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Decisione

RRB Nr. 540/2022

Opernhaus Zürich AG, Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie

30 marzo 2022Tedesco8 min

Source zh.ch

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 30. März 2022

540. Opernhaus Zürich AG, Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie

A. Ausgangslage Der Regierungsrat hat mit Beschluss Nr. 705/2018 die Eigentümer- strategie für die Opernhaus Zürich AG (Opernhaus) festgelegt. Vorlie- gend erstattet die zuständige Fachdirektion gemäss den Richtlinien über die Public Corporate Governance (PCG-Richtlinien) den jährlichen Be- richt über die Umsetzung der Eigentümerstrategie in der Spielzeit 2020/ 2021 (PCG-Richtlinien 7.4 und 7.5). Gestützt auf Art. 15 der Leistungsvereinbarung zwischen dem Kan- ton Zürich und dem Opernhaus vom 13. November 2019 hat die Direk- tion der Justiz und des Innern mit Verfügung vom 25. November 2021 die Jahresrechnung 2020/2021 des Opernhauses zustimmend zur Kenntnis genommen. Zudem hat sie gestützt auf Art. 16 Abs. 1 der Leistungsver- einbarung mit Schreiben vom 25. November 2021 festgestellt, dass das Opernhaus aufgrund der Covid-19-bedingten Betriebsschliessung von Ende Oktober 2020 bis Mai 2021 verschiedene Vorgaben gemäss Leis- tungsvereinbarung nicht einhalten konnte, was auf einen unverschulde- terweise eingetretenen Umstand zurückzuführen und somit nicht dem Opernhaus anzulasten sei. Das Opernhaus hat am 10. Dezember 2021 den Geschäftsbericht 2020/21 und die Informationen für die Berichterstattung eingereicht (Art. 16 Abs. 2 Leistungsvereinbarung).

B. Berichterstattung

1. Umfeld Das Opernhaus gehört zu den wichtigsten Kulturinstitutionen der Schweiz und zählt zu den bedeutendsten Musiktheatern Europas. Mit den über 800 Mitarbeitenden ist das Opernhaus auch das grösste Kul- turunternehmen im Kanton und einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Kreativwirtschaft. Seit März 2020 ist der Kulturbetrieb ausseror- dentlich stark von den Covid-19-Massnahmen betroffen, was sich unter anderem darin zeigt, dass der Bund die Massnahmen im Kulturbereich bis Ende 2022 verlängert hat.

2. Entwicklung des Opernhauses Seit Beginn der Intendanz von Andreas Homoki im Jahr 2012 beruht die Programmation des Opernhauses auf einem Gesamtkonzept, das eine ausgewogene Mischung von Neuproduktionen und Wiederaufnah- men von Opern sowie von Ballettaufführungen und Konzerten enthält. Dieses Spielmodell, das auch eine zunehmende Öffnung des Opernhau- ses für die breite Bevölkerung vorsieht (Oper für Alle auf dem Sechse- läutenplatz, Eröffnungsfest, Einführungen usw.), hat sich sowohl in künst- lerischer als auch in finanzieller Hinsicht sehr gut bewährt. Das Opern- haus wird dieses Produktionsraster mit rund zwölf Neuproduktionen und 20 bis 22 Wiederaufnahmen auch in den nächsten Spielzeiten an- wenden. Auch in der Spielzeit 2020/2021 hatte das Opernhaus ein vielfältiges und kontrastreiches Programm geplant. Bis Ende Oktober 2020 war der Publikumszuspruch trotz anhaltender Pandemie ansprechend dank einer technisch ausgeklügelten und international gefeierten Sonderlösung mit Live-Übertragung von Orchester und Chor aus dem Proberaum am Kreuzplatz. Danach musste das Opernhaus schliessen und konnte erst im Mai 2021 wieder vor 50 Personen und im Juni 2021 vor 100 Personen kleinere Formate (konzertante Vorstellungen in kleinen Besetzungen) aufführen. Zudem musste das Opernhaus das äusserst beliebte sommer- liche Freiluftformat Oper für Alle auf den Herbst 2021 verschieben. Zur Eröffnung der Spielzeit 2021/2022 übertrug es die Oper «Salome» und die aufsehenerregende Koproduktion von Ballett und Oper «Messa da Requiem» auf dem Sechseläutenplatz. Trotz der langen Schliessung hat das Opernhaus sein Engagement, das Haus für breitere Bevölkerungskreise zu öffnen, konsequent weiterge- führt. Dabei ist es neue, innovative Wege gegangen: Nachdem es die Spiel- zeit 2020/2021 dank der erwähnten Übertragung aus dem Proberaum erfolgreich begonnen hatte, setzte es während der Schliessung auf digi- tale Übertragungen. Im Zentrum des umfangreichen und vielfältigen Streamingangebots standen die Live-Übertragungen der trotz Pande- mie erarbeiteten Premieren, die zum Teil auch auf Arte im Fernsehen ge- zeigt wurden. Das Publikum hat diese Angebote rege genutzt: So haben rund 2 Mio. Personen die auf der Webseite gestreamten Opern, Ballette und Konzerte geschaut; überragend war die Resonanz der Übertragung des vom designierten Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda gelei- teten «Deutschen Requiem» auf Arte, die von fast 1 Mio. Menschen verfolgt wurde. In der Spielzeit 2020/2021 musste das Opernhaus 212 Vorstellungen auf der Hauptbühne sowie Oper für Alle absagen. Es fanden 84 Auffüh- rungen statt (2019/2020: 199, 2018/2019: 337), die von rund 22 500 Zu- schauerinnen und Zuschauern besucht wurden (2019/2020: 140 600, 2018/

2019: 243 000). In Anbetracht der während der ganzen Spielzeit andau- ernden Pandemie war der Publikumszuspruch ansprechend: Die Auslas- tung betrug 76,4% (2019/2020: 90,8%, 2018/2019: 89,8%). Unter diesen widrigen Umständen sind die Indikatoren zur Wirksam- keit und zur Wirtschaftlichkeit nicht aussagekräftig, weshalb auf deren Erwähnung zu verzichten ist. Der Verwaltungsrat blieb 2020/2021 unverändert; er besteht aus elf Mitgliedern, davon sechs vom Regierungsrat abgeordnete kantonale Ver- treterinnen und Vertreter (§ 2 Abs. 3 Opernhausgesetz [LS 440.2]).

3. Jahresabschluss 2020/2021 Das Opernhaus erzielte bei einem Gesamtertrag von 103,7 Mio. Fran- ken einen Verlust von Fr. 430 000. Der Verlust ist leicht höher als im Vor- jahr. Es ergaben sich folgende grösseren Differenzen: – Nochmaliger starker Rückgang der Vorstellungseinnahmen: 12,6 Mio. Franken. – Nochmaliger starker Rückgang beim Personalaufwand: 7,9 Mio. Fran- ken (der Rückgang umfasst Kurzarbeitsentschädigungen von rund 5 Mio. Franken). – Geringere Bildung netto (Bildung abzüglich Auf‌lösung) der Rückstel- lung Pandemie: 5,1 Mio. Franken. Das Opernhaus hat auch in der Spielzeit 2020/2021 keine Ausfallent- schädigung gemäss Covid-19-Kulturverordnung (SR 442.15) beantragt. 4. Umsetzung der Eigentümerstrategie

4.1. Strategische Ziele des Kantons (Ziff. 2 der Eigentümerstrategie) Mit der Beteiligung und Unterstützung des Opernhauses verfolgt der Kanton – unter Wahrung der künstlerischen Freiheit – folgende Ziele (Gewährleister): – Das Opernhaus ist als national und international beachtetes Musik- theater und Ballett positioniert. – Das Opernhaus präsentiert ein innovatives und abwechslungsreiches Opernrepertoire, das alle Gattungen und Epochen und insbesondere auch die zeitgenössische Musik berücksichtigt. Beurteilung: Ohne Pandemie hätte das Opernhaus diese Ziele auch 2020/2021 erreicht. Es ist daran zu erinnern, dass das Opernhaus wäh- rend der Spielzeit 2019/2020 mehrere renommierte Auszeichnungen er- hielt: den Award der Fachzeitschrift «Oper!» als bestes Opernhaus, die Ernennung des Balletts als Kompanie des Jahres und des Balletts «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» als Aufführung des Jahres durch die Fachzeitschrift «Tanz». – Das Opernhaus macht durch eine entsprechende Preisgestaltung und Vermittlungstätigkeit sein Angebot einer breiten Bevölkerung zu- gänglich.

Beurteilung: Auch dieses Ziel, das in Art. 5–9 der Leistungsverein- barung konkretisiert ist, hätte das Opernhaus gemäss Planung bzw. hat es bis zur Betriebsschliessung erreicht. Zudem sind die bereits erwähn- ten umfangreichen Bemühungen um digitale Verbreitung des Programms positiv zu würdigen. Weiter verfolgt der Kanton folgende wirtschaftliche Ziele (Eigner): – Im Vordergrund der Tätigkeit des Opernhauses steht nicht der wirt- schaftliche, sondern der künstlerische Erfolg, weshalb das Opern- haus nicht gewinnorientiert ist und keine Dividenden ausschüttet. – Das Opernhaus deckt einen angemessenen Teil seiner Ausgaben mit Vorstellungseinnahmen, Drittmitteln und Erträgen aus betriebsnahen Tätigkeiten. Beurteilung: Der Anteil der Vorstellungs-, Sponsoring- und Spenden- einnahmen sowie anderer betriebliche Erträge (z. B. Gastronomie) be- trug in der Spielzeit 2020/2021 17,6%. In der vorhergehenden, ebenfalls pandemiegetriebenen Spielzeit betrug dieser Anteil 27,8%. Bedingt durch die Coronapandemie ergab sich ein Ertragseinbruch von 14,6 Mio. Fran- ken oder 12,3%. Äusserst erfreulich entwickelten sich die Sponsoren- und Spendenerträge. Diese konnten um rund 1 Mio. Franken oder 10% ge- steigert werden. Unter den gegebenen Umständen kann das Ziel als er- füllt betrachtet werden.

4.2. Vorgaben an das Opernhaus (Ziff. 3 der Eigentümerstrategie)

4.2.1. Das Opernhaus betreibt in enger Absprache mit dem Personal­ rat eine zuverlässige und faire Personalpolitik, pflegt eine transparente, aktive Kommunikation und stellt mit Unterstützung des kantonalen Hochbauamtes die Qualität seiner Infrastruktur sicher. Damit erfüllt es diese Vorgaben des Regierungsrates.

4.2.2. Finanzen Die finanziellen Zielsetzungen ergeben sich aus der Eigentümerstra- tegie und der gestützt darauf angepassten Leistungsvereinbarung zwi- schen dem Kanton Zürich und dem Opernhaus (RRB Nrn. 705/2018 und 1045/2019). Die Messung der Ziele erfolgt anhand von Kennzahlen in den Berei- chen Verschuldung, Rendite, Ausschüttung und Cashflow. Bereich Vorgabe Beurteilung Verschuldung Der Zielwert wird erst für die – Spielzeit 2021/2022 festgelegt. Rendite Der Zielwert für die Rendite des Das ausgeglichene Ergebnis wurde Eigenkapitals ist 0%. fast erreicht. Bei einem Gesamtauf- wand von 103,7 Mio. Franken resul- tierte ein Verlust von Fr. 430 000, die Abweichung beträgt 0,4%. Ausschüttung Der Zielwert ist 0. Eine Ausschüttung ist nicht erfolgt. Cashflow Der Zielwert wird erst für die – Spielzeit 2021/2022 festgelegt.

4.2.3. Risikomanagement Das Opernhaus führt jährlich eine Risikobeurteilung anhand einer 5×5-Matrix durch, die vom Verwaltungsrat verabschiedet wird. 2021 wur- den 33 Risiken in vier Risikokategorien beurteilt: – Extern (neun Risiken, z. B. höhere Gewalt [vor allem Pandemien, Ter- ror, Krieg, Naturkatastrophen]; bauliche Risiken: Wasser, Feuer usw.) – Strategisch (sieben Risiken, z. B. Schlüsselpersonen, Nachfolgeregelung Direktion; bauliche Risiken: Raumprobleme) – Operativ (neun Risiken, z. B. mangelnde Motivation der Mitarbeiten- den; Betriebssicherheit, Unfälle) – Finanziell (acht Risiken, z. B. Liquiditätsengpässe; Sanierung Pen- sionskasse) Das Opernhaus hat folgende Toprisiken ermittelt: Kürzung des Kos- tenbeitrags, Rezession bzw. Konjunktureinbruch, höhere Gewalt (vor allem Pandemien, Terror, Krieg, Naturkatastrophen), Raumprobleme, Rückgang der Sponsoringeinnahmen und IT (Erpressungsversuche und/ oder Fraud). Das Risikomanagement des Opernhauses ist zweckmässig und ziel- führend.

5. Fazit Die Geschäftstätigkeiten des Opernhauses entsprechen im Wesent- lichen den strategischen Zielen des Regierungsrates. Die Massnahmen und Vorgaben des Kantons sind bereits umgesetzt und – sofern und so- weit dies in Anbetracht der Coronapandemie möglich war – eingehalten. Es sind keine zusätzlichen Massnahmen angezeigt.

Auf Antrag der Direktion der Justiz und des Innern beschliesst der Regierungsrat: I. Vom Bericht der Direktion der Justiz und des Innern über die Um- setzung der Eigentümerstrategie für die Opernhaus Zürich AG in der Spielzeit 2020/2021 wird Kenntnis genommen. II. Mitteilung an den Verwaltungsrat der Opernhaus Zürich AG, Fal- kenstrasse 1, 8008 Zürich, sowie an die Finanzdirektion und die Direk- tion der Justiz und des Innern.

Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:

Kathrin Arioli