von Siebenthal Erich · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2008-12-17
Wortprotokoll
Die SVP-Fraktion unterstützt die Motion Kunz. Warum? Weil es nicht um eine Rückkehr zur herkömmlichen Milchkontingentierung geht. Es geht darum, dass die Milchmenge der Nachfrage entspricht. Durch die Genehmigung der vielen Mehrmengengesuche durch das BLW hat die gelieferte Milchmenge um 5,5 Prozent zugenommen, die Nachfrage dagegen nur um 2 Prozent. Somit haben wir im Moment ein Überangebot von etwa 3 Prozent. Das hat zur Folge, dass der Preis unter Druck kommt. Da könnte man ja sagen: Das ist gut so, denn so gibt es eine Bereinigung der Strukturen, und nur diejenigen werden weiter produzieren, welche dies auch kostengünstig tun können. Wenn dieses Szenario eintrifft, wovon wir nicht mehr weit entfernt sind, hat dies fatale Folgen.
Was braucht es, damit man kostengünstig produzieren kann? Es braucht eine gute Lage, d. h. um die Zentren und Agglomerationen herum, gut erschlossen im Talgebiet; und es braucht für die Bewirtschaftung flachen Boden, wo mit Maschineneinsatz alles grossräumig bearbeitet werden kann. Auf solchen Betrieben ist es möglich, trotz sinkendem Preis dank der Menge zu überleben. Wie wir alle wissen, zeichnet sich unser Land aber gerade durch eine topografische Vielfältigkeit aus und ist dadurch auch als Erholungsraum sehr geschätzt. Diese Vielfältigkeit hat aber ihren Preis. 40 Prozent unseres Landes sind Berggebiet; dazu kommt noch das Hügelgebiet. Diesen wichtigen Teil unseres Landes dürfen wir nicht vernachlässigen, und da trägt die Politik Verantwortung. Bis heute hat man immer mehr oder weniger ausgewogene Lösungen gefunden, um dieser Vielfältigkeit gerecht zu werden.
Die Bauernfamilien in den entlegenen Gebieten, im Hügel- und Berggebiet, erfüllen einen sehr wichtigen Auftrag. In diesen Regionen ist es aber auch mit dem besten Willen nicht möglich, konkurrenzfähig Milch zu produzieren. Die Bewirtschaftung von Hanglagen ist trotz Mechanisierung mit sehr viel Handarbeit verbunden. Die Milchmengen sind zu klein und die Transportwege zu lang. Es wird immer wieder gesagt, wir müssten Qualitätsprodukte produzieren, damit es Mehrwert gibt. Da sind wir voll dabei, aber die Realität ist manchmal anders, als es auf dem Bürotisch aussieht. Sehr viele Milchkühe gehen im Sommer auf die Alp, und da wird das Qualitätsprodukt Alpkäse hergestellt, welches eine sehr gute Nachfrage und einen sehr guten Preis hat. Wenn wir in Zukunft auch im Sommer melken wollen, bedingt das, dass wir im Winter eine angemessene Wertschöpfung aus der Milch haben.
Ich bitte Sie, diese Motion anzunehmen. Sie ist ja sehr offen formuliert und kostet den Bund nichts. Sie bringt keine Rückkehr zur herkömmlichen Kontingentierung. Es kann doch nicht in Ihrem Interesse sein, dass die Milchproduktion im Hügel- und Berggebiet nicht mehr möglich ist und dass viele Familienbetriebe aufgeben müssen. Eine Mengensteuerung ist im Moment unumgänglich, sonst werden die Bauern in guten Lagen zusammen mit den Verarbeitern die Bauern in den dezentralen Gebieten zur Aufgabe der Milchproduktion zwingen. Auch unter volkswirtschaftlichem Gesichtspunkt kann das nicht der Weg sein.
Ich bitte Sie im Namen des ländlichen Raumes, diese Motion anzunehmen. Sie bringt keine Rückkehr zur herkömmlichen Kontingentierung.