Rechsteiner Rudolf · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2009-03-03
Wortprotokoll
Seit vielen Jahrzehnten wird an der Kernfusion geforscht. Es gibt da einen Witz, der geht so: Wir wissen, dass es bis zum Erfolg der Kernfusion immer noch fünfzig Jahre geht, bis diese Technik funktioniert. Diese Frist ist nicht kleiner geworden, aber immer sicherer. Ich denke, was hier abläuft, sind Mechanismen des Forschungsapparates, die sich weitgehend selber steuern. Es ist weitgehend zweckfreie Forschung, weil diese Technik nie funktionieren wird, weil das Konzept einer zentralen Grossversorgung von einem Ort aus, von dem aus man ganze Kontinente versorgt, vollkommen überholt ist und weil die Technik, selbst wenn sie funktionieren würde, von niemandem gekauft würde, weil sie so teuer ist.
Das Schlimmste an dieser Forschung ist, dass sie den erneuerbaren Energien die Gelder wegnimmt. Wir haben einen säkularen Umbruch im Markt: Die erneuerbaren Energien, Wind und Sonne, wachsen jährlich mit 30 bis 60 Prozent, d. h., sie erobern den Markt. Wir brauchen diese Kernforschung überhaupt nicht mehr, sie hat sich selber überflüssig gemacht. Wo wir hingegen die Mittel bräuchten, das wäre im Bereich der erneuerbaren Energien, wo wir in der Schweiz wirklich gute Arbeiten haben. Dort fliesst aber weniger Geld, z. B. in die Solarzellenforschung, obwohl wir mit diesen Produkten bereits eine Milliarde Franken Umsatz machen, Umsatz vor allem im Export.
Deshalb erlauben Sie mir als Minderheit in der SP-Fraktion, dies hier zu sagen: Begraben wir dieses Milliardenprojekt Kernfusion. Es bringt nichts, es ist vorbei. Die Zeit wäre jetzt reif, andere Entscheide zu treffen.