Geissbühler Andrea Martina · Nationalrat · 2007-12-05
Geissbühler Andrea Martina · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-12-05
Wortprotokoll
Diese Cannabis verharmlosende Initiative ist aus den folgenden Gründen abzulehnen:
Erstens sind die verheerenden Auswirkungen des Rauschgiftes THC, das sich im Drogenhanf befindet, offensichtlich. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kiffer an Unkonzentriertheit, Gereiztheit sowie Wahrnehmungs- und Gedächtnisstörungen leiden. Das kann zu Schwierigkeiten in der Schule oder in der Berufsausbildung führen. Solche Misserfolge, verbunden mit Antriebsschwäche und einer negativen Stimmungslage, enden nur allzu oft im Konsum harter Drogen. Eltern, Lehrpersonen und Jugendliche sind tagtäglich mit den negativen Folgen des Kiffens konfrontiert. Dies zeigt auch die Ablehnung der Drogenhanf-Initiative durch die Plenarversammlung des Jugendparlamentes am 23. November 2007.
Zweitens hat eine Befragung der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) ergeben, dass 58 Prozent der Schüler respektive 51 Prozent der Schülerinnen keine Drogen nehmen, weil es gesetzlich verboten ist. Deshalb stimmt die Behauptung, Verbote seien nutzlos, eben nicht.
Drittens erstaunt es, dass wissenschaftliche Forschungsergebnisse von den Befürwortern der Drogenhanf-Initiative ignoriert werden. THC ist fettlöslich und lagert sich daher vor allem im Gehirn ab, dessen Funktion dadurch beeinträchtigt wird. So sind etwa 35 Prozent der Strassenverkehrsunfälle auf Haschischkonsum zurückzuführen. Bei Landeversuchen in Flugsimulatoren zeigten Piloten nach dem Rauchen von nur einer Haschischzigarette eine deutliche Abweichung von der Zielgeraden. Bezeichnenderweise bemerkten die Haschischkonsumenten ihre Fehlleistungen nicht. Auch der Zusammenhang zwischen Haschischkonsum und Gewalttaten ist erwiesen.
Viertens zeigte die Publikation einer klinischen Studie, welche bei 45 570 jungen Schweden durchgeführt worden war, einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und einem erhöhten Risiko, an einer Psychose oder an Schizophrenie zu erkranken. Aus diesem gesundheitspolitischen wird auch ein wirtschafts- und finanzpolitisches Problem, wenn die bereits früh an einer Psychose Erkrankten arbeitsunfähig und von Sozialleistungen abhängig werden. Schizophrene Psychosen gehören nämlich zu den kostenträchtigsten Krankheiten überhaupt.
Fünftens sind sich die Forscher einig, dass einerseits der THC-Gehalt in den letzten Jahren teilweise auf über das Zehnfache gestiegen ist und dass anderseits die Konsumenten immer jünger werden.
Es ist daher die gemeinsame Aufgabe von Ärzten und Gesundheitspolitikern, auf die Gefahr, die Cannabis darstellt, hinzuweisen und für eine differenzierte Aufklärung der Öffentlichkeit zu sorgen. Auch den Forschungsbericht Espad der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme empfehle ich Ihnen dringend zum Studium.
Aus diesen Gründen bitte ich Sie, diese Initiative abzulehnen, die Cannabis verharmlost und erhebliche negative gesundheits-, wirtschafts- und finanzpolitische Auswirkungen hätte.