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Bischofberger Ivo · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · Christlichdemokratische Fraktion · 2009-03-18

Wortprotokoll

Wer in der Schule, in Vereinen usw. mit jungen Erwachsenen zu tun hat, wird beinahe tagtäglich mit Schlagzeilen, welche leider der Realität entsprechen, konfrontiert: mit Schlagzeilen von Alkoholexzessen und verbreitetem Komatrinken; mit Schlagzeilen, welche aufzeigen, und das ist statistisch erhärtet, dass Jugendliche immer jünger und immer ausgiebiger zu alkoholischen Getränken greifen und mit diesem riskanten Alkoholgenuss volkswirtschaftliche Folgekosten von mehreren Milliarden Franken verursachen; mit Schlagzeilen auch, welche von tragischen innerfamiliären Schicksalen zeugen. Gleichzeitig lokalisieren verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen, unter anderem auch die von der befürwortenden Seite zitierten Studien von Reinhard Bergler und Stefan Poppelreuter, die Auslösefunktionen für den Beginn des Alkoholkonsums junger Menschen in den Peer Groups der Jugendlichen in der Schule und in der Freizeit respektive im elterlichen Zuhause. Dies kann ich auch aus meiner beruflichen Tätigkeit nur bestätigen. Bund, Gesetzgeber und schulpädagogische Institute reagieren mit entsprechenden [PAGE 241] Massnahmen. Stichworte sind: Artikel 11 LGV zum Verbot von Alkoholverkauf, das Nationale Programm Alkohol 2008-2012 (NPA), Kampagnen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wie zum Beispiel "Alles im Griff?" und "Schau zu dir und nicht zu tief ins Glas" oder die CKT-Präventionskampagne des Schweizerischen Studentenvereins.

Wenn ich die in der laufenden Debatte geäusserten Pro- und Kontra-Argumente verantwortungsvoll abwäge, ist die Diagnose, glaube ich, klar: Jugendliche brauchen und wollen auch Grenzen. Wir alle, die wir Erziehungsverantwortliche sind - und Erwachsene überhaupt -, sind aufgefordert, nicht aus Bequemlichkeit einfach nachzugeben, sondern diesen Grenzen, wo wir das noch können, auch im scheinbar kleinen Rahmen, Ausdruck zu verleihen. Jugendliche suchen Grenzen, suchen entsprechende Reibeflächen mit der verantwortlichen Erwachsenenwelt. Denn Reibung erzeugt, metaphorisch gesprochen, Wärme. Sie gibt den Jugendlichen das Bewusstsein, dass wir es ernst mit ihnen meinen; dass wir uns um sie bemühen, sie als Persönlichkeiten, wenn auch jung an Jahren, ernst nehmen, sie als Persönlichkeiten unserer Gesellschaft achten. "La jeunesse d'aujourd'hui est la génération de demain."

Dazu gilt es Sorge zu tragen! Wenn es uns damit ernst ist - das entspricht keineswegs einer naiven Haltung -, müssen wir dem Antrag der Mehrheit zustimmen.