Schenker Silvia · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2009-03-19
Wortprotokoll
Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie als Kind ein historisches Museum besucht haben? Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie durch die oft düsteren und manchmal staubigen Räume gegangen sind und sich vorzustellen versuchten, wie die Menschen früher gelebt haben könnten?
Museen haben sich weiterentwickelt. Die Szenografie, also die gestaltete und damit sinnlich erfahrbare Ausstellung, und die neuen Medien haben Einzug gehalten. Geblieben ist eines: Das originale, das authentische Objekt, das die Geschichte im Museum ausmacht. Nirgends ist Geschichte sinnlicher erfahrbar als in einem Museum. Nirgends sind unsere Kulturgüter besser aufbewahrt als in Museen. Mit den Sammlungen der Museen werden Generationen nach uns dereinst die Kulturgeschichte von heute schreiben. Wenn wir uns dagegen vorstellen, dass unsere Geschichte nur mehr auf einem USB-Stick gespeichert und zu Hause am PC im stillen Kämmerlein sichtbar gemacht werden könnte, dann wird uns sicher allen mulmig. So weit sind wir zum Glück noch nicht. Noch gibt es in der Schweiz unzählige Museen, noch gibt es sehr viele private Initiativen. So können wir von A wie Armeepferdemuseum bis Z wie Zithermuseum alles finden, was man sich nur vorstellen kann.
Es ist nicht Aufgabe des Bundes, es kann nicht Aufgabe des Bundes sein, für all diese Museen zu sorgen. Dennoch wünschen wir uns, dass es dereinst mehr gibt als eine Koordination unter den Museen und Sammlungen des Bundes. Museen sind Einrichtungen von besonderer Bedeutung: Sie sind die Erinnerungsstätten unserer Kulturgeschichte, sie sind unser kollektives Gedächtnis. Wir wünschen uns, dass der Bund eine Vision für eine eigentliche Museumspolitik entwickelt und dass diese als Leitlinie für die unterschiedlichsten Museen in unserem Land dienen kann. Was nun vorliegt, ist gut, aber sehr pragmatisch.
Das Gesetz ist eine gute Grundlage dafür, dass in Zukunft die Museen und Sammlungen des Bundes ihre Aufgabe - nämlich die wichtigen beweglichen Kulturgüter der Schweiz zu erhalten, daran zu forschen und das Bewusstsein der Bevölkerungen für die Kulturen der Schweiz zu stärken - koordinierter wahrnehmen können, als sie dies heute tun. Seitens der SP-Fraktion begrüssen wir diesen Schritt. Ebenso begrüssen wir die Überführung der bisherigen Musée-Suisse-Gruppe in eine öffentlich-rechtliche Anstalt im dritten Kreis. Damit haben die Institutionen genügend Freiheit, ihre vielfältigen Aufgaben wahrzunehmen; die Beschäftigten haben zudem genügend Sicherheit in ihren Anstellungs- und Arbeitsbedingungen.
Wichtig ist uns eine Ergänzung, welche die nationalrätliche Kommission aufgenommen hat. Unter den Zielen wird ein Aspekt aufgenommen, der unserer Meinung nach sehr wichtig ist: Die Museen haben auch einen Bildungsauftrag. Museen können dazu beitragen, dass sich insbesondere Kinder und Jugendliche für Geschichte und Kultur zu interessieren beginnen. Dabei stehen die Museen im Wettbewerb mit den Medien und der ganzen Freizeit- und Unterhaltungsindustrie. Museen müssen mit zeitgemässen Mitteln - damit sind insbesondere architektonische, grafische und mediale Einsätze gemeint, die kostenintensiv sind - operieren können, damit sie in diesem Wettbewerb mithalten können. Es ist in unser aller Interesse, ihnen diese Möglichkeit zu geben.
Begrüsst wird seitens der SP-Fraktion auch der von der Kommission im Gesetz vorgeschlagene Museumsfonds. Dieser Fonds erhöht den Anreiz für die vom Bund direkt verwalteten Museen, zum Beispiel das Musikautomatenmuseum, ihren Eigenfinanzierungsgrad zu erhöhen. Zusätzlich erwirtschaftete Mittel kommen so direkt den betreffenden Museen zugute.
Ich fasse zusammen: Die SP-Fraktion tritt auf diese Vorlage ein. Das Gesetz ist pragmatisch und praktikabel. Wir wünschen uns aber nach wie vor, dass der Bund sich weiter gehende Gedanken macht und eine eigentliche Museumspolitik entwickelt. Wir wünschen uns insbesondere, dass neben den Museen und Sammlungen des Bundes auch andere Museen gefördert und unterstützt werden. Diese leisten alle einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben in unserem Land.