Fetz Anita · Ständerat · 2007-12-19
Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-12-19
Wortprotokoll
Es gibt so einen hübschen Satz: "Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr." Ich persönlich kann das ja nicht so beurteilen, aber es ist gemäss meiner Beobachtung oft so. Es ist auch klar, dass das Vatersein nicht leichter wird, wenn man ein paar Wochen Vaterschaftsurlaub bekommt. Dennoch bitte ich Sie, dieser Motion zuzustimmen, und zwar vor allem aus drei Gründen.
1. Ich finde, es ist familienpolitisch höchste Zeit und wichtig und richtig. Vor allem junge Eltern wollen ja heute partnerschaftlich für Kinder und Einkommen sorgen - nicht alle, aber die grosse Mehrheit -, und die Beziehung zum Kind in den ersten Wochen ist sicher ein ganz wichtiger Beitrag dazu. Das heisst also: Auch aus familienpolitischen Überlegungen und aus Überlegungen bezüglich Familienförderung sollten wir dieser Motion zustimmen können.
2. Ich finde, dieser Vaterschaftsurlaub ist gleichstellungspolitisch nötig. Seit dem Juli 2005 haben die Frauen, wie Sie wissen, 14 Wochen Mutterschaftsurlaub mit Erwerbsersatz. Die Männer haben das nicht. Nach meinem Dafürhalten widerspricht das dem Gleichstellungsgebot in der Bundesverfassung und diskriminiert eigentlich relativ einseitig die Männer. Das aber mag ich gar nicht, denn ich verstehe Gleichberechtigung eben auch als partnerschaftlichen Prozess.
3. Ich finde, es ist ein Gebot der Fairness all jenen berufstätigen jungen Männern gegenüber, die Vater werden und nicht das Privileg haben, in einer grossen Firma zu arbeiten. Heute haben viele grössere Firmen begriffen, dass ein Vaterschaftsurlaub von mindestens ein paar Tagen, teilweise sogar von zwei bis drei Wochen, ein ganz wichtiger Beitrag der Arbeitgeber zugunsten der Arbeitnehmer ist. Insbesondere im hochqualifizierten Bereich ist es heute durchaus ein Wettbewerbsvorteil für eine Firma, wenn sie ihren jungen, hochqualifizierten Mitarbeitern einen Vaterschaftsurlaub bieten kann.
Sie haben gehört, dass die Kommissionsmehrheit die Motion vor allem aus Kostengründen ablehnt. Ich bestreite nicht, dass ein Vaterschaftsurlaub die EO belasten wird - aber nicht in einem so starken Ausmass, wie die meisten von Ihnen meinen. Denn etwas dürfen Sie nicht vergessen: Seit die EO obligatorisch den Erwerbsersatz für die Mutterschaft zurückerstattet, gibt es dort natürlich eine grosse Entlastung. Seit der Einführung der Mutterschaftsversicherung sparen die Arbeitgeber jedes Jahr rund 300 Millionen Franken, die sie vorher in die private Absicherung der Mutterschaft investieren mussten. Man könnte doch in guten Treuen sagen, dass man diese 300 Millionen Franken - es werden jedes Jahr mehr, je länger wir dieses Obligatorium haben - den jungen Vätern zur Verfügung stellen könnte. In diesem Sinne wäre das auch bezahlbar. Der Motionär sagt ja nicht genau, wie lange der Vaterschaftsurlaub sein solle; da ist er durchaus offen und flexibel.
Zum Schluss wende ich mich ganz persönlich an die Kollegen unter Ihnen. Ich weiss, dass viele von Ihnen Väter und Grossväter sind. Ihnen möchte ich einfach mitgeben: Gönnen Sie doch Ihren Söhnen und Enkeln das, was Sie selber nicht hatten, nämlich die Möglichkeit, die ersten paar Wochen wirklich mit dem Kind zu verbringen. Sie wissen vielleicht noch, dass das eine tolle Zeit gewesen wäre, aber Sie konnten sie leider nicht geniessen. Das wiederum wirkt sich natürlich auch auf die Beziehung aus.
Ich bitte Sie, die Motion anzunehmen.