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Vischer Daniel · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2009-03-02

Wortprotokoll

Ja gut, es gibt "Leuchttürme" in der Politik, ich sehe unseren Bundesrat an. Ich habe gesehen, dass es heute einen neuen Diskurs gibt, der lautet: Die Schweiz hat Mühe mit exzellenten Leuten - Frau Riklin, Hochachtung vor Ihrer Exzellenz. Es ist heute Mode, zu sagen, die Guten in der Schweiz hätten keine Chance; ja gut, wählen wir nur noch Gute. Es ist ja ein bisschen ein Zürcher Diskurs. Es ist ein Diskurs von Leuten, wie Herr Pereira einer ist, die offenbar auch in den Futternapf des Bundes hineinlangen wollen. Nur, brauchen diese Institutionen, die sich als "Leuchttürme" apostrophieren, diese Unterstützung überhaupt? Ist es nicht so, dass gerade sie am besten in der Lage sind, Sponsorengelder zu holen? Herr Pereira hat da kein Problem, auch das Schauspielhaus in Zürich nicht, auch das Klee-Museum und Herr Beyeler nicht. Regisseure der Nouvelle Vague in Frankreich, die auch mit der Schweiz zu tun hat, wie Godard, Truffaut und andere kamen nicht in den Mittelpunkt des cineastischen Interesses, weil sie als "Leuchttürme" gefördert wurden, sondern weil sie in einer Seitengasse neue, andere, innovative Filme zu machen begannen. Das Gleiche gilt für den neuen Schweizer Film. Für die Romandie denke ich an Tanner, Goretta, für die Deutschschweiz denke ich an Fredi Murer, Gloor und andere: Das waren keine "Leuchttürme", die der damalige Kulturchef der Eidgenossenschaft - so es ihn damals schon gab - gefördert hätte. Das waren Leute, die in mühsamer Kleinarbeit, nicht zuletzt im Geldsammeln, auf sich aufmerksam machen mussten.

In diesem Sinne muss es doch die Aufgabe des Bundes sein, Kunst dort zu fördern, wo Neues entsteht, nicht die Förderung derjenigen zu zementieren, die schon am Ball sind, die leuchten. Die Aufgabe muss sein, neues Leuchten hervorzubringen, Innovationen zu fördern. Manchmal habe ich eben das Gefühl, die "Leuchtturmförderung" werde auch von denen propagiert, die sich selbst mit den "Leuchttürmen" verwechseln. Oftmals habe ich das Gefühl, ein Stadtpräsident von Zürich meint dann, er selber sei gewissermassen auch noch der Regisseur einer brillanten Opernaufführung, und setzt sich dafür ein. Aber wir brauchen keine indirekte Politikerförderung über die "Leuchtturmförderung" durch das Kulturförderungsgesetz. Das kann nicht unser Ernst sein, das ist eine Sackgasse.

In diesem Sinne ersuche ich Sie, beide Anträge der Minderheit Riklin Kathy abzulehnen. Sie gehen in eine falsche Richtung, sie zementieren und blockieren Geld, wo es in diesem Ausmass gar nicht gebraucht wird. Hören Sie auf mit den Expos, das sind Sonderanstrengungen. Ich sage Ihnen: Was an unserer Expo gut war, war die Achtzigerkultur. Die Expo war für mich ein Aufbruch auf einer neuen kulturellen Schiene. Es waren Künstler der Achtzigerjahre, die zwischen 40 und 50 Jahre alt waren: Pipilotti Rist, Samir und andere. Es waren gerade nicht die "Leuchttürme", die sie geprägt haben. Haben wir also acht auf die Zweitausender, auf die neuen revoltierenden Künstler! Sie brauchen unsere Aufmerksamkeit.