Schenker Silvia · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2009-06-10
Wortprotokoll
Lassen Sie mich zunächst meine Interessenbindung offenlegen: Ich bin Präsidentin der Schweizerischen Gesundheitsligenkonferenz (Geliko). Die Geliko ist der Zusammenschluss von kleineren und grösseren Ligen wie zum Beispiel der Rheumaliga Schweiz, der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft oder der Schweizerischen Gesellschaft für Cystische Fibrose. Diese Ligen setzen sich in ihrer täglichen Arbeit für die Interessen von Menschen mit chronischen Krankheiten ein.
Die aktuelle Situation betreffend die Gesundheitskosten beinhaltet die Gefahr, dass Massnahmen beschlossen werden, welche eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung zur Folge haben. Es gibt aber Massnahmen, die aus Sicht der betroffenen Patientinnen und Patienten zu einer Verbesserung der Versorgung führen und gleichzeitig einen positiven Effekt auf die Kostenentwicklung haben können. Zu diesen Massnahmen gehört das Disease Management. Gemeint sind die Behandlungs- und Schulungsprogramme für Chronischkranke. Ziel dieser Behandlungsprogramme ist zum Beispiel, Menschen mit Diabetes eine kontinuierliche Betreuung und Behandlung zu bieten. Ein wesentliches Angebot dieses Disease Managements ist die Förderung der Gesundheitskompetenz. Sie wissen alle, wie wichtig für einen Diabetiker die Kontrolle des Blutzuckers ist. Dass er nach Erhalt der Diagnose über diesen und andere Aspekte seiner Krankheit gut informiert wird, ist darum ein wesentlicher Schritt hin zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Krankheit. Damit verbessert sich nicht nur die Lebensqualität des Betroffenen, es lassen sich auch Gesundheitskosten sparen.
Solche Behandlungsprogramme werden jedoch zurzeit kaum angeboten. Für Krankenkassen lohnt es sich nicht, weil sie damit die sogenannt schlechten Risiken anziehen. Um solche Behandlungsangebote zu fördern und deren Entwicklung wirklich voranzutreiben, braucht es einen Hochrisikopool. Über diesen Pool können die Krankenkassen die Kosten von Versicherten abwickeln, die sich für ein solches Versorgungsmodell entscheiden.
Unser Gesundheitssystem krankt auch daran, dass sehr viel Geld in die Heilung und Linderung von Krankheiten und im Verhältnis dazu sehr wenig Geld in die Gesundheitsförderung und Prävention investiert wird. Letztlich sind die langfristig wirklich kostensparenden Massnahmen diejenigen, welche die Menschen befähigen zu erkennen, was gesundheitsfördernd und was gesundheitsschädigend ist und wie sie sich entsprechend dieser Erkenntnis verhalten müssen - das ist der wichtige zweite Schritt. Investitionen in die Prävention und Gesundheitsförderung sind darum Investitionen in die Zukunft.