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Allemann Evi · Nationalrat · 2007-03-21

Allemann Evi · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-03-21

Wortprotokoll

Ich gehöre in diesem Rat zu den drei einzigen Mitgliedern, die unter dreissig Jahre alt sind. Damit gehöre ich auch zu den wenigen hier im Saal, die das Jahr 2050, für welches heute dramatische Klimaprognosen gemacht werden, wohl noch erleben werden. Die Prognosen für das Jahr 2050 machen gerade der jungen Generation zunehmend Angst. 2050 werden 2 bis 3 Grad höhere Temperaturen, extreme Niederschläge, Hochwasser und Murgänge zum Alltag gehören. 2050 werden wir uns an die sommerlichen Hitzewellen gewöhnt haben, und ich werde am Ufer der zum Rinnsal verkommenen Aare meinen Enkeln vom kühlen Aarebad in meiner Jugend erzählen.

Die Klimaperspektiven sind düster, allzu düster, als dass wir uns taten- und verantwortungslos gegenüber den kommenden Generationen zurücklehnen dürften. Wir haben nun lange genug gezögert, lange genug gewartet: Jetzt müssen wir entschlossen handeln.

Die relevante Frage ist: Wo setzen wir mit welchen Massnahmen an? Dabei müssen wir unter anderem unsere wachsende Mobilität in den Fokus nehmen. Der Strassen- und Luftverkehr ist einer der Hauptverursacher der CO2-Emissionen. Mobilität ist ein menschliches Grundbedürfnis, aber auch Bedingung einer global funktionierenden Wirtschaft. Umso dringender ist deshalb die Aufgabe, ein nachhaltiges, klimafreundliches Verkehrssystem zu fördern, das die umwelt- und klimabelastenden Folgen der Mobilität auf ein Minimum reduziert. Wir müssen auch beim Verkehr auf mehr Effizienz, auf mehr Transporteffizienz, setzen. Konkret heisst das: die technische Innovation vorantreiben, auf sparsamere Motorentechnologien setzen, bessere Abgasreinigungstechniken fördern usw. Leider haben das Verkehrswachstum und der Trend hin zu prestigeträchtigen Geländewagen, den sogenannten Offroadern, die Effizienzgewinne bislang immer wieder vernichtet. Deshalb gehören zu einer klimafreundlichen Verkehrspolitik auch ein intelligentes Mobilitätsmanagement wie Road-Pricing-Modelle, Anreize zum Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr oder die konsequente Verlagerung der Güter auf die Schiene. Der Weg hin zu einer energieeffizienten und klimafreundlichen Verkehrspolitik ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine ökonomische Chance. Wenn die Schweiz in Schlüsselbereichen eine Führungsrolle einnimmt, schont das nicht nur unser Klima, sondern führt auch zu einem wirtschaftlichen Benefit und zu besseren Chancen auf den Zukunftsmärkten der Welt.

Schaffen wir die Wende in der Klimapolitik heute nicht, erwarten die kommenden Generationen düstere Zeiten. Speziell die Tourismusbranche wird einschneidende Veränderungen erfahren, denn die alpinen Destinationen sind vom Klimawandel besonders stark betroffen. In einer Art Torschlusspanik wird heute in Schneekanonen investiert. Es wird Kunstdünger für Pistenpräparierungen ausgestreut, mit "Helis" wird in höhere Lagen geflogen, oder der Bau von Skihallen im Mittelland wird in Betracht gezogen. Um diese umwelt- und klimapolitischen Irrläufe zu stoppen, werde ich heute noch ein Vorstosspaket deponieren, welches das Thema Klimawandel und Wintersport in den Fokus nimmt. Ich hoffe auf die Unterstützung aus den Bergregionen, denn diese haben ein vitales, auch ökonomisches Interesse daran, einen Beitrag an die Eindämmung des Klimawandels zu leisten. Denn - kurz und gut, zum Schluss - ich mache das alles, um im Jahr 2050 meinen Enkeln nicht mitleidig sagen zu müssen: Wer zu spät kommt, den bestraft halt das Leben.