Sommaruga Simonetta · Ständerat · 2007-06-20
Sommaruga Simonetta · Ständerat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-06-20
Wortprotokoll
Ich habe mich noch zu Wort gemeldet, weil ich mit Kollege Hofmann in drei Punkten einer Meinung bin. Er hat ja eigentlich ein Plädoyer dafür gehalten, dass wir nicht nur die Taschenmunition, sondern auch die Waffe einziehen sollten. Herr Hofmann, ich würde das sehr gerne unterstützen und bedaure, dass Sie dann vielleicht nicht mehr im Rat sind, wenn wir darüber abstimmen können. Aber ich teile Ihre Ansicht: Eigentlich müssten wir die Waffen einziehen, heute gehen wir aber zunächst einen Schritt weniger weit.
Ich teile auch Ihre Auffassung, Herr Hofmann, dass wir mit dieser Massnahme weitere Gewalttaten, weitere Morde mit Dienstwaffen nicht werden verhindern können. Aber wir machen ja zum Beispiel im Verkehr auch Geschwindigkeitsvorschriften, obwohl sie immer wieder übertreten werden. Das ist also kein Argument, um nichts zu tun, aber ich gebe Ihnen Recht: Wir werden leider auch mit dieser Massnahme weitere Taten nicht einfach verhindern können.
Auch in einem dritten Punkt bin ich mit Ihnen einig: Wir sollten nicht einfach die Waffen verurteilen, sondern genau hinschauen, weshalb diese Gewalttaten vorkommen. Ich habe lange genug in einem Haus für geschlagene Frauen gearbeitet, um auch die Hintergründe zu kennen. Ich muss Ihnen einfach sagen: Es geht hier nicht um ein Entweder-oder. Wir müssen beides tun: Wir müssen heute diesen kleinen Schritt machen, indem wir die Taschenmunition nicht mehr zu Hause lassen, aber wir müssen auch genau hinschauen, was eigentlich zu solchen Verzweiflungstaten führt. Diesbezüglich würde ich Sie auch gerne unterstützen.
In einem Punkt bin ich mit Ihnen nicht einig, Herr Hofmann: Sie haben gesagt, die Schweizer seien ein Volk von Schützen. Ich war als Gemeinderätin nicht nur Vorsteherin von Feuerwehr und Zivilschutz, sondern auch des Schiesswesens; meine erste Amtshandlung war die Einweihung einer Schiessanlage. Ich hatte in dieser Zeit sehr viel mit überzeugten Vollblutschützen zu tun, die wirklich an dem, was sie als Sport bezeichneten, viel Freude hatten. Ich muss Ihnen sagen: Die meisten Schützen, die ich in dieser Zeit kennengelernt habe, hängen nicht an der Taschenmunition zu Hause. Sie fühlen sich als vollwertige Männer, als vollwertige Wehrmänner, als vollwertige Bürger dieses Landes, auch wenn sie die Taschenmunition nicht zu Hause haben.
Ich bitte Sie deshalb, die Kommissionsmotion anzunehmen.
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