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Günter Paul · Nationalrat · 2007-09-19

Günter Paul · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-09-19

Wortprotokoll

Ich bitte Sie, die Initiative zur Annahme zu empfehlen. Als junger Anästhesist und Intensivmediziner habe ich mich 1982 drei Monate lang in Beijing in Akupunktur und traditioneller chinesischer Medizin ausbilden lassen. Aus Interesse und als sonst sehr aktiver Teilnehmer der modernen Akutmedizin wollte ich mich mit dieser alten Methode befassen. Ich weiss also, wovon ich spreche. Ich habe in den folgenden Jahren in speziellen Fällen dann diese Kunst bzw. diese Therapie ausgeübt. Heute bin ich emeritiert; [PAGE 1249] kommerziell bin ich also nicht mehr daran interessiert, dass diese Initiative angenommen wird. Aber weil ich überzeugt bin, dass es richtig ist, was da verlangt wird, bin ich heute für diese Initiative.

Die Komplementärmedizin - es ist heute schon mehrfach gesagt worden - ist eine wichtige Ergänzung unserer westlichen Medizin und kann viel zum Wohl der Leidenden beitragen. Unsere westliche Medizin ist stark, wenn man die Krankheit entweder mit dem Griff zum Rezeptblock oder mit dem Griff zum Skalpell heilen kann. Leider gibt es aber viele Erkrankungen, bei denen diese beiden Methoden nicht die Lösung des Problems sind. Es handelt sich dabei oft um Krankheiten, die langdauernd sind, die nicht tödlich verlaufen, aber mit einem massiven Verlust an Lebensqualität einhergehen. Gerade hier liegt die Stärke der Komplementärmedizin; hier ist sie eine wertvolle Ergänzung des Therapie-"Arsenals". Unsere Bevölkerung weiss das; sie weiss es aus Berichten von Bekannten, von Leuten, die über die Erleichterung von Leiden berichten, oder aus eigener Erfahrung. Herr Dunant, es ist eben nicht so, dass das alles quasi Naturheilungen sind, die zufälligerweise geschehen und diesen Methoden angelastet oder gutgeschrieben werden.

Als ich in Beijing war, war ich wirklich kein gläubiger Anhänger der Komplementärmedizin. Ich interessierte mich einfach dafür, wie das geht. Ich muss Ihnen sagen, es ist einfach erstaunlich: Die erstaunlichsten Heilungen beobachtete ich bei Patienten, die einfach sagten: Versuchen wir das einmal. Bei denjenigen, die schon von Yin und Yang begeistert waren, als sie kamen, hatte ich keine grösseren Erfolge. Es ist ganz objektiv, dass hier etwas passiert. Es sind zum Teil sehr alte Methoden, und ich finde es von unserer westlichen Medizin anmassend zu sagen: Tausend Jahre haben die einfach etwas Falsches beobachtet, jetzt kommen wir, wir wissen, wie es ist. Das ist nicht zuletzt anmassend, Herr Kollege Dunant, wenn man weiss, wie häufig unsere moderne Medizin ihre Meinung im Laufe von zehn oder zwanzig Jahren vollständig ändert.

Die Komplementärmedizin stellt einen wertvollen Teil im Kampf gegen das Leiden dar. Sie ist erfreulicherweise auch relativ kostengünstig, und sie hilft vor allem bei langdauernden Leiden, die mit einem starken Verlust an Lebensqualität einhergehen. Sie gehört daher zum Grundangebot eines modernen Gesundheitswesens.

Daher ist die Initiative zur Annahme zu empfehlen.