Glanzmann-Hunkeler Ida · Nationalrat · 2007-03-08
Glanzmann-Hunkeler Ida · Nationalrat · Luzern · Christlichdemokratische Fraktion · 2007-03-08
Wortprotokoll
Zum Anfang möchte ich sagen, dass ich keine linke Feministin bin, sondern ich bin eine Frau, die die Anliegen der Frauen vertritt.
Der erste internationale Frauentag fand am 8. März 1911 statt. Die Forderungen, die dort gestellt wurden, sind zum Teil noch die gleichen wie heute. Auf jeden Fall wurde damals schon gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert. Stellen Sie sich dies einmal vor: Es ist bald hundert Jahre her, und unsere Vorkämpferinnen haben wirklich gekämpft, und wir diskutieren heute und hier über die gleichen Fragen! Etwas ketzerisch muss ich mich schon fragen: Werden wir denn überhaupt ernst genommen? Würdet ihr, liebe Männer, euch dies gefallen lassen, dass ihr fast hundert Jahre für ein Anliegen kämpfen müsst? Und immer wieder höre ich: Hört doch endlich auf, ihr habt doch alles!
Nein, auf der Ziellinie - ich hoffe sehr, dass wir doch bald dort sind - hören wir nicht auf. Wir haben gesetzliche Grundlagen, die gleichen Lohn für gleiche Arbeit fordern. Ich will nun weder eine Polizei, die dies kontrolliert, noch staatlich vorgeschriebene Lohngleichheitsmodelle. Ich würde aber eine Zertifizierung der Firmen, die diese Forderung in der Praxis umsetzen, unterstützen. So werden frauenfreundliche Unternehmen, denen die Gleichstellung wichtig ist, auf den ersten Blick erkannt.
Den Vaterschaftsurlaub, wie er in einem Vorstoss gefordert wird, kann ich persönlich so nicht unterstützen. Die CVP hat nach der Abstimmung zum Mutterschaftsurlaub die Unternehmen aufgefordert, einen freiwilligen Vaterschaftsurlaub einzuführen. Dies machen schon viele Firmen, zum Teil bezahlt, zum Teil mit der Möglichkeit eines unbezahlten Urlaubes. Unsere Bundesrätin Doris Leuthard hat dies in ihrem Departement auch gefordert und wurde dann vom Bundesrat zurückgepfiffen. Das ist schade, denn sie zeigt, dass sie nicht nur mit schönen Worten etwas fordert, sondern dass sie auch bereit ist, dies umzusetzen. Mit ihren Arbeitszeitmodellen, der Möglichkeit für Jobsharing und dem Vaterschaftsurlaub weist sie einen Weg, der, davon bin ich überzeugt, auch in der Privatwirtschaft Nachahmer findet.
Heute, am Frauentag, bekommen wir Frauen verschiedene Plattformen, um uns zu äussern. Unsere Anliegen sind konkret. Die einen wollen eine etwas striktere und auf eine gesetzliche Basis gestützte Umsetzung, die anderen setzen einmal mehr auf Verständnis und Freiwilligkeit. Ich will nicht alles gesetzlich regeln, aber wir dürfen nicht aufgeben, und wir müssen uns für unsere Rechte einsetzen. Die Gesetze, die schon lange bestehen, müssen umgesetzt werden. Ich hoffe, dass man dies nicht einfach nur heute zur Kenntnis nimmt und morgen schon wieder vergessen hat, sondern dass der Frauentag 2007 einen Anstoss zur Umsetzung der Chancengleichheit gibt.