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Widmer Hans · Nationalrat · 2007-09-19

Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-09-19

Wortprotokoll

Mit meinem Minderheitsantrag fordere ich, zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen, eine substanzielle Erhöhung des Zahlungsrahmens für die Grundbeiträge von ungefähr 120 Millionen Franken. Wenn man die Entwicklung der Grundbeiträge zugunsten der kantonalen Universitäten betrachtet, dann zeigt sich einem ein sehr unerfreuliches Bild: Sie haben in den vergangenen Jahren letztlich abgenommen, und zwar um ganze 28 Prozent. Wenn Sie gestern die Zeitungen gelesen haben, haben Sie gesehen, wie es überall an den Universitäten, selbst an den jüngsten und kleinsten, Rekordzahlen gibt. Es wird real mehr Geld ausgegeben, aber schon in den vergangenen Jahren haben wir pro Erstabschluss weniger bekommen, und das ist entscheidend, nicht die reale Summe.

Die Folgen dieser Entwicklung sind für einen hochstehenden Denkplatz Schweiz schlichtweg nicht akzeptabel. Es sind dies: Qualitätsverlust in den überbelegten Fächern der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten und ganz prekäre Betreuungsverhältnisse. Der Bundesrat hat ja mal ein Ziel gesetzt, und das lautete, die Idealvorstellung wären 40 Studierende pro Lehrstuhl. Heute sind wir bei über 60. Das geht nicht auf, wenn wir in diesem Lande eine prospektive Bildungspolitik betreiben wollen. Unter solchen Bedingungen kann die Qualität der Lehre und der Forschung in einer ganzen Reihe von Fächern der Geistes- und Sozialwissenschaften nicht mehr garantiert werden. Wollen wir das? Wollen wir mit einer falschen Ausgabenpolitik zulassen, dass an unseren Universitäten eine Art Zweiklassenausbildung entsteht?

Auf der einen Seite gibt es die Ausbildungen in den Fächern mit sehr guten Betreuungsverhältnissen wie etwa in gewissen Naturwissenschaften. Das mag ich denen von Herzen gönnen. Aber ich möchte es den anderen nicht zumuten, dass sie Ausbildungen mit sehr wenig Betreuung durchlaufen müssen, eben etwa in gewissen Sozial- und Geisteswissenschaften. Auf die Dauer werden diese Mängel an der Ausbildungsbasis auch auf die Forschungsebene und längerfristig - und das gebe ich auch vor allem der FDP zu bedenken - ebenfalls auf die von Ihnen so sehr angestrebte [PAGE 1286] Reputation des Denkplatzes Schweiz überhaupt durchschlagen. Wir können uns das nicht leisten. Wir können uns keine Massenuniversitäten leisten, in denen die Leute vernachlässigt werden. Wir können es uns nicht leisten, dass nur noch die Assistenten die Prüfungen korrigieren oder vielleicht sogar dritt- und viertsemestrige Studentinnen und Studenten. Wo führt das hin? Wir können schon sagen, wir holen die besten Leute von China und von irgendwoher an unsere Universitäten. Aber eines geht nicht: Es geht nicht an, dass wir nicht von der Basis her gut und seriös aufbauen.

Auch Sie wollen keinen Qualitätsverlust. Sie wollen das wirklich nicht.

Darum bitte ich Sie, stimmen Sie dem Antrag der Minderheit I zu!