Eidgenössisches Departement des Innern EDI Bundesamt für Gesundheit BAG Sektion Ernährung und Bewegung
Nationales Programm Ernährung und Bewe- gung 2008–2012 (NPEB 2008–2012)
Zusammenfassung
Programme national alimentation et activité physi- que 2008–2012 (PNAAP 2008–2012)
Programma nazionale alimentazione e attività fisica 2008–2012 (PNAAF 2008–2012)
National Programme Nutrition and Physical Activity 2008–2012
Bern, 27. September 2007
Impressum © BAG, Bern (2007) Herausgeber: Bundesamt für Gesundheit (BAG) CH-3003 Bern www.bag.admin.ch
Projektleitung NPEB: Alberto Marcacci (BAG)
Vorwort
Ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung sind wesentliche Faktoren für die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung. In den letzten Jahren hat die Thematik aus verschiedenen Gründen an Bedeutung gewonnen. Zum einen gab es einen enormen Wissenszuwachs über die Zusammenhänge zwischen nicht- übertragbaren Krankheiten und der Bedeutung der mit Ernährung und Bewegung verbundenen Risikofakto- ren. Damit wurde auch immer deutlicher erkennbar, welches Präventionspotential diesbezüglich vorhanden ist. Ein anderer wichtiger Grund ist die weltweit und auch in der Schweiz besorgniserregende Zunahme an übergewichtigen und adipösen (fettleibigen) Menschen. Obwohl dieses Phänomen noch nicht ausreichend erforscht ist, steht heute fest, dass der Schlüssel in der Verbesserung der Energiebilanz und damit bei den dafür verantwortlichen Faktoren Ernährung und Bewegung liegt. Im Bereich Ernährung und Bewegung besteht die Möglichkeit, starke Akzente auf freiwillige, fördernde und genussvolle Ansätze zu setzen. Es stellt sich zugleich die Frage, welche Verantwortung den öffentlichen und den staatlichen Organisationen zukommt. In der von der Weltgesundheitsorganisation verabschiedeten „Globalen Strategie für Ernährung, Bewegung und Gesundheit“ (2004) und der „Europäischen Charta zur Bekämpfung der Adipositas“ (2006) wird fest- gehalten, dass sich dieses Phänomen infolge von sozio-ökonomischen und -kulturellen Veränderungen ausgeweitet hat, und dass heute deshalb Massnahmen in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zu dessen Eindämmung notwendig sind. Das vorliegende Programm Ernährung, Bewegung und Gesundheit 2008–2012 ist im Auftrag des Bundesra- tes erstellt worden. Es definiert die langfristigen Ziele und prioritären Handlungsfelder für das Vorgehen auf nationaler Ebene und bildet die Grundlage für die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. Bei der Er- arbeitung des NPEB haben eine Vielzahl von wichtigen Partnern mitgewirkt (Bund, Kantone, Wissenschaft, Industrie, Nicht-Regierungsorganisationen). Besonders eng arbeitete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit dem Bundesamt für Sport (BASPO) und der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz zusammen. Das NPEB basiert auf den erfolgreichen Erfahrungen von Partnern im Bereich Ernährung, Bewegung und Gesundheit im In- und Ausland. Die Zusammenarbeit zwischen den massgeblichen Akteuren wird denn auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Umsetzung dieses Programms sein. Wir danken allen an der Programmausarbeitung Beteiligten für ihr grosses Engagement und freuen uns auf die gemeinsame Umsetzung.
Prof. Thomas Zeltner Matthias Remund Joachim Eder Direktor Bundesamt für Gesundheit BAG Direktor Bundesamt für Sport BASPO Stiftungspräsident Gesundheitsförderung Schweiz
Markus Dürr Präsident Schweiz. Konferenz der kantonalen Gesund- heitsdirektorinnen & -direktoren GDK
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Nationales Programm Ernährung und Bewegung 2008-2012
Ernährung und Bewe- Unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel zählen zu den wichtigsten gung beeinflussen die Ursachen für Herz-Kreislaufkrankheiten, mehrere Krebsarten, Erkrankungen am Krankheitslast Bewegungsapparat sowie für bestimmte Typen von Diabetes. Sie tragen zudem in erheblichem Mass zur Morbidität (Erkrankungswahrscheinlichkeit) und Mortali- tät (Sterberate) sowie zum Verlust von Selbständigkeit bei. Bewegung ist zentral für die Erhaltung des energetischen Gleichgewichts und eines gesunden Körpergewichts. Bei Kindern spielt sie für die psychomotorische Entwicklung eine wichtige Rolle. Körperliche Aktivität ist auch ein bewährtes Mittel gegen Stress, Ängste und Depressionen und unterstützt ein Leben lang die kör- perliche und seelische Ausgeglichenheit. Der Verzehr von Früchten und Gemüse, die Qualität der konsumierten Fette sowie eine moderate Salzzufuhr sind die we- sentlichen Elemente einer Ernährung, die sowohl auf Herz-Kreislaufkrankheiten wie auch auf gewisse Krebsarten präventiv wirken. Ausgewogene Ernährung, ein gesundes Körpergewichts und regelmässige Bewegung sind wirkungsvolle Mittel zur Prävention vor wichtigsten nicht-übertragbaren Krankheiten.
Abb. 1: Einfluss von Ernährung und Bewegung auf nicht-übertragbare Krankheiten (eigene Darstellung BAG)
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Internationale Situation Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2002 die nicht- übertragbaren Krankheiten weltweit für 60% der jährlichen Todesfälle und für 47% der Krankheitslast verantwortlich. In den meisten europäischen Ländern stehen fünf der sieben wichtigsten Risikofaktoren für nicht-übertragbare Krankheiten mit Ernährung und Bewegung in Verbindung: Bluthochdruck, hoher Blut- Cholesterolgehalt, Übergewicht, geringer Früchte- und Gemüsekonsum und kör- perliche Inaktivität. Die beiden weiteren Risikofaktoren sind Tabak- und Alkohol- konsum. Die Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) hat weltweit epi- demische Ausmasse angenommen. Ein Viertel der Schulkinder in Europa ist ü- bergewichtig und mehr als die Hälfte der Erwachsenenbevölkerung übergewichtig oder fettleibig, wobei die Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit je nach 1 Region, Nation, Kultur und Sozialstatus unterschiedlich sind . Vor allem in Anbet- racht der Bedeutung von Übergewicht und Fettleibigkeit für die Entstehung von zahlreichen Folgekrankheiten und erhöhter Sterberate ist der hohe Anteil von Be- troffenen eine Herausforderung für die Gesundheitspolitik aller Länder. Vor diesem Hintergrund hat die Weltgesundheitsversammlung (WHA) im Mai
2004 die „Globale Strategie für Ernährung, Bewegung und Gesundheit“ verab-
schiedet und die Regierungen der Mitgliederländer aufgefordert, diese an ihre 2 jeweiligen nationalen Bedingungen anzupassen . Im November 2006 nahmen die europäischen Gesundheitsminister in Istanbul die „Europäische Charta zur Be- 3 kämpfung der Adipositas“ an . Diese beabsichtigt die Förderung eines Lebens- stils, bei dem sozioökonomische und kulturelle Ziele mit Gesundheitszielen in Einklang stehen, um gesundheitsfördernde Entscheidungen zu erleichtern. Situation in der Schweiz Die Situation in der Schweiz lässt sich mit jener anderer europäischen Ländern vergleichen. Das Ernährungsverhalten der schweizerischen Bevölkerung zeichnet sich durch einen niedrigen Konsum von Früchten und Gemüse aus sowie durch einen Zuckerkonsum, der die empfohlene tägliche Zufuhr von 10% der Gesamt- energiezufuhr weit überschreitet. Fast ein Drittel der Bevölkerung (31%) achtet nach dem eigenen Dafürhalten nicht speziell auf die Ernährung. Im Vergleich zu vor 10 Jahren hat sich das Ernährungsverhalten der Bevölkerung in der Schweiz 4 auch nicht verbessert . Bei Schulkindern führt der Trend weg vom Frühstück und 5 hin zu immer weniger Mahlzeiten am Familientisch . Bewegungsmangel ist in der schweizerischen Bevölkerung stark verbreitet. 64% der Erwachsenen halten sich nicht an die Mindestempfehlung, sich täglich eine halbe Stunde aktiv zu bewegen, und 19% sind sogar vollständig inaktiv. Proble- matisch ist vor allem, dass in der Schweiz die Bewegung im Alltag von 1992 bis 6
2002 zurückging . Auch bei Kindern und Jugendlichen gibt es zunehmend Hin-
weise auf Bewegungsmangel, motorische Defizite und entsprechend verminderte 7 Leistungsfähigkeit .
1 International Obesity Task Force: Obesity in children and young people: A crisis in public health. Obesity Reviews, May, 2004. 2 WHO: Global Strategy on Diet, Physical Activity and Health. World Health Organization; Geneva, 2004. 3 WHO Europe: European Charter on Counteracting Obesity. World Health Organization, Regional Office for Europe; Copenha- gen, 2006. 4 Eichholzer M. et al.: Fünfter Schweizerischer Ernährungsbericht. Bundesamt für Gesundheit. Bern, 2005. 5 Baerlocher K. et al.: Die Ernährungssituation von Schulkindern und das Thema Ernährung im Schulunterricht. Eidgenössische Ernährungskommission. Bern, 2000. 6 Bundesamt für Statistik: Schweizerische Gesundheitsbefragung 2002. Bundesamt für Statistik. Neuchatel, 2003. 7 Bundesamt für Sport et al.: Grundlagendokument: Gesundheitswirksame Bewegung. Bundesamt für Sport; Magglingen, 2006.
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In der Schweiz führt Bewegungsmangel jedes Jahr zu mindestens 2’900 vorzeiti- gen Todesfällen, zu 2,1 Millionen Krankheitsfällen und zu direkten Behandlungs- kosten in der Höhe von 2,4 Milliarden Franken. Hinzu kommen indirekte Kosten, 8 etwa durch krankheitsbedingte Arbeitsausfälle . In den letzten Jahren hat die Zahl der übergewichtigen Personen über alle Alters- klassen stark zugenommen. Im Jahre 2002 galten 37% der Erwachsenenbevölke- 9 rung als übergewichtig oder fettleibig, 10 Jahre davor waren es noch 30% . Bei den Kindern (6-12 Jahre) ist die Situation besonders besorgniserregend: Bereits jedes fünfte Kind ist übergewichtig, etwa eines von 14 fettleibig. Im Vergleich zum Stand vor 20 Jahren kommt diese Zahl einer Verfünffachung gleich, bei der Fett- 10 leibigkeit hat sich die Zahl der betroffenen Kinder sogar noch stärker erhöht .
2001 beliefen sich die volkswirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit die-
sem Phänomen einschliesslich der dadurch verursachten Krankheiten auf 2,7 11 Milliarden Franken; dies entspricht 5% der Gesundheitskosten . Laufende Aktivitäten Die bisherigen Aktivitäten beruhen auf der Ernährungspolitik der Eidgenössischen Ernährungskommission und des Bundesamts für Gesundheit (BAG) sowie auf dem „Konzept des Bundesrates für eine Sportpolitik in der Schweiz“ aus dem Jahr 2000. Das Bundesgesetz zur Förderung von Turnen und Sport hat zum Ziel, die Ent- wicklung und Gesundheit von Jugendlichen sowie das Bewegungsverhalten der Bevölkerung allgemein zu fördern. Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz setzt sich seit mehreren Jahren für ein gesundes Körpergewicht ein und dieses Anliegen bildet heute eines der drei Schwerpunktthemen der Stiftung. Zur Förderung eines gesunden Körpergewichts bei Kindern und Jugendlichen haben das BAG und Gesundheitsförderung Schweiz im Jahr 2002 gemeinsam das langfristig angelegte nationale Programm „Suisse Balance“ ins Leben geru- fen. Weitere Initiativen und Projekte ergänzen die nationalen Aktivitäten. Immer mehr Kantone erarbeiten Gesundheitspolitiken, die sich auch mit gesunder Er- nährung und Bewegung befassen. Handlungsbedarf Die Wirkungen von Massnahmen im Bereich Ernährung und Bewegung zeigen sich oft erst langfristig, weil damit Veränderungen des Lebensstils verbunden sind. Die Datenlage im Bereich Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Schweizer Bevölkerung und die wissenschaftlichen Grundlagen (Evidenz) müs- sen verbessert werden. Mit gezielten Interventionen basierend auf "Best- Practices“ (nachahmenswerte Beispiele) können Übergewicht und Fettleibigkeit vor allem bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz wirksamer bekämpft und die volkswirtschaftlichen Kosten reduziert werden. Optimierungen sind auch bei der Zusammenarbeit der Akteure notwendig. Durch die Schaffung von neuen Partnerschaften, wie z. B. mit der Nahrungsmittelindust- rie, können Synergien geschaffen und vorhandene Ressourcen und Erfahrungen effizienter genutzt werden.
8 Bundesamt für Sport et al.: Grundlagendokument: Gesundheitswirksame Bewegung. Bundesamt für Sport. Magglingen, 2006. 9 Eichholzer M. et al.: Fünfter Schweizerischer Ernährungsbericht. Bundesamt für Gesundheit; Bern, 2005. 10 Zimmermann MB. et al.: Overweight and obesity in 6-12 year old children in Switzerland. Swiss Med Wkly, 134:523-528, 2004. 11 Bundesamt für Gesundheit: Die Kosten der Adipositas in der Schweiz. Bundesamt für Gesundheit. Bern, 2004.
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Auftrag des BAG Aufgrund der beschriebenen Situation hat der Bundesrat die WHO-Resolution „Globale Strategie für Ernährung, Bewegung und Gesundheit“ vom 22. Mai 2004 angenommen und das Eidgenössische Departement des Innern beauftragt, auf der Grundlage der WHO-Strategie ein Programm für die Schweiz zu entwickeln. Entwicklung des Pro- Die Prävention nicht-übertragbarer Krankheiten und ihrer Risikofaktoren, insbe- gramms unter Einbezug sondere unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel, erfordert einen mul- aller betroffenen Akteure tisektoriellen Ansatz, der alle wichtigen Akteure einbezieht. Deshalb ist von Be- ginn an das Nationales Programm Ernährung und Bewegung (NPEB) in einem partizipativen Prozess entwickelt worden. Miteinbezogen waren die mit Fragen zur Ernährung und Bewegung betrauten Bundesämter, Kantone, halbstaatliche Organisationen, Nicht-Regierungsorganisationen, Universitäten, die Ärzteschaft, das Bildungswesen, die Industrie, die Medien, die Wirtschaftsverbände, der Kon- sumentenschutz, die WHO und Vertreter/innen aus dem Bewegungssektor. Das NPEB als Rahmen- Das vorliegende Programm zielt darauf, die Schwächen der heutigen Situation zu programm überwinden und insbesondere die Koordination zu verbessern. Das NPEB stellt ein Rahmenprogramm für das nationale Vorgehen im Bereich nicht-übertragbarer Krankheiten im Zusammenhang mit Ernährung und Bewe- gung dar. Für Debatten und Diskussionen rund um die Themen Ernährung, Be- wegung und nicht-übertragbare Krankheiten fasst es unter anderem die prioritä- ren Ziele zusammen. Vision, Mission und Ziele Das NPEB legt grossen Wert auf die für unser Land typischen regionalen, sprach- des NPEB lichen und politischen Unterschiede. Es definiert seine Vision wie folgt: Die Schweiz bietet Lebensbedingungen, in welchen Individuen, Familien und Gemeinschaften sich ausgewogen ernähren, ausreichend bewegen und dadurch ihre Gesundheit fördern. Die Mission des Nationalen Programms Ernährung und Bewegung lautet: Gesundheitsfördernde Lebensbedingungen schaffen und erhalten, die zu einer Stabilisierung und einer Senkung von Adipositas vor allem bei Kindern führen. Ausrichtung der Angebote auf die spezifischen Bedürfnisse und den Kontext der Zielgruppen und Settings, um Diskriminierungen entgegen zu wirken und die Chancengleichheit zu fördern.
Diese Elemente wurden in fünf Hauptziele gefasst:
1. Zusammenarbeit sicherstellen
2. Ausgewogene Ernährung fördern
3. Bewegung und Sport fördern
4. Integrierte Ansätze zur Förderung eines gesunden Körpergewichtes realisieren
5. Beratungs- und Therapieangebote optimieren
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Abb. 2: Illustration NPEB (eigene Darstellung BAG)
Nationale Koordination Eine nationale Koordination soll die Zusammenarbeit der Akteure und die optima- sicherstellen le Nutzung der Ressourcen und Synergien sicherstellen. Die für die Entwicklung und Beurteilung weiterer Massnahmen notwendigen wissenschaftlichen Grundla- gen werden durch Forschung, Monitoring und Evaluation erarbeitet. Gezielte An- gebote in der Aus- und Weiterbildung erhöhen die Kompetenz von Fachpersonen. Förderung einer ausge- Das zweite Ziel strebt die Integration einer ausgewogenen Ernährung in den Le- wogenen Ernährung bensalltag an. Als Grundlage dienen die nationalen Ernährungsempfehlungen, wobei die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen berücksichtigt werden sollen. Die Herausforderung besteht darin, bereits bestehende und erfolgreiche Mass- nahmen zur Förderung einer gesunden Ernährung weiter zu entwickeln, aber auch neue, innovative Ansätze zu finden, um das Ernährungsverhalten besonders bei Kindern und Jugendlichen zu verbessern.
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Förderung von Bewegung Das dritte Ziel bezweckt, für alle Bevölkerungsgruppen Möglichkeiten zu schaffen und Sport und sie dazu zu motivieren, sich täglich zu bewegen oder Sport zu treiben. Ein bewegungsfreundliches Umfeld soll die körperliche Aktivität zuhause, an Schule und Arbeitsplatz, unterwegs sowie in der Freizeit fördern. Die Herausforderung besteht darin, die Stärken der Bewegungs- und Sportlandschaft gezielt weiter zu entwickeln. Parallel dazu sind die Bevölkerungsgruppen, die durch die bestehenden Angebo- te noch ungenügend erreicht werden, zu identifizieren. Hier sind innovative An- sätze zu unterstützen und wo nötig neue Zugänge zu entwickeln. Integrierte Ansätze zur Mit dem vierten Ziel soll der Trend zur Übergewichtszunahme in der Bevölkerung Förderung eines gesun- gebremst werden. Integrierte Ansätze (Bewegung, Ernährung, psychische und den Körpergewichts soziale Aspekte) zur Förderung eines gesunden Körpergewichtes sollen in den Lebensalltag integriert werden. Optimierung des Bera- Das fünfte Ziel will für die in der Schweiz lebenden Menschen mit Übergewicht, tungs- und Therapieange- Fettleibigkeit oder Essstörungen ein bedarfsgerechtes und evidenzbasiertes An- bots gebot an Beratung und Therapie schaffen. Der Früherkennung von Risikopatien- ten wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Umsetzungsgrundsätze Die Umsetzung des NPEB soll nach folgenden Grundsätzen erfolgen: Zur Zielerreichung ist es unabdingbar, dass die bei der Erarbeitung des NPEB geförderte Zusammenarbeit zwischen den Akteuren auch in der Umset- zungsphase weiter gepflegt wird. Ein besonderer Fokus ist auf die multisekt- orale Zusammenarbeit und die Partnerschaft mit der Nahrungsmittelindustrie zu legen. Durch die Schaffung von Synergien mit den Partnern können die vorhandenen Ressourcen besser genutzt und die Mittel effizienter eingesetzt werden. Die Rollen und Zuständigkeiten der zahlreichen Akteure im Bereich Ernäh- rung und Bewegung in der Schweiz sind zu präzisieren. Die Umsetzung der Massnahmen ist unter dem Blickwinkel eines langfristigen Zeithorizonts fest- zulegen. Massnahmen, die eine Veränderung des Lebensstils der Menschen zum Ziel haben, bedürfen einer Ausrichtung auf 15-20 Jahre. Das NPEB soll positive Botschaften wie die Freude am Essen und das gute Gefühl bei der körperlichen Aktivität in den Vordergrund stellen. Es sind alle Möglichkeiten zu nutzen, die Akzente auf fördernde und genussvolle Bewe- gungs- und Ernährungsansätze zu setzen. Schwerpunkte Im Zentrum des NPEB stehen die Errichtung einer nationalen Plattform Ernäh- rung und Bewegung und eines Monitoring-Systems. Diese beiden Massnahmen dienen dazu, die multisektorale Zusammenarbeit und die Koordination der beste- henden oder geplanten Interventionen zu erleichtern. Mit Hilfe der beiden Instru- mente sollen Lücken identifiziert und ernährungs- und bewegungsbezogene Prob- leme analysiert werden.
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Nationale Plattform Ernäh- Im Rahmen der nationalen Plattform Ernährung und Bewegung sollen mit den rung und Bewegung beteiligten Akteuren gemeinsam getragene Massnahmen diskutiert werden. Wie in anderen Bereichen der öffentlichen Gesundheit stellt sich vor allem im Bereich der Ernährung sowie bei den Rahmenbedingungen für Sport und Bewegung im- mer von neuem die Frage, wie weit freiwillige Massnahmen für eine Verbesse- rung der gesundheitlichen Situation ausreichen und ab wann regulatorische Inter- ventionen notwendig sind. Bevor gesetzliche Massnahmen ergriffen werden, ist das Potential von privaten Akteuren (z.B. Nahrungsmittelindustrie, Detailhandel) sowie von Non-Profit- und Freiwilligen-Organisationen für freiwillige, selbstregula- torische Massnahmen auszuschöpfen. Es gilt aber auch, auf optimale Art und Weise das grosse Engagement der privaten Akteure durch Aktivitäten der öffentli- chen Hand und entsprechende gesetzliche Grundlagen zu unterstützen. Die Akti- vitäten bestehender Netzwerke soll nicht konkurrenziert, sondern durch diese Plattform unterstützt werden. Einheitliches Es soll ein einheitliches Monitoring-System entwickelt werden, das auf bereits Monitoring-System bestehende Strukturen zurückgreift wie das Observatorium Sport und Bewegung (sportobs) oder die Schweizerische Gesundheitsbefragung. Es sollen aber auch weitere Instrumente entwickelt werden, beispielsweise der National Nutrition Sur- vey Switzerland (NANNUS) oder ein Monitoring des Bewegungsverhaltens im Kindesalter. Mit diesen Instrumenten können die Lücken und wirksamen Ansätze im Bereich Ernährung und Bewegung identifiziert werden. Verantwortlichkeiten Die Verantwortlichkeiten für das NPEB sollen zwischen den drei Partnern BAG, BASPO und Gesundheitsförderung Schweiz wie folgt aufgeteilt werden: Das BAG übernimmt die Federführung für die Umsetzung der nationalen Koor- dination (Ziel 1), der Förderung einer ausgewogenen Ernährung (Ziel 2), der Optimierung von Beratungs- und Therapieangeboten (Ziel 5), wie auch für die Förderung der Alltagsbewegung (Ziel 3) Das BASPO ist in erster Linie verantwortlich für die Förderung von Sport und im Wesentlichen auch von Bewegung (Ziel 3). Gesundheitsförderung Schweiz ist zuständig für die integrierten Ansätze zur Förderung eines gesunden Körpergewichts (Ziel 4). Eine herausragende Rolle für die Planung und Umsetzung des Programms haben die Kantone. Weitere wichtige Partner sind die Gemeinden, halbstaatliche Orga- nisationen, Nicht-Regierungsorganisationen (wie die NGO-Allianz), die Nah- rungsmittelindustrie und der Nahrungsmittelhandel. Zudem werden bei der Erar- beitung von Massnahmen je nach Themenbereich weitere Bundesämter beteiligt werden, wie das Bundesamt für Migration (z. B. soziale Integration durch Sport), das Bundesamt für Raumentwicklung (z. B. bewegungsfreundliche Siedlungspla- nung), das Bundesamt für Strassen (z. B. Langsamverkehr wie Velowege) und das Bundesamt für Landwirtschaft (z. B. Nahrungsmittelproduktion).
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