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Jenny This · Ständerat · 2007-03-07

Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-03-07

Wortprotokoll

Ich möchte Sie ebenfalls bitten, der Minderheit zu folgen. Wovon sprechen wir letztlich noch bei der Differenz zum Nationalrat? Wir sprechen von einer Differenz von nicht ganz 0,1 Rappen pro Kilowattstunde. Ein mittlerer Haushalt, das wissen Sie selber, verbraucht pro Jahr etwa für 1000 Franken Strom. Die zusätzliche Belastung pro Haushalt würde also nach dem Antrag der Minderheit im Maximum 5 Franken betragen - Sie haben richtig gehört: 5 Franken pro Haushalt. Im Maximum wären das 20 bis 30 Millionen Franken pro Jahr für die ganze Schweiz. Für Herrn Vasella alleine wäre das ein Klacks; er müsste deswegen nicht darben und auch nicht im Nachthemd zur Arbeit erscheinen. Also, was Herr Vasella problemlos zu bezahlen vermag, sollte die Sonnenenergieförderung der ganzen Schweiz ebenfalls wert sein. Anders ausgedrückt: Wenn ich es fertigbringe, mich mit 5 Franken pro Haushalt vom Joch, vom Stahlkorsett der Russen oder der Ölmultis zu befreien, so werde ich das doch wohl machen - und mit mir sehr viele Damen und Herren in der Schweiz.

Ich verstehe meine Kollegen Escher und Lombardi aus den Sonnenstuben der Schweiz wirklich nicht. Fotovoltaik ist der Zukunftsmarkt, ist die Chance für die Volkswirtschaft, für Unternehmer und Handwerker. Wenn ich also diesen Bereich mit wenig Geld fördern kann, so muss ich das doch machen.

Mit dem Antrag der Mehrheit ist die Fotovoltaik für die Zukunft gestorben - das müssen wir ganz klar sehen. Heute werden ja nicht mehr Fotovoltaik-Paneelen im Maisfeld aufgestellt. Heute arbeitet man mit Solarschiefer. Dieser wird anstelle von Eternitplatten oder Dachziegeln direkt für die Dachlandschaft verwendet. Es werden also nicht mehr Fotovoltaikplatten auf die bestehenden Eternitdächer montiert, sondern es sind direkte Dachbedeckungen. Aber es ist heute - und das ist entscheidend - noch zu teuer, es braucht eine Anschubfinanzierung, damit diese Dachbedeckungen industriell produziert werden können. Wissen Sie, die heutigen paar Objekte reichen bei Weitem nicht, um günstig zu produzieren; es braucht einen Markt, es braucht eine industrielle Produktion.

Das Potenzial dieser Stromerzeugung ist gigantisch. Bei Zellen mit einem Wirkungsgrad von 10 Prozent könnte man mit allen bestehenden Dächern in der Schweiz, also nicht mit neuen Dächern, rund 35 Prozent des Stromverbrauches decken. Mit den neuen Solardachschiefern, die heute produziert werden und die einen Wirkungsgrad von 21 Prozent haben, käme man auf rund 70 Prozent; das ist nun wirklich beeindruckend.

Dieser Markt wächst sehr rasch: Die Umsätze steigen jedes Jahr um rund 45 Prozent. In Deutschland arbeiten sogar 50 000 Personen in diesem Sektor. In der Schweiz werden 400 Millionen Franken umgesetzt, aber leider werden die Produkte nur exportiert, leider gehen sie nur ins Ausland - wir brauchen einen Heimmarkt. Die Kosten sinken sehr rasch. Es geht nicht um eine neue "Landwirtschaftspolitik", da bin ich der Letzte, der dies fordern würde. In Deutschland werden die Einspeisevergütungen - Deutschland ist ja nicht mein Vorzeigeland, aber trotzdem - um 5 bis 6,5 Prozent im Jahr gesenkt, und das ist in der Schweiz auch möglich.

Diese Anschubfinanzierung sollten wir sprechen. Wir sollten einen eigenen Heimmarkt sicherstellen, und ich bin überzeugt: Bis im Jahr 2015 haben wir eine neue, leistungsfähige, saubere und einheimische Energieproduktion. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn der Ständerat die Mehrheit unterstützen würde.

Ich möchte Sie doch bitten, der Minderheit zu folgen; es ist eine vernünftige Lösung, fördert Unternehmer, Handwerker und eine saubere, gute, freundliche Energie.