Anfrage Patricia Bernet, Uster, betreffend Lehrpersonen fit machen für die integrative Schule, Beantwortung
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 259/2024
Sitzung vom 6. November 2024
1128. Anfrage (Lehrpersonen fit machen für die integrative Schule) Kantonsrätin Patricia Bernet, Uster, hat am 19. August 2024 folgende Anfrage eingereicht: Kinder mit besonderen Bedürfnissen profitieren meist davon, in Re- gelklassen integriert zu werden. Das zeigt unter anderem der Bildungs- bericht 20231 auf. Demnach sind die positiven Auswirkungen später in der Schule etwa in den Fächern Mathematik und Deutsch spürbar. Sogar bis in die Berufswahl und beim Lohnniveau lassen sich positive Effekte nachweisen 2 . Heute sind fast alle Klassenlehrpersonen mit heilpädagogischen The- men im Unterricht konfrontiert, z. B. betreffend Verhaltensauffälligkei- ten, fehlende Konzentrationsfähigkeit, ADHS, Spracherwerbsverzöge- rungen oder -störungen, Autismusspektrumstörung. Ausserdem sind sie zunehmend gefordert durch vermehrte, zwingend notwendige Teamarbeit, Führungsarbeit (Schulassistenzen) und Elternarbeit. Um möglichst viele Kinder integriert beschulen zu können, brauchen die Lehrperson ver- stärkte Kompetenzen in diesen Bereichen. Gemäss Bericht im «Beob- achter» vom 6. Juli 2024 3 sind Lehrpersonen unzufrieden mit der Aus- bildung. Sie sei zu kopflastig und zu praxisfern. Wir bitten die Bildungsdirektion zusammen mit der HfH und der PHZH folgende Fragen zu beantworten:
Erwägungen
1. Wie viele Stunden (% an gesamter Ausbildung) / Module umfassen in der Ausbildung zur Lehrer:in an der PHZH die Themen: a. Integrativer Unterricht b. Verhaltensauffälligkeiten c. Sprachstörungen d. Autismusspektrumstörungen e. Führung von und Zusammenarbeit mit Schulassistenzen f. Zusammenarbeit in pädagogischen Teams, Zusammenarbeit in in- traprofessionellen Teams g. Elternarbeit
1 Bildungsbericht 2023: https://www.skbf-csre.ch/fileadmin/files/pdf/bildungsberichte/2023/
2 https://www.lch.ch/publikationen/positionspapiere/detail/vielfalt-braucht-vielfalt-ge-
lingensbedingungen-fuer-eine-inklusionsorientierte-schule 3 https://www.beobachter.ch/arbeit-bildung/lehre-studium/mehr-bodenhaftung-
bitte-724125
2. Gibt es Pläne, die Ausbildung Lehrer:in und Schulische Heilpädago- gik näher zusammenzuführen? Falls nicht: Weshalb nicht? Ist geplant, eine solche Entwicklung zu prüfen?
3. Wie will der Regierungsrat die Ausbildung anpassen, damit die Lehr- personen besser auf die Realität im Klassenzimmer, für Teamarbeit, Elternarbeit vorbereitet sind?
Dispositiv
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Patricia Bernet, Uster, wird wie folgt beantwortet:
Das Thema der Anfrage betrifft die Zuständigkeitsbereiche der Pä- dagogischen Hochschule Zürich (PHZH) und der Interkantonalen Hoch- schule für Heilpädagogik (HfH). Die Beantwortung erfolgt gestützt auf deren Angaben. Zu Frage 1: Die Themen Inklusion, Kommunikation und Sonderpädagogik werden an der PHZH auf allen Schulstufen (Kindergarten- und Unterstufe, Pri- marstufe und Sekundarstufe I) und innerhalb der Studiengänge in allen Studienbereichen behandelt. Insbesondere im Studienbereich «Berufspraktische Ausbildung» fin- det eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen der inklusiven Bildung (vgl. Fragen 1 a–d) sowie der Zusammenarbeit in den Schulen (vgl. Fragen 1 e–g) statt. Dieser Ausbildungsteil umfasst an der PHZH zahlreiche Praktika von unterschiedlicher Dauer an Schulen des Kan- tons Zürich. Bereits früh im Studium erleben die Studierenden so den direkten Kontakt mit Schülerinnen und Schülern. Die berufspraktische Ausbildung macht an der PHZH ungefähr einen Drittel des gesamten Studienaufwandes aus. Im Studienbereich «Bildung und Erziehung» werden die genannten Themen auf allen Schulstufen in einer Reihe von Pflicht- und Wahlmo- dulen als Schwerpunkte behandelt. Der Studienbereich macht ungefähr einen Viertel des gesamten Studienaufwandes aus. Die Studierenden im integrierten Bachelor-/Masterstudiengang Sekundarstufe I haben etwa die Möglichkeit, Sonderpädagogik als Schwerpunkt (21 ECTS) zu wäh- len. Der Schwerpunkt wird in enger Zusammenarbeit mit der HfH an- geboten und ist bei den Studierenden sehr beliebt. Zudem gibt es ver- schiedene Pflichtmodule zur inklusiven Bildung, in denen die Studieren- den lernen, alle Schülerinnen und Schüler zu integrieren und zu fördern, mit Unterrichtsstörungen umzugehen oder wie sie Fachpersonen in die eigenen pädagogischen Überlegungen einbeziehen können.
Die genannten Themen sind vielschichtig und haben teilweise Über- schneidungen. In einem Modul können mehrere der Themen behandelt werden oder ein Thema wird nur als Teilschwerpunkt behandelt. Eine genaue Zuweisung der Module oder des Studienaufwandes zu den ein- zelnen Themen ist daher nicht ohne Weiteres möglich. Je nach Umfeld in der berufspraktischen Ausbildung und der Modul- sowie Schwerpunkt- wahl während des Studiums können die einzelnen Anteile auch zwischen den Studierenden unterschiedlich ausfallen. Zu Frage 2: Die HfH und die PHZH haben eine Rahmenvereinbarung geschlos- sen und arbeiten gestützt auf diese namentlich in mehreren Forschungs- projekten und Weiterbildungsveranstaltungen zusammen. Der Schwer- punkt Sonderpädagogik im Master Sekundarstufe I ist ein Ergebnis die- ser Zusammenarbeit (vgl. Beantwortung der Frage 1). Weitere Beispiele sind das Forschungsprojekt «Netzwerk inklusive Bildung an der Hoch- schule – Stark hoch 3» (abrufbar unter: hfh.ch/forschung/projekte) oder der CAS-Studiengang «Schulführung und Inklusion» (abrufbar unter: hfh.ch/weiterbildung/weiterbildungsplaner), die sich mit dem Thema der inklusiven Bildung auseinandersetzen. Diese Formen der Zusammenarbeit haben sich bewährt und sind so- wohl für die Hochschulen als auch für die Studierenden gewinnbringend. Innerhalb der begrenzten Ausbildungszeit ist es indessen nicht möglich, die Studierenden in einem Studiengang gleichzeitig zu Lehrpersonen und zu Heilpädagoginnen bzw. Heilpädagogen auszubilden. Die beiden Hochschulen sollen aber über den Austausch und die Zusammenarbeit voneinander profitieren. Zu Frage 3: Das Volksschulamt ist mit der PHZH und der HfH in ständigem Aus- tausch bezüglich der Anforderungen des Schulfeldes an die Ausbildung der schulischen Heilpädagogik. Die PHZH passt die Ausbildungsmodule und deren Inhalte laufend an die aktuellen Verhältnisse in den Schulen an. Durch den hohen Anteil an berufspraktischer Ausbildung an der PHZH erfolgen diese Anpassungen direkt im Austausch mit den Schu- len und in den berufspraktischen Modulen unmittelbar «vor Ort» in den Schulen. Dieser Austausch hat sich bewährt und lässt eine schnelle An- passung im Bedarfsfall zu.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungs- rates sowie an die Bildungsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli