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Müller Walter · Nationalrat · 2007-09-19

Müller Walter · Nationalrat · St. Gallen · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2007-09-19

Wortprotokoll

Die heutige Diskussion im Parlament ist eigentlich ein grosses Kompliment an die Komplementärmedizin, eine Anerkennung der Methoden. Kaum jemand bestreitet eigentlich, dass sie berechtigt sind. Im Wesentlichen werden letztendlich nur wirtschaftliche oder finanzielle Gründe gegen die Aufnahme in die Grundversicherung angeführt. Herr Dunant bildete eine Ausnahme; er hat gesagt: "Nützt es nichts, so schadet es nichts." Ich weiss nicht, ob er nach diesem Motto natürliche Nahrungsmittel zu sich nimmt; man könnte sich ja auch künstlich ernähren lassen.

Für mich ist das Ja zur Komplementärmedizin ein grundsätzliches. Ich frage Sie: Ist es richtig, wenn wir als Gesetzgeber, als Parlament, den Bürgerinnen und Bürgern vorschreiben: "Du musst dich 'krankenversichern' lassen, aber wenn du dann mit natürlichen Methoden gesund werden willst, dann musst du das bitte selber bezahlen"? Das ist keine liberale Sicht. Das ist keine freiheitliche Sicht. Das können wir so nicht machen. Jeder, der die Grundversicherung bezahlt, muss die Methoden, die er bevorzugt, auch wählen können.

Nun wurde von wenigen auch die Wirksamkeit angezweifelt. Frau Humbel Näf hat gesagt, die Kriterien würden nicht erfüllt. Auf die Aussage von Herrn Dunant habe ich bereits hingewiesen. Bei der Schulmedizin - ich bin ein Befürworter beider Richtungen - kann man das leider nicht immer sagen. Da kann man auch sagen: Nützt es nichts, könnte es auch schaden, weil es noch Nebenwirkungen gibt. Ich kann aus persönlicher Erfahrung heraus sagen, dass die Komplementärmedizin wirkt. In unserer Familie wird seit Generationen Homöopathie angewendet, und wir haben damit gute Erfahrungen gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass diese Mittel wirksam sind. Ich nenne noch einen persönlichen Grund für diese Überzeugung: Es gab Situationen, in welchen wir unserer behinderten Tochter nur mit homöopathischen Mitteln helfen konnten.

Die Verteuerung für die Patienten wurde auch angeführt: Es werde zu einer riesigen Verteuerung führen. All jene oder der grosse Teil jener, die natürliche Methoden anwenden, helfen sich in der Regel oft zuerst selber. Ich kann vielleicht einen kleinen Vergleich machen, mit dem Sie sehen, wo die Grenzen sind: Wenn wir auf der einen Seite in der Schulmedizin mit der Grundversicherung Schönheitsoperationen bezahlen - wenn jemand ein abstehendes Ohr hat und deshalb vielleicht psychische Probleme hätte, wenn er das Ohr nicht operieren könnte - und auf der anderen Seite sagen: "Ja, wenn du natürliche Heilmittel zu dir nimmst, dann können wir das nicht bezahlen", so ist das einfach nicht gerecht.

Es liegt nun an Parlament und Bundesrat, die geforderten Methoden rechtzeitig wieder aufzunehmen. Sie sind überschaubar, sie sind überblickbar, da haben wir Erfahrung, und sie sind wirksam. Ich hoffe, dass Parlament und Bundesrat diese Entscheidungen rechtzeitig treffen.

Ich empfehle Ihnen heute daher, die Initiative zur Annahme zu empfehlen, und hoffe, dass Bundesrat und Parlament dann die Korrekturen vornehmen.

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