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Galladé Chantal · Nationalrat · 2007-09-20

Galladé Chantal · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-09-20

Wortprotokoll

Die Mehrheit in unserem Parlament betont immer wieder die Wichtigkeit und den Stellenwert der Berufsbildung. Beweisen Sie jetzt, dass es sich nicht nur um Sonntagsreden handelt, sondern dass Sie dann, wenn es um konkrete Abstimmungen über die Finanzierung des Berufsbildungswegs geht, immer noch zu Ihrem Wort stehen.

Ich kann Ihnen Fakten aufzählen, warum die Berufsbildung dieses Geld wirklich sehr benötigt, warum die jetzt vorgesehene Erhöhung von 6 Prozent wirklich nicht reicht und die Berufsbildung in ein Dilemma führen wird. Ich zähle Ihnen acht Fakten auf:

1. Die Brückenangebote haben wir nun vermehrt bei der Berufsbildung angesiedelt. Das ist sinnvoll, verursacht aber in der Berufsbildung auch mehr Kosten.

2. Wir haben die Berufslehre mit Attest eingeführt. Da waren Sie alle dabei. Das ist auch sinnvoll, besonders auch für die Integration von schulisch schwächeren Jugendlichen. Diese haben eine Chance verdient, aber das führt zu Mehrkosten.

3. In verschiedenen Berufen gibt es vermehrt Basislehrjahre. Auch diese sind nicht gratis. Mit dieser Zunahme findet eine der am stärksten zukunftsweisenden Reformen für neue Berufe statt, besonders im dritten Wirtschaftssektor, also in der Dienstleistung, in der Kommunikation. Dort werden in Zukunft Lehrbetriebe nur aufrechterhalten werden können, wenn es vermehrt Basislehrjahre gibt. Aber schon heute gibt es Basislehrjahre, die finanziert sein müssen.

4. In allen Bildungsverordnungsrevisionen gibt es einen zunehmenden Anteil an überbetrieblichen Kursen und Berufsfachschulen. Das ist auch sinnvoll, weil die Anforderungen an die Berufsfachleute von morgen steigen. Aber auch das verursacht Mehrkosten.

5. Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz sind neue Aufgaben entstanden, z. B. die Integration der Gesundheitsberufe in die Berufsbildung.

6. Es gibt einen höheren Anteil BMS-Schüler, und zwar der BMS 1 und 2, das sind die berufsbegleitenden wie auch die nachgelagerten Berufsmittelschulen. Es war unser Wille, dass dieser Anteil zunimmt, denn wir wollen die Attraktivität der Berufslehre und -bildung erhalten und steigern. Das können wir nur, wenn ein angemessener Anteil besteht. Aber auch die BMS ist, wie Sie wissen, nicht gratis zu haben. Ausserdem ist sie die beste Prävention gegen den sich abzeichnenden Fachkräftemangel in einigen Jahren.

7. Die Ausbildung in der höheren Berufsbildung ist heute schon viel teurer. Ich frage Sie, die Sie alle für die Gleichwertigkeit der Bildungswege votiert haben, ernsthaft - Theophil Pfister hat es Sie gestern schon gefragt -: Finden Sie, es sei in Ordnung, dass Berufsleute für ihre Weiterbildung ein Jahressalär bezahlen müssen, während der akademische Bildungsweg viel günstiger ist? Ich will die beiden Wege nicht gegeneinander ausspielen, aber das ist ein Fakt. Das ist nicht in Ordnung. Wenn wir nicht in die Berufsbildung investieren, kommt auch dieser Bildungsweg zu kurz. Wir schneiden uns ins eigene Fleisch, und wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen. Wenn wir nicht in die Berufsbildung investieren, werden die Berufsleute von morgen geschwächt, es werden die Fachkräfte von morgen [PAGE 1300] geschwächt, und schlussendlich werden die Lehrmeister von morgen geschwächt.

8. Nicht zuletzt schreibt das Turn- und Sportobligatorium - wie Sie wissen, hat der Ständerat gestern die Motion Bruderer 06.3443, "Sportunterricht an Berufsfachschulen. Gesetze einhalten und Qualität sichern", angenommen - einen Anteil an Turn- und Sportunterricht in der Berufsbildung vor. Dieser findet in den Kantonen jedoch faktisch nicht oder nur sehr ungenügend statt. Warum? Weil dort mit Sparmassnahmen Druck ausgeübt wird, die sich vor allem auf den Turnunterricht auswirken.

Wer diesem moderaten Erhöhungsantrag - er ist faktisch gar keiner; Sie haben gesehen, was für zusätzliche Aufgaben die Berufsbildung zu erfüllen hat - nicht zustimmt, schwächt die Berufsbildung, die Berufsleute, die Fachkräfte von morgen. Wenn Sie das tun, müssen Sie dazu stehen, dass es blosse Sonntagsreden sind, wenn Sie sagen, die Berufsbildung bedeute Ihnen etwas, die Berufsbildung und die Gleichwertigkeit der Bildungswege seien Ihnen viel wert. Sie müssen wissen, dass all das nicht gratis zu haben ist.

Ich bitte Sie, dem Minderheitsantrag zuzustimmen, wenn Sie von der Idee, dass die Bildungswege gleich behandelt werden sollen, wirklich etwas halten.