2022.STA.2051
Petition "INFORAMA Bio-Schule retten!". Antwortschreiben des Regierungsrates
7 giugno 2023Tedesco4 min
Source be.ch
Petition "INFORAMA Bio-Schule retten!". Antwortschreiben des Regierungsrates
Kanton Bern Canton de Berne
Regierungsrat
Postgasse 68 Postfach 3000 Bern 8 Staatskanzlei, Postfach, 3000 Bern 8 info.regierungsrat@be.ch www.be.ch/rr
Ehemaligenverein Schwand-Bäregg p.A. Martin Meier
per E-Mail: emmeier@vtxmail.ch
RRB Nr.: 620/2023 7. Juni 2023 Direktion: Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion Klassifizierung: Nicht klassifiziert
Petition «INFORAMA Bio-Schule retten!»
Sehr geehrter Herr Meier Sehr geehrte Damen und Herren
Der Regierungsrat hat die am 17. November 2022 eingereichte Online-Petition «INFORAMA Bio-Schule retten!» zur Kenntnis genommen.
Die Petition fordert, dass die Bio-Schule des INFORAMA gestärkt und auf dem Schwand fortge- führt wird. Weiter wird gefordert, dass mindestens 20 Prozent des Unterrichts auf Biobetrieben in der Region durchgeführt werden und eine Fachrichtung Biolandbau angeboten wird. Zudem soll es mehr Weiterbildungsangebote für eine innovative Biolandwirtschaft geben.
Der Regierungsrat teilt die Ansicht, dass die biologische Landwirtschaft im grössten Agrarkan- ton der Schweiz eine wesentliche und zukunftsrelevante Bedeutung haben muss. Die Bio-Aus- bildung am INFORAMA ist daher auch in keiner Weise in Frage gestellt. Unabhängig vom Standort wird dieser Ausbildung auch in Zukunft eine hohe Bedeutung zukommen.
Die Bio-Schule des INFORAMA am Standort Schwand in Münsingen bietet Aus- und Weiterbil- dungen sowie Beratungen im Bereich des Biolandbaus an. Dazu gehört insbesondere die sepa- rat geführte 3. Lehrjahrs-Klasse mit dem Schwerpunkt «Bio Landbau», die zum Abschluss «Landwirt/in EFZ — Schwerpunkt Bio-Landbau» führt. In den letzten Monaten und Jahren hat das INFORAMA die Entwicklung des Bio-Landbaus aktiv mitgestaltet. Einerseits hat eine um- fangreiche Stärkung der Angebote im Bio-Bereich stattgefunden, indem zusätzliche Mitarbei- tende in diesem Themenfeld aktiv sind. Andererseits wurden und werden unter Federführung des INFORAMA die mit erheblichen öffentlichen Mitteln unterstützten Projekte «Bio-Offensive 2020» und «Bern ist Bio / Bio-Offensive 2025» erfolgreich umgesetzt. Ausserdem wurde das heutige Ressort «Grüne Beratung» des INFORAMA noch stärker auf Bio-Themen ausgerichtet und mit weiteren Ressourcen für die Bio-Beratung ausgestattet.
In der Berufsbildung ist die Definition von Inhalten, Kompetenzniveaus und Lernorten in der na- tionalen Berufsbildungsgesetzgebung verankert. Dort werden unter anderem die drei Lernorte
Nicht klassifiziert I Letzte Bearbeitung: 30.05.2023 I Version: 3 I Dok.-Nr.: 268298 I Geschäftsnummer: 2022.STA.2051 1/3
Kanton Bern Canton de Berne
(Lehrbetrieb, Berufsschule und UK), die Aufgaben der tripartiten Kommission (Bund [SBFI]), Kantone, Branche) und andere Aspekte geregelt. Mit anderen Worten wird auf nationaler Stufe festgelegt, dass die Lehrbetriebe für die berufspraktischen Inhalte, die Berufsschulen für die Theorie und die UK für die überbetrieblichen Kompetenzen zuständig sind. Das schliesst zwar nicht aus, dass Teile des Berufsschulunterrichts punktuell auf Landwirtschaftsbetrieben (auf Feld, Wiese oder im Stall) stattfinden können. Allerdings ist aus Aspekten der Unterrichtseffizi- enz eine wohlüberlegte Dosierung des Unterrichts ausserhalb des Schulzimmers angezeigt. Eine zwingende Regulierung von mindestens 20 Prozent ausserhalb des Schulzimmers können weder das INFORAMA noch der Kanton Bern festlegen. Dies müsste auf nationaler Ebene ein- bracht werden.
Derzeit findet eine umfassende Revision der Berufsbilder der Landwirtschaft statt. Voraussicht- lich wird die landwirtschaftliche Grundbildung aufgeteilt in zwei Jahre gemeinsam beschulten Unterricht und in separat beschulte Fachrichtungen im 3. Lehrjahr beziehungsweise im zusätzli- chen Lehrjahr, wo eine weitere Fachrichtung besucht werden kann. Eine Fachrichtung für «Bio- Ackerbau» ist geplant und wird derzeit in der Vernehmlassung intern wie extern beurteilt. So- bald der Modellentscheid gefällt ist, wird das INFORAMA den Aufbau der neuen Fachrichtung «Bio-Ackerbau» aktiv nnitgestalten.
Der Schwand wurde am 8. Dezember 2022 durch die WBS AG im Baurecht des Kantons Bern erworben. Der Regierungsrat hat keinen nachweislichen Bedarf für eine langfristige kantonale Nutzung auf dem Schwand-Areal ausgemacht. Zudem wäre eine nachhaltige Entwicklung des Areals durch den Kanton wegen der geltenden raumplanerischen Rahmenbedingungen stark erschwert gewesen, und die Gebäude müssten für die Wiedervermietung und Zwischennutzung instandgesetzt werden. Die WBS AG hat die laufenden Mietverträge übernommen, und der Ver- trag für die Bio-Schule des INFORAMA wird für fünf Jahre verlängert.
Der Regierungsrat hat im Rahmen seines Beschlusses zum strategisch-räumlichen Betriebs- konzept INFORAMA (Nutzerstrategie INFORAMA) vom 3. Mai 2023 dargelegt, in welche Stand- orte er mittel- und längerfristig investieren will. Für den Standort Schwand sieht das Konzept keine längerfristigen Investitionen vor. Die Bio-Ausbildung wird mittel- bis längerfristig auf die Rütti nach Zollikofen verschoben, wo auch für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Bio-Land- baus im Kanton Bern zukunftsgerichtete Synergien mit der BFH-HAFL erschlossen werden kön- nen. Die Nutzerstrategie INFORAMA wird in der Herbstsession 2023 im Grossen Rat diskutiert. Die Weiterführung der Bio-Ausbildung am INFORAMA steht dabei nicht zur Debatte. Sie wird auch in Zukunft — unabhängig vom Standort — in gewohnter Qualität angeboten werden.
Freundliche Grüsse
Im Namen des Regierungsrates
Philippe Müller Christoph Auer Regierungspräsident Staatsschreiber
Verteiler
- Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion — Bau- und Verkehrsdirektion
- Bildungs- und Kulturdirektion
Nicht klassifiziert I Letzte Bearbeitung: 30.05.2023 I Version: 10 I Dok.-Nr.: 696349 I Geschäftsnummer: 2022.STA.2051 2/2