Fässler-Osterwalder Hildegard · Nationalrat · 2008-12-04
Fässler-Osterwalder Hildegard · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2008-12-04
Wortprotokoll
Mein Herz schlägt für den Sport, es schlägt aber auch dank des Sports. Wer Sport treibt, ist in der Regel, wenn er nicht gerade einen Unfall hat - was auch mir gelegentlich passiert -, gesünder und vor allem leistungsfähiger. Man hält auch Sitzungen wie diese viel besser aus, wenn man sich zwischendurch bewegt. Damit dieser Bewegungswille früh geweckt wird, ist es notwendig, dass man auch schon kleine Kinder erfasst. Ich kann mich dem Votum von Herrn Schenk anschliessen. Ich teile seine Argumentation, wonach man bei "J+S Kids" mehr Geld vonseiten des Bundes sprechen muss und die Aufgabe nicht auf die Kantone mitverteilen soll. Ich kann das Gesagte nur voll unterstützen, ich muss kein Wort von ihm wiederholen, weil wirklich alles sehr treffend war.
Ich gebe gerne noch meine Interessenbindung bezüglich der Dopingfrage zu Protokoll: Ich bin Mitglied des Stiftungsrates der neugegründeten Stiftung Antidoping Schweiz. Deshalb habe ich mir auch erlaubt, einen Einzelantrag einzubringen, der es dieser Stiftung erlauben würde, auf dem Niveau weiterzuarbeiten, das ihre Vorgängerorganisation bis vor wenigen Jahren hatte, und zwar nicht nur bei den Dopingkontrollen, sondern auch bei der Prävention, der Information und bei der Forschung.
Sie erinnern sich an den letzten Sommer. Da wurde bei den Radfahrern eine neue Form von Doping entdeckt; es war das Dopingmittel Cera. Warum wurde es so schnell entdeckt? Die meisten Sportler, die damit erwischt wurden, hatten gedacht, man habe von der Dopingseite her wieder einen Vorsprung gegenüber Forschung und Wissenschaft. Diesmal waren die Wissenschaftler aber gleich schnell. Sie konnten ganz schnell mit genügend Mitteln ein Verfahren entwickeln, das diesen Dopingmissbrauch nachweisen konnte. So muss es gehen! Die Forschung und die Kontrollen müssen auf der gleichen Höhe sein wie die Dopenden, damit der Missbrauch wirklich gestoppt werden kann. Der Erfolg bei der Entdeckung von Cera bei Radfahrern muss alltäglich werden - was er bisher noch nicht war. Dopingkontrollen sind insbesondere ein Schutz für all jene, die nicht dopen. Es gibt unterdessen Sportler und Sportlerinnen, die sich beklagen, sie würden zu wenig kontrolliert, weil sie mit jeder Kontrolle nachweisen könnten, dass sie sauber bleiben.
Ich verstehe das Argument, der privatrechtlich organisierte Bereich des Sports müsse mehr an diese Stiftung bezahlen. Swiss Olympic hat eine Million Franken mehr bewilligt als in den Jahren vorher. Wenn jetzt gesagt wurde - zum Beispiel von Frau Prelicz -, diese Verbände würden sich eine goldene Nase verdienen, stimmt das nur für ganz wenige grosse Verbände. Wahrscheinlich denkt man immer an die Fifa oder an die Uefa, vielleicht auch noch an den Schweizerischen Eishockeyverband, wobei es dort schon nicht mehr stimmt. Unsere Sportverbände sind nicht reich. In unseren Sportverbänden arbeiten Hunderttausende von Kolleginnen und Kollegen von Ihnen und von mir - freiwillig und gratis. Deren Arbeit wird zunichtegemacht, deren Förderung von jungen Talenten wird kaputtgemacht, wenn "oben" gedopt wird. Wenn wir gegen Doping nicht genug unternehmen, werden all jene bestraft, die eben nicht dopen. Deshalb [PAGE 1667] möchte ich Sie dringend bitten, meinem Einzelantrag oder allenfalls dem Antrag der Minderheit Kiener Nellen zuzustimmen. Es geht wesentlich darum, dass wir jene schützen, die nicht dopen. Ich bin nämlich nicht der Ansicht, man solle Doping einfach freigeben und dann gebe es einen Wettkampf, wer schneller und besser gedopt sei. Wir müssen dagegen ankämpfen. Wir haben in der Schweiz einen sehr guten Ruf; diesen gilt es zu verteidigen. Ich bitte Sie deshalb wirklich sehr, hier auch vonseiten des Bundes mehr Mittel zur Verfügung zu stellen.
Abschliessend möchte ich Ihnen anhand eines Bildes zeigen, warum der Staat hier stark sein muss, warum es eine von den Sportverbänden unabhängige Stiftung geben muss: Ein Kollege von mir hat gesagt, dass es so sei, wie wenn man von Diamantenräubern verlangen würde, die Alarmanlage in der Bijouterie selber zu bezahlen, wenn wir sagen würden, dass die Sportler sozusagen alles selber bezahlen sollten, was gegen Doping unternommen werde. Wir brauchen eine unabhängige Stelle. Der Staat muss unabhängig arbeiten können, auch unabhängig von den Verbänden.