gestalten. Die Überzeugung, dass alpine Landschaften gerade auch für die Bevölkerung der Städte und der Agglomerationen einen besonderen Wert haben und deshalb erhalten werden müssen, möchten wir während der nächsten drei Wochen festigen.
Ich danke Ihnen, verehrte Parlamentarierinnen und Parlamentarier, dass Sie das Experiment gewagt haben, im romanischen Gebiet zu tagen. Den Stand der zivilisatorischen Entwicklung erkennt man bekanntlich am Umgang einer Nation mit ihren Minderheiten. Ein noch augenfälligeres Indiz für zivilisatorischen Fortschritt ist, gewissermassen nachgelagert, der Umgang der Minderheiten mit ihren Minderheiten. Da müssen und können wir noch zulegen. Dazu würde ich mir wünschen - um ein Beispiel zu nennen -, dass die Radio Televisione della Svizzera Italiana (RTSI) auch weiterhin von der grossen Sensibilität der Schweiz für Minderheiten profitiert und auch in Zukunft von den gleichen finanziellen und personellen Mittel profitieren kann wie bisher. Gleichzeitig aber würde ich mir auch wünschen, dass die RTSI ihrer Minderheit Graubünden und dem italienischsprachigen Teil Graubündens eine vergleichbare Bedeutung zubilligt, wie sie der RTSI im nationalen Kontext selbst zugestanden wird.
Wie versprochen, komme ich nun zum Schluss. Ich nehme an, dass Sie - wohl eher aus Erleichterung darüber, dass meine Rede zu Ende ist - klatschen werden. Ich schlage vor, dass Sie den Beifall denjenigen widmen, die diese Sessiun ermöglicht haben: Christoffel Brändli für die Idee und den Personen hinter den Kulissen für die Arbeit. Ich habe hautnah miterlebt, mit welcher Begeisterung und mit welchem selbstlosen Einsatz in den letzten 24 Monaten hinter den Kulissen für die Sessiun 2006 gearbeitet worden ist. Die Organisatoren haben im Hinblick auf diese Sessiun die Ströme verschiedener Interessengruppen gebändigt und zu einer schlagkräftigen Truppe geformt. Ihnen allen gebührt Dank: der Bundeskanzlei und den Parlamentsdiensten, der Standeskanzlei Graubünden und der Region Surselva, den Gemeinden Flims, Laax, Falera und ihren touristischen Organisationen, der Parkhotel Waldhaus AG, der Lia Rumantscha und Graubünden Ferien.
Vi do il più cordiale benvenuto nel cantone dei Grigioni. Siamo fieri di potervi ospitare e di poter anche essere i vostri ospiti.
Jau As giavisch bler success per Vossa lavur da sessiun e bleras scuntradas interessantas en e cun la Rumantschia.