Vermot Ruth-Gaby · Nationalrat · 2000-11-28
Vermot Ruth-Gaby · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-11-28
Wortprotokoll
Bei der finanziellen Unterstützung humanitärer Aktionen sollen 16 Millionen Franken gekürzt werden. Ich komme gerade aus Tschetschenien zurück. Ich habe im Auftrag des Europarates die Flüchtlingscamps an der Grenze zwischen Inguschetien und Tschetschenien besucht. Die Menschen dort befinden sich in einer furchtbaren Situation. Noch immer leben in 47 Bahnwagen ganze Familien: Frauen, alte Männer, Kinder. Es sind keine Winterkleider vorhanden. Die Kinder sind barfuss. Es ist minus 18 Grad. Den Leuten geht es schlecht, sowohl in den Zeltlagern als auch in den festen Häusern, aber vor allem auch in den Bahnwagen. Die Menschen leben von Reis, ein bisschen Mehl und von Hackfleisch in Büchsen. Diese völlig unausgewogene Ernährung macht sie krank. Es gibt keine oder die falschen Medikamente, um die Leute zu behandeln. Die Situation ist, wie Sie sich vorstellen können, furchtbar.
Die Schweiz leistet in dieser sehr schwierigen Ecke der Welt sehr gute Entwicklungszusammenarbeit. Es werden nächste Woche dreitausend Matratzen, Kinderschuhe, Winterkleider usw. in diese Lager geschickt. Das ist Entwicklungszusammenarbeit. Sie zu kürzen, wäre ein Skandal; sie auszubauen, ist sehr nötig. Aber es ist auch wichtig, dass die Schweiz weiterhin da, wo Not ist - in Tschetschenien herrscht unvorstellbare Not; eine menschenunwürdige Situation -, die Nahrungsmittelhilfe nicht kürzt. Sie müsste sie eigentlich eher ausbauen. Hier hat die Schweiz Möglichkeiten zu helfen, hier hat die Schweiz Möglichkeiten, zu zeigen, dass sie in humanitären Fragen wirklich ein grosses Herz hat, dass sie helfen will und dass sie die Not der Menschen erleichtert.
Ich bitte Sie, die finanzielle Unterstützung humanitärer Aktionen und die Nahrungsmittelhilfe nicht zu kürzen, sondern den Minderheitsantrag Maillard zu unterstützen.