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AB 99867

Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2009-09-09

Wortprotokoll

Ich spreche zuerst zu Artikel 34 Absatz 3: Dieser Minderheitsantrag ist für uns eigentlich unverschämt, denn er trifft die Falschen. Zeugnisse werden normalerweise von Arbeitnehmern ja nicht freiwillig geholt, sondern von den Arbeitgebern verlangt - wobei es Arbeitnehmer gibt, die pflichtbewusst sind und die meinen, sie müssten auch für eine Kurzabsenz ein Zeugnis beschaffen, weil der Arbeitgeber nichts anderes hat verlauten lassen. Dieser Antrag ist zudem systemfremd. Wenn schon, so müsste diese Frage im Arbeitsgesetz geregelt werden. Wir finden zwar auch, dass der Gang zum Arzt bzw. zur Ärztin einzig wegen eines Zeugnisses unsinnig und auch teuer ist, aber die jetzige Formulierung belastet einzig die Arbeitnehmer, obwohl sie diese Kosten nicht verursacht haben.

Es ist bekannt, dass Kurzabsenzen in vielen Betrieben ein grosses Problem darstellen. Zeugniseinforderungen sind ein hilfloser Versuch, dagegen anzukämpfen. Vielleicht ist der Antrag der Minderheit in dem Sinn zu verstehen, dass es sich Arbeitnehmer, wenn das Zeugnis von ihnen bezahlt werden muss, vielleicht zweimal überlegen, ob sie zum Arzt bzw. zur Ärztin gehen, und dass damit für einen Betrieb vielleicht weniger Absenzen entstehen. Aber das ist ein untauglicher Versuch, der nicht klappt. Der Arbeitgeber muss die Arbeitnehmer auf die Kurzabsenzen ansprechen, wenn er das Problem lösen will. Es gibt bekanntlich gute Mittel gegen Kurzabsenzen, beispielsweise das Modell Skandinavien, das drei bis vier Jokertage pro Jahr und Mitarbeiter gewährt. Und siehe da: Der Erfolg ist, dass es praktisch keine Kurzabsenzen mehr gibt. Das ist aber jetzt nicht das Thema.

Für uns ist klar, dass wir diesen Antrag der Minderheit Humbel ablehnen werden. Wir wollen keine Bezahlung der Zeugnisse durch die Arbeitnehmer. Wenn es schon der Wunsch des Arbeitgebers ist, soll er das Zeugnis bezahlen.

Noch kurz zu Artikel 34a, zu dem Frau Gilli schon gesprochen hat: Wir Grünen stehen voll hinter diesem Minderheitsantrag Gilli. Dieser Artikel ist ziemlich eigenartig: Wir sprechen heute über Kosteneindämmungen; das ist aber eine Kostenerhöhung. Diejenigen, die bis jetzt gesprochen haben, sind die Vertreter der Versicherungen.

Ich bitte Sie, dem Minderheitsantrag Gilli zuzustimmen.